Beatles-Legende Paul McCartney veröffentlicht sein zwanzigstes Solo-Album: Ein Lookback auf Liverpool, in dem er einst ein Boy war. „The Boys Of Dungeon Lane” versucht dabei mehr als Nostalgie zu sein und beschwört mit Melodieseligkeit die Kraft der Musik – jenseits aller Zeitfragen.

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Bevor Paul McCartney in diesem Juni 2026 seinen 84ten Geburtstag feiert, schenkt er uns ein neues Solo-Album, das sich stellenweise überraschend spielerisch und schelmenhaft mit seiner Jugend in Liverpool befasst, den Kindheitsorten in jener titelgebenden Dungeon Lane.
Es finden sich musikalische Melodie-Erinnerungsbögen, die sich um die ersten gemeinsamen Erlebnisse mit George Harrison und John Lennon drehen und mit seinem verbliebenen Kollegen Ringo Starr gibt es mit dem beschwingten Sixties seligen „Home To Us“ sogar einen erstmaliