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Sting & The Police: Bio, Songs und Alben

Er hätte einfach weitermachen können. The Police waren Ende der Siebziger und Anfang der Achtziger eine der größten Bands der Welt, ein Reggae-Punk-New-Wave-Hybrid mit Welthits und ausverkauften Stadien. Doch das war Sting nicht genug und startete solo noch einmal von vorn.

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Was folgte, ist eine der eigenwilligsten Solokarrieren der Popgeschichte: ein Künstler, der sich immer dann neu erfand, wenn es am bequemsten gewesen wäre, stillzustehen. Von Jazzimprovisationen über Lautenliederbücher aus dem 16. Jahrhundert bis zu Weltmusik-Kollaborationen, die kein Programmheft einordnen kann. Gordon Matthew Thomas Sumner, geboren 1951 in Wallsend nahe Newcastle, ist eine Figur, die sich jedem einfachen Narrativ entzieht.

Wallsend, Lehrerjob, Basslinien: Die Jahre vor dem Ruhm

Bevor er Sting wurde, war Gordon Sumner Lehrer. Er unterrichtete an einer Grundschule in Nordengland, spielte abends in Jazzbands und trug dabei einen schwarz-gelb gestreiften Pullover, der ihm den Spitznamen einbrachte, der ihn bis heute begleitet. Die Herkunft aus dem Arbeitermilieu von Wallsend, einer Schiffbaustadt am Tyne, prägte ihn dauerhaft: ein Bewusstsein für Klasse, für Arbeit, für die Distanz zwischen dem, was man ist, und dem, was man werden will.

Ende der Siebziger zog er nach London, traf den Schlagzeuger Stewart Copeland und den Gitarristen Andy Summers. The Police entstanden, und mit ihnen ein Sound, der Punk-Energie mit Reggae-Rhythmen und klassisch ausgebildetem Bassspiel verband. Stings Basslinien waren von Anfang an das Rückgrat der Band, melodisch und treibend zugleich. Der Durchbruch kam schnell, der Weltruhm auch.

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Diskografie The Police

Outlandos d’Amour (1978): Drei Fremde, ein Klang

Sting, Andy Summers und Stewart Copeland kennen sich kaum, als sie 1977 in London anfangen zu proben. Copeland, Sohn eines CIA-Offiziers, hatte zuvor bei Curved Air gespielt. Summers brachte Erfahrungen aus der britischen Psychedelic-Szene mit, hatte mit Kevin Ayers und Eric Burdon gearbeitet. Sting, bürgerlicher Name Gordon Sumner, kam aus Newcastle, hatte Jazz-Bass gespielt und unterrichtet. Drei Lebensläufe, die eigentlich nicht zusammengehören.

Das Debüt „Outlandos d’Amour” erscheint 1978 und klingt nach einem Versprechen. Die Energie ist roh, der Reggae-Einfluss deutlich, der Punk-Atem noch spürbar. „Roxanne” ist der Song, der alles verändert: ein Stück über eine Prostituierte, mit einer Melodie, die sich einbrennt, und einem Rhythmus, der irgendwo zwischen Kingston und London pendelt. Das Label A&M lehnte den Song zunächst ab. Dann wurde er ein weltweiter Hit.

Reggatta de Blanc (1979): Weiße Männer, schwarze Rhythmen

Der Titel ist ein selbstironisches Wortspiel für „White Reggae”. The Police wussten, was sie taten, und sagten es offen. „Reggatta de Blanc” vertieft den Ansatz des Debüts — die Rhythmen werden komplexer, Copeland treibt die Band mit einem Schlagzeugstil voran, der kaum jemand anderem gehört. „Message in a Bottle” ist der Eröffnungssong und sofort der größte Moment: ein Gitarren-Riff von Summers, das sich auffaltet wie eine Welle, dazu Stings Stimme in ihrer dringlichsten Form.

Das Album brachte The Police ihren ersten britischen Nummer-eins-Hit. Copeland und Sting hatten ein rhythmisches Gespür entwickelt, das kaum eine andere Rockband dieser Zeit besaß.

