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Muse: The Wow! Signale – Bio, Alben und Songs

Muse melden sich mit ihrem zehnten Studioalbum „The Wow! Signal“ zurück und knüpfen dabei an jene überlebensgroße Klangwelt an, mit der die Band Mitte der 2000er Jahre ihren internationalen Durchbruch schaffte.

Nach den stilistischen Experimenten von Simulation Theory (2018) und dem selbstreferenziellen Will of the People (2022) setzt das Trio wieder auf monumentalen Space Rock, ohne dabei auf eingängige Popmelodien zu verzichten.

Schon der Opener „The Dark Forest“ macht klar, wohin die Reise geht: Lateinische Chöre, treibende Synth-Bässe, dramatische Streicher, verzerrte Gitarren und Matt Bellamys markanter Gesang türmen sich zu einer opulenten Klangkulisse auf. Muse überlassen dabei nichts dem Zufall und setzen erneut auf maximale Dramatik.

Inhaltlich fällt das Album trotz seiner spektakulären Inszenierung überraschend zurückhaltend aus. Statt dystopischer Verschwörungserzählungen oder politischer Untergangsszenarien beschäftigt sich The Wow! Signal mit außerirdischem Leben.

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Der Titel bezieht sich auf das berühmte „Wow! Signal“, ein 1977 registriertes Radiosignal aus Richtung des Sternbilds Schütze, das bis heute als eines der rätselhaftesten Ereignisse der SETI-Forschung gilt. Viele Songs nutzen dieses Science-Fiction-Szenario allerdings eher als Metapher für Beziehungen, Sehnsucht und Verlust.

Musikalisch orientiert sich das Album hörbar an „Black Holes and Revelations“ aus dem Jahr 2006. Wuchtige Gitarrenriffs treffen auf pompöse Orgeln, progressive Synthesizerflächen und ausufernde Soli. Gleichzeitig öffnet sich die Band stärker dem Pop. Besonders „Nightshift Superstar“ verbindet den typischen Muse-Sound mit Elementen französischer Disco, die an Daft Punks Discovery erinnern. Auch „Shimmering Scars“ zeigt eine ungewohnt zugängliche Seite der Band. Hinter der aufwendigen Produktion verbirgt sich eine klassische Popballade mit starkem Songwriting.

Zu den weiteren Höhepunkten zählt das Duett mit Ellie Goulding, das die Mischung aus Pathos und Pop konsequent fortführt. Auch wenn manche Texte bewusst überzeichnet wirken, bleibt das Album insgesamt fokussierter als die beiden Vorgänger.

Natürlich verzichten Muse nicht auf ihre bekannten Markenzeichen. Bellamys theatralischer Gesang, ausladende Arrangements und ein Hang zur musikalischen Übertreibung prägen das gesamte Album. Für manche dürfte diese permanente Reizüberflutung anstrengend sein. Gleichzeitig zeigt sich aber, dass die Band weiterhin ein Gespür für große Melodien besitzt. Viele Songs funktionieren auch jenseits der aufwendigen Produktion und bleiben vor allem wegen ihrer Refrains im Gedächtnis.

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Mit „The Wow! Signal“ veröffentlichen Muse ein Album, das konsequent an ihrer eigenen Vision festhält. Wer Muse für ihre kompromisslose Größe und ihren Hang zum musikalischen Spektakel schätzt, dürfte hier auf seine Kosten kommen.

Biografie Muse

Muse gehören seit den späten 1990er Jahren zu den erfolgreichsten und einflussreichsten Rockbands Großbritanniens. Gegründet wurde das Trio 1994 im südenglischen Teignmouth, wo sich Matthew Bellamy, Christopher Wolstenholme und Dominic Howard während ihrer Schulzeit kennenlernten.

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Unter dem Namen Rocket Baby Dolls sammelten sie erste Bühnenerfahrungen, bevor sie sich in Muse umbenannten und mit ihrem einzigartigen Mix aus Alternative Rock, Progressive Rock und elektronischen Einflüssen internationale Erfolge feierten. Heute zählt die Band zu den größten Stadion-Acts der Welt.

Showbiz (1999)

Die Geschichte beginnt früher, als viele denken. Bellamy, Wolstenholme und Howard kennen sich seit der Schulzeit, spielen Ende der Neunziger in wechselnden Besetzungen und landen schließlich bei Maverick Records. Das Debüt „Showbiz” erscheint 1999 und klingt nach einer Band, die noch sucht — aber schon weiß, dass sie beim Suchen nicht aufhören wird. Gitarren-Grunge trifft auf Bellamys Falsett, das sich durch Stücke wie „Sunburn” und „Unintended” schraubt, als wäre Radiohead durch einen Vergrößerungsspiegel gegangen. Der Sound ist roh, die Energie spürbar, die Eigenständigkeit erst angedeutet.

Origin of Symmetry (2001)

Dann kommt der Sprung. „Origin of Symmetry” ist das Album, auf dem Muse aufhören, eine Band zu sein, die man mit anderen vergleichen kann. Bellamy lässt die Gitarre mit Synthesizern und klassischen Einflüssen kollidieren, Wolstenholmes Bass wächst zu einem eigenständigen Instrument heran, und Howard hämmert mit einer Präzision, die das Trio wie eine Maschine klingen lässt, die trotzdem atmet. „New Born”, „Bliss”, „Plug In Baby” — diese Tracks definieren einen Sound, der seither als Blaupause für epischen Alternative Rock gilt.

