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Faye Wong: Chinas Dream-Pop-Superstar

Faye Wong ist einer der größten Stars der chinesischsprachigen Popmusik. Seit den frühen Neunzigerjahren verbindet die Sängerin Cantopop und Mandopop mit Dream Pop, Alternative Rock und elektronischer Musik, eine Melange, die auch heute noch faszinierend zeitlos klingt.

Vor allem ihre Zusammenarbeit mit den Cocteau Twins, Songs wie „Red Bean“ und „Eyes On Me“ sowie ihre Rollen in Wong Kar-wais Filmen „Chungking Express“ und „2046“ machten sie weit über China und Hongkong hinaus bekannt. Heute veröffentlicht Wong nur noch sporadisch neue Musik.

Geboren wurde Faye Wong am 8. August 1969 in Peking. Im Alter von 18 Jahren zog sie nach Hongkong, nahm Gesangsunterricht und erhielt schließlich einen Vertrag bei Cinepoly Records. Ihre ersten Platten erschienen unter dem Namen Shirley Wong und folgten weitgehend dem damals erfolgreichen Cantopop-Modell. Ihr Debüt „Shirley Wong“ kam 1989 heraus, 1990 folgten „Everything“ und „You’re the Only One“.

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Den großen kommerziellen Durchbruch brachte 1992 das Album „Coming Home“ mit „Fragile Woman“ („容易受傷的女人“). Wong war damit auf dem Weg zum großen Popstar, interessierte sich musikalisch allerdings zunehmend für andere Dinge. Sie begann selbst Songs zu schreiben und orientierte sich stärker an westlicher Alternative-Musik. Mit „100,000 Whys?“ von 1993 und vor allem „Random Thoughts“ von 1994 wurde dieser Wandel unüberhörbar.

Auf „Random Thoughts“ tauchten gleich mehrere Spuren der Cocteau Twins auf. Wong nahm Versionen von „Bluebeard“ und „Know Who You Are at Every Age“ auf, außerdem interpretierte sie „Dreams“ von den Cranberries.

Gerade die Verbindung aus chinesischem Pop und dem schwerelosen Dream Pop britischer Bands war für den Cantopop der frühen Neunziger ungewöhnlich. Wong übernahm diese Einflüsse jedoch nicht einfach als dekorative Zutat, sie machte daraus nach und nach eine eigene musikalische Sprache.

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Die Cocteau Twins und „Fuzao“

Der Einfluss der Cocteau Twins führte schließlich zu einer direkten Zusammenarbeit. Auf „Fuzao“ („浮躁“, international häufig als „Restless“ bezeichnet) von 1996 stammen zwei Stücke von Mitgliedern der schottischen Band. Wong wiederum sang auf einer speziellen Version von „Serpentskirt“, die auf der asiatischen Ausgabe des letzten Cocteau-Twins-Albums „Milk & Kisses“ erschien.

„Fuzao“ gehört zu den interessantesten Alben ihrer Karriere. Statt den enormen kommerziellen Erfolg ihrer vorherigen Platten einfach fortzuschreiben, rückte Wong experimentelle Arrangements, eigene Kompositionen und eine deutlich freiere Form des Pop in den Mittelpunkt. Teile ihres damaligen Publikums reagierten reserviert auf das Album, langfristig wurde es jedoch zu einer Schlüsselplatte ihrer Diskografie.

Es folgte eine Phase, in der Wong kommerziellen Erfolg und künstlerische Eigenständigkeit bemerkenswert selbstverständlich miteinander verband. Alben wie „Faye Wong“ von 1997, „Scenic Tour“ von 1998, „Lovers & Strangers“ von 1999 und „Fable“ von 2000 erweiterten ihren Sound um elektronische Elemente, Trip-Hop, orchestrale Arrangements und Alternative Pop. Mit „Red Bean“ („紅豆“) entstand 1998 einer ihrer bekanntesten Songs.

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Guinness World Records führte Wong im Jahr 2000 als meistverkaufte Cantopop-Sängerin. Bis März 2000 waren demnach geschätzt 9,7 Millionen Exemplare ihrer 20 Alben verkauft worden. „Lovers & Strangers“ hatte allein mehr als 800.000 Exemplare erreicht und Platz eins in Hongkong, China, Taiwan, Singapur und Malaysia belegt.