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Zenyattà Mondatta (1980): Tempo, Druck, Erschöpfung

The Police stehen unter Druck. Touren, Interviews, Erwartungen. „Zenyattà Mondatta” entsteht schnell, fast zu schnell, und das hört man. Das Album ist polierter als seine Vorgänger, zugänglicher, aber auch ein Stück weniger wild. „Don’t Stand So Close to Me” wird ihr zweiter britischer Nummer-eins-Hit: ein Song über einen Lehrer, der sich in eine Schülerin verliebt, halb Bekenntnis, halb Verkleidung. Sting hatte selbst unterrichtet.

Das Album zeigt erste Risse. Sting dominiert das Songwriting zunehmend, Summers und Copeland bringen sich ein, spielen sich nach Ansicht von Sting aber zu sehr in den Vordergrund. Was auf der Bühne wie Spannung klingt, ist im Studio manchmal schlicht Konflikt.

Ghost in the Machine (1981): Größer werden, dunkler denken

Mit „Ghost in the Machine” wagen The Police den Schritt in eine andere Dimension. Synthesizer treten hinzu, Bläser-Arrangements, ein Sound, der breiter und düsterer zugleich ist. Der Titel stammt aus einem Buch des Philosophen Arthur Koestler. „Every Little Thing She Does Is Magic” ist der strahlende Kontrapunkt: ein Song voller Leichtigkeit, der sich gegen die Schwere des Albums behauptet.

„Invisible Sun”, die zweite Single, ist das Gegenteil davon: ein düsteres Stück über den Nordirland-Konflikt, das die BBC aus dem Programm nahm. The Police hatten aufgehört, nur Popmusik zu machen. Das Publikum folgte trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb.

Synchronicity (1983): Gipfel und Abschied

Das letzte Studioalbum ist das ehrgeizigste. Sting ließ sich von dem Psychologen C.G. Jung inspirieren; der Begriff „Synchronizität” beschreibt bedeutungsvolle Zufälle, eine Idee, die sich durch das Album zieht. „Every Breath You Take” wurde zum meistgespielten Song der 1980er Jahre im US-Radio: ein Lied über einen Stalker, das die Welt als Liebeslied missvertand. Sting hat das immer wieder kommentiert, mit wachsender Ambivalenz.

„Synchronicity” brachte The Police auf den Gipfel: Die Welttournee 1983/84 füllte Stadien, das Abschlusskonzert im Shea Stadium gehört zu den großen Bühnenbildern der Rockgeschichte. Dann: Stille.

The Police lösten sich nicht mit einem Knall auf, sondern mit einem langen Schweigen. Sting trennte sich von seiner Band und begann seine Solokarriere, um die volle Kontrolle über seine Musik zu haben.

Discografie Sting

„The Dream of the Blue Turtles” (1985): Absprung ins Unbekannte

Zwei Jahre nach dem letzten Album von The Police erschien Stings erstes Solowerk, und es war eine Kampfansage an alle Erwartungen. „The Dream of the Blue Turtles” entstand mit einer Weltklasse-Jazzband, darunter der Saxofonist Branford Marsalis und der Schlagzeuger Omar Hakim. Das war kein Rockalbum mit Jazzduft, das war Jazz mit Popstruktur, und es funktionierte.

Songs wie „If You Love Somebody Set Them Free” und „Fortress Around Your Heart” zeigten, dass Sting Melodien schreiben konnte, die ohne Gitarren-Riff auskamen. Das Album war ein Statement und ambitioniert. Für viele Police-Fans überambitioniert.

„…Nothing Like the Sun” (1987): Trauer als kompositorisches Prinzip

Das zweite Soloalbum entstand im Schatten des Todes seiner Mutter. Sting verarbeitete die Trauer in einer komplexen, vielschichtigen Platte, die Flamenco-Einflüsse, brasilianische Rhythmen und politische Texte über Apartheid und AIDS zusammenbrachte. „Englishman in New York”, das Porträt des exzentrischen Quentin Crisp, wurde zur bekanntesten Single des Albums und zu einer Hymne für alle, die sich irgendwo fremd fühlen.

Das war Sting auf dem Höhepunkt seines Selbstvertrauens als Songwriter: bereit, persönliche Verluste mit weltpolitischen Themen zu verknüpfen, ohne dass es aufgesetzt wirkte.