Absolution (2003)

„Absolution” bringt Muse in die Arenen. Das dritte Album ist apokalyptischer, orchestraler, dringlicher — und der Moment, in dem die Band endgültig die Kontrolle über ihre eigene Mythologie übernimmt. „Time Is Running Out”, „Hysteria”, „Butterflies and Hurricanes”: Stücke, die auf Anhieb nach Klassikern klingen, weil sie es sind. Bellamy verarbeitet hier Themen wie Kontrollverlust und gesellschaftliche Entfremdung mit einer Intensität, die dem Album bis heute eine fast religiöse Wirkung verleiht. Kult- und Religionsbilder waren bei Muse nie Dekoration — sie waren Haltung.

Black Holes and Revelations (2006)

Das vierte Album ist der Moment, in dem Muse aufhören, Rock zu spielen, und anfangen, Spektakel zu konstruieren. „Starlight”, „Supermassive Black Hole”, „Knights of Cydonia” — drei Songs, die unterschiedlicher kaum sein könnten und trotzdem zusammen ein kohärentes Bild ergeben: eine Band, die Raum- und Galaxiemetaphern als emotionale Sprache nutzt, nicht als Gimmick. „Black Holes and Revelations” katapultiert Muse endgültig in Stadien, die sie von da an nie wieder verlassen werden. Der Glastonbury-Headliner-Slot 2004 war Vorbote gewesen; jetzt war die Bestätigung da.

The Resistance (2009)

Muse machen weiter, wo andere aufgehört hätten. „The Resistance” ist das ambitionierteste Projekt bis dahin: eine Symphonie in drei Sätzen als Abschluss des Albums, politische Dystopie als Konzeptrahmen, Elektronik und Orchester als gleichberechtigte Partner. „Uprising”, „Undisclosed Desires”, „Resistance” — die Singles funktionieren im Radio, aber das Album lebt von seinem Gesamtbogen. Das Ergebnis: ein Album, das polarisiert und genau deshalb bis heute diskutiert wird.

The 2nd Law (2012)

Das sechste Album testet die Geduld der Hardcore-Fans — und gewinnt dabei neue Hörerinnen und Hörer. Dubstep-Elemente, Queen-Zitate, progressive Strukturen: „The 2nd Law” ist das Experiment, das Muse sich leisten können, weil sie das Vertrauen ihres Publikums über Jahre aufgebaut haben. „Madness” wird zum größten Mainstream-Hit der Bandgeschichte, „Survival” war offizieller Song der Olympischen Spiele 2012 in London. Wer kommt schon auf die Idee, einen Rocksound mit Thermodynamik zu verbinden? Muse tun es, und es klingt trotzdem nach Muse.

Drones (2015)

Nach dem Ausflug ins Experiment kehren Muse zum Gitarren-Rock zurück — mit einem Konzeptalbum über Kriegspropaganda, Drohnenkrieg und menschliche Manipulation. „Drones” ist linear erzählt, von der Indoktrination bis zur Befreiung, und klingt stellenweise wie ein Theaterstück, das zufällig auf Gitarren gespielt wird. „Dead Inside”, „Reapers”, „The Handler”: Bühnen- und Theaterbilder durchziehen das Album strukturell. Bei der 58. Grammy-Verleihung am 15. Februar 2016 gewann „Drones” den Grammy Award für Best Rock Album — und zeigt, dass Muse ihre politische Stimme nie abgelegt haben.

Simulation Theory (2018)

Neonfarbene Achtziger-Ästhetik, Synthwave, Videospiel-Referenzen: „Simulation Theory” ist das Album, das am stärksten nach Zeitgeist klingt — und trotzdem eigenwillig genug bleibt, um nicht in Nostalgie zu versinken. Bellamy verarbeitet hier Ideen aus dem Simulationismus und der Popkultur zu einem Sound, der zwischen Arcade-Halle und Arena wechselt. „Pressure”, „Something Human”, „Break It to Me” — die Bandbreite ist enorm. Das dazugehörige Konzert-Spektakel gehört zu den aufwendigsten Live-Produktionen, die eine Rockband je auf die Bühne gebracht hat.

Will of the People (2022)

Das neunte Studioalbum greift zurück auf das, was Muse immer am besten konnten: Unbehagen als Energie nutzen. „Will of the People” entstand während der Pandemie und klingt danach — verdichtet, dringlich, manchmal wütend. Hardrockmomente stoßen auf elektronische Texturen, Bellamy singt über kollektive Paranoia und politische Manipulation. Das Titelstück und „Compliance” zeigen eine Band, die ihren Werkzeugkasten kennt und ihn zielgenau einsetzt. Unvergessen bleibt die Eröffnungsnummer der dazugehörigen Tour, die mit pyrotechnischen Elementen arbeitete, die selbst für Muse-Verhältnisse neu waren.

The WOW! Signal (2026)

Nach der komprimierten Energie von „Will of the People” deutet das neue Album atmosphärischere und experimentellere Züge an: eine Rückkehr zu den Schichten von „Origin of Symmetry”, aber mit den Produktionsmitteln von 2026.

Das Faszinierende an Muse ist, dass ihre künstlerische Entwicklung keine Linie beschreibt, sondern eine Spirale. Sie kehren zu bekannten Themen zurück — Kontrolle, Apokalypse, Entfremdung — aber immer mit neuen Klangmitteln.

Diskografie

  1. „Showbiz” (1999)
  2. „Origin of Symmetry” (2001)
  3. „Absolution” (2003)
  4. „Black Holes and Revelations” (2006)
  5. „The Resistance” (2009)
  6. „The 2nd Law” (2012)
  7. „Drones” (2015)
  8. „Simulation Theory” (2018)
  9. „Will of the People” (2022)
  10. „The WOW! Signal” (2026)