Die US-amerikanische Musikerin Lizzo hat ihr fünftes Album „Bitch“ veröffentlicht und damit den Einstieg in die Top 200 der US-Albumcharts verpasst. Ihr letztes Album war noch auf Platz 2 gelandet. Die Gründe für den Flop sind vielfältig.
Vor wenigen Jahren schien Lizzo unaufhaltsam. Mit Songs wie „Truth Hurts“, „Good as Hell“, „Juice“ und „About Damn Time“ wurde sie zu einer der prägenden Popfiguren ihrer Generation. Ihre Mischung aus Selbstbewusstsein, Humor, R&B, Hip-Hop und Pop traf den Nerv der Zeit und machte sie zu einer der erfolgreichsten Künstlerinnen der frühen 2020er Jahre.
Nach Klagen ehemaliger Tänzerinnen wegen mutmaßlicher sexueller Belästigung, Diskriminierung und eines feindseligen Arbeitsumfelds, die Lizzo bestreitet, kämpft die Sängerin nicht nur um ihre öffentliche Wahrnehmung, sondern auch um ihre musikalische Relevanz. Ihr fünftes Studioalbum „Bitch“ erscheint deshalb in einer Phase, in der praktisch alles auf dem Prüfstand steht. Und das hört man dem Album auch an.
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„Bitch“ wirkt wie die Suche nach einer neuen Identität. Lizzo springt zwischen Genres und Stimmungen, probiert Rock, Soul, R&B, House, Hip-Hop und Retro-Pop aus, ohne dabei eine klare Richtung zu finden. Der Titelsong greift den Refrain von Meredith Brooks‘ Neunzigerjahre-Hit auf, verzichtet jedoch auf dessen Biss. „Happy 2 Be“ orientiert sich hörbar an psychedelischem Pop im Stil von Tame Impala, während „She Stole My Man“ mit New-Wave-Gitarren hantiert. An anderer Stelle dominieren Southern Soul oder klassischer House.
Grundsätzlich war stilistische Offenheit schon immer Teil von Lizzos Reiz. Auf „Bitch“ entsteht daraus allerdings eine wahllose Sammlung von Ideen, die selten zueinanderfinden. Die Songs wirken oft unfertig, als würde die Sängerin verschiedene Konzepte testen, ohne sich für eines entscheiden zu können.
Die interessantesten Momente entstehen häufig dann, wenn Lizzo nicht krampfhaft versucht, den nächsten Pop-Hit zu schreiben. Was am Ende fehlt, ist jener unwiderstehliche Song, den sie früher scheinbar mühelos liefern konnte. Keine der Singles bleibt im Ohr, alles klingt wie der Abklatsch des alten Lizzo-Konzepts, nichts ist wirklich originell oder auf den Punkt.
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Das Vorgängeralbum „Special“ erreichte 2022 Platz 2 der Billboard 200 und festigte Lizzos Status als globaler Popstar. „Bitch“ gelingt nun nicht einmal der Einstieg in die Top 200 der wichtigsten US-Albumcharts. Für eine Künstlerin dieser Größenordnung ist das ein außergewöhnlich schwaches Ergebnis.
Lizzo macht dafür unter anderem die Veränderungen im Musikgeschäft verantwortlich: Streaming-Plattformen hätten das Radio als wichtigsten Verbreitungskanal ersetzt, zudem würden Algorithmen auf sozialen Netzwerken die Sichtbarkeit neuer Musik erschweren. Tatsächlich haben sich die Mechanismen des Popgeschäfts verändert.
Gleichzeitig drängt sich der Eindruck auf, dass sich auch der kulturelle Kontext verschoben hat. Ihre mitreißenden Botschaften von Body Positivity, Selbstliebe und Optimismus, mit denen Lizzo zur Stimme einer Generation wurde, besitzen nach dem Skandal nicht mehr dieselbe Glaubwürdigkeit wie zuvor, zumal die Sängerin selbst zur Abnehmspritze gegriffen und viele Kilos verloren hat.
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Damit steht sie vor einem Problem, das weit über dieses Album hinausgeht: Die Figur Lizzo war lange untrennbar mit einer klaren Haltung verbunden. Dieses Image ist brüchig geworden und in Kombination mit fehlenden Hits bleibt „Bitch“ nur ein müder Abklatsch ihrer früheren Werke.
Nach ihrer Arbeit im Studio bereitet sich die Musikerin auf eine Karriere in Hollywood vor. In dem Biopic „Rosetta“ wird sie die Rock-’n’-Roll-Pionierin Sister Rosetta Tharpe verkörperen, deren Einfluss auf die moderne Musikgeschichte damit endlich eine cineastische Würdigung erfährt.
Trackliste Lizzo – „Bitch“ (Album 2026)
01 A Toast
02 Happy 2 Be
03 Don’t Make Me Love U
04 Bitch
05 She Stole My Man
06 Whose Hair is This
07 Little Black Cat
08 That GRRRL
09 Too Nice
10 Like a Crime
11 Goodmorning!