„The Soul Cages” (1991): Der Tod des Vaters, die Stille danach

Nach dem Tod seines Vaters verstummte Sting für mehrere Jahre kreativ. Als er zurückkehrte, war „The Soul Cages” das Ergebnis: ein düsteres, ozeanisches Album, das in Bildern von Schiffen, Häfen und Nordengland schwelgte. Es ist das persönlichste Werk seiner Solokarriere, ein Requiem für den Vater und gleichzeitig eine Auseinandersetzung mit der eigenen Herkunft.

Das Album verkaufte sich schlechter als seine Vorgänger, aber Sting selbst hat es am häufigsten als das bedeutsamste seiner Karriere bezeichnet. „I didn’t want to make this record, frankly, but there basically was no choice”, sagte er über „The Soul Cages”.

„Ten Summoner’s Tales” (1993): Leichtigkeit als Kunstform

Nach der Schwere von „The Soul Cages” folgte ein Album, das wie ein Aufatmen klang. „Ten Summoner’s Tales” war entspannter, witziger, melodisch direkter. „Fields of Gold” wurde zu einem seiner meistgespielten Songs, eine Hymne, die in Hochzeitsplaylists und Filmtracks gleichermaßen auftaucht. Das Album zeigte, dass Sting Leichtigkeit genauso beherrschte wie Tiefe.

„Mercury Falling” (1996) und „Brand New Day” (1999): Zwischen Selbstzweifel und Weltoffenheit

„Mercury Falling” war das nachdenklichste Album dieser Phase, ein Album über Midlife-Krisen und emotionale Erschöpfung, das trotzdem Songs wie „Let Your Soul Be Your Pilot” enthielt, die in ihrer Schlichtheit überzeugten. „Brand New Day” dagegen war ein Aufbruch: weltmusikalisch, offen, mit Gastbeiträgen, die von Westafrika bis in die Karibik reichten. Die Single „Desert Rose” mit dem algerischen Sänger Cheb Mami brachte Sting ein neues Publikum und zeigte, wie weit er bereit war, seine Komfortzone zu verlassen.

„Sacred Love” (2003) und die Lautenbücher: Zwei Richtungen gleichzeitig

Mit „Sacred Love” lieferte Sting ein weiteres Album im Erwachsenen-Pop-Modus, politisch aufgeladen durch den Irakkrieg, musikalisch solide. Dann kam die Wendung, die selbst hartgesottene Fans überraschte: „Songs from the Labyrinth” (2006), ein Album mit Lautenliedern des Renaissance-Komponisten John Dowland, eingespielt mit dem Lautenisten Edin Karamazov. Wer kommt schon auf die Idee, mitten in einer Popkarriere ein Album mit 400 Jahre alten Kompositionen aufzunehmen? Sting. Das Ergebnis: überraschend stimmig.

„If on a Winter’s Night…” (2009), „Symphonicities” (2010) und „The Last Ship” (2013)

Die späteren Alben bewegten sich zwischen klassischen Weihnachts- und Winterliedern, Orchesterarrangements seiner eigenen Songs und dem Musical-Projekt „The Last Ship”, das auf seiner Kindheit in Wallsend basierte. „The Last Ship” war Stings Versuch, die Schiffbau-Welt seiner Herkunft auf die Bühne zu bringen, zunächst als Album, dann als Broadway-Musical. Das Projekt war ambitioniert und persönlich, kommerziell aber kein Durchbruch. Das Broadway-Musical hatte Previews ab dem 29. September 2014, eröffnete am 26. Oktober 2014 und schloss am 24. Januar 2015; es erhielt mäßige Kritiken und litt unter schwachen Ticketverkäufen.

„57th & 9th” (2016) und „The Bridge” (2021): Rückkehr zur Rockband

Nach Jahren des Experimentierens kehrte Sting mit „57th & 9th” zu einer Bandstruktur zurück, live und direkt, mit Gitarren und Schlagzeug. Das Album klang bewusst roh, fast wie eine Antwort auf die eigene Tendenz zur Überproduktion. „The Bridge” folgte 2021, ebenfalls mit einer Energie, die an frühere Dekaden erinnerte, aber mit Texten, die die Erfahrung eines Mannes in seinen Siebzigern reflektierten.

Seit 2024 ist Sting 3.0 gemeinsam mit Dominic Miller an der Gitarre und Chris Maas am Schlagzeug wieder als Trio-Formation live unterwegs. Ein Kreis schließt sich.

Sting 3.0 live in Berlin 2025 (Fotos: Andreas Budtke)