„Eyes On Me“ und der Weg nach Japan und in den Westen

Einen ungewöhnlichen internationalen Erfolg erzielte Wong 1999 mit „Eyes On Me“. Die englischsprachige Ballade wurde für das Videospiel „Final Fantasy VIII“ aufgenommen und erreichte damit ein Publikum, das mit Cantopop oder Mandopop kaum Berührungspunkte hatte. Für viele europäische und amerikanische Hörer war es die erste Begegnung mit ihrer Stimme.

Faye Wong konnte einerseits Millionenpublikum mit großen Popballaden erreichen und andererseits Musik veröffentlichen, deren Referenzen eher bei Dream Pop und Alternative Rock lagen. Genau diese Offenheit unterscheidet ihre Diskografie von vielen anderen großen Cantopop-Karrieren ihrer Generation.

Wong kultivierte dabei über Jahrzehnte eine bemerkenswerte Distanz zum üblichen Pop-Betrieb. Interviews waren selten, die permanente Selbstvermarktung interessierte sie kaum. Dieses zurückhaltende Auftreten verstärkte ihr rätselhaftes Image als schwer greifbare Popfigur, könnte andererseits auch darauf hindeuten, dass sie sich nicht vor den Karren der chinesischen Propaganda spannen lassen wollte.

Faye Wong im Kino

Parallel zur Musik entwickelte sich eine zweite Karriere, die international fast ebenso wichtig für ihre Wahrnehmung wurde. 1994 spielte Wong in Wong Kar-wais „Chungking Express“ die Imbissangestellte Faye, die sich in einen von Tony Leung gespielten Polizisten verliebt und heimlich dessen Wohnung verändert. Wong spielt die Figur mit einer eigentümlichen Mischung aus Unbekümmertheit, Melancholie und körperlicher Unruhe. Ihr Cranberries-Cover „Dream Lover“ ist ebenfalls im Film zu hören.

„Chungking Express“ wurde zu einem Schlüsselwerk des Hongkong-Kinos der Neunziger und machte Wong auch beim internationalen Arthouse-Publikum bekannt. Für ihre Darstellung erhielt sie beim Stockholm International Film Festival einen Preis als beste Schauspielerin. Wong Kar-wai arbeitete später erneut mit ihr zusammen.

In „2046“ von 2004 spielte sie Wang Jing-wen sowie deren futuristisches Gegenbild als Androidin. Der Film führte zahlreiche Motive aus Wong Kar-wais früheren Werken weiter und besetzte neben Wong unter anderem Tony Leung, Gong Li, Zhang Ziyi und Takuya Kimura. Daneben war sie unter anderem in „Chinese Odyssey 2002“ und „Leaving Me, Loving You“ zu sehen. Schauspielerei blieb für sie allerdings stets die kleinere der beiden Karrieren.

Rückzug auf eigenen Wunsch

Mit „To Love“ erschien 2003 ihr bislang letztes reguläres Studioalbum. Ab Mitte der Nullerjahre zog sich Wong weitgehend aus dem Musikgeschäft zurück. Eine klassische Comeback-Strategie mit neuen Alben im regelmäßigen Turnus folgte daraus nicht. Sie kehrte immer wieder für einzelne Auftritte auf die Bühne zurück und veröffentlichte einzelne Songs, blieb ansonsten jedoch unsichtbar für die Öffentlichkeit.

Dass ihre Popularität Jahrzehnte später noch immer beträchtlich ist, zeigte Anfang 2025 ein seltener großer Fernsehauftritt. Bei der staatlischen chinesischen Spring Festival Gala sang Wong „世界赠予我的“, international als „My Gifts from the World“ bezeichnet. Der Song war bereits wenige Tage zuvor über ihren offiziellen Kanal veröffentlicht worden.

Faye Wong gehört damit zu jener kleinen Gruppe von Popstars, deren Abwesenheit selbst Teil ihrer kulturellen Präsenz geworden ist und die sich trotz ihres eigenwilligen musikalischen Outputs international einen Namen machen konnte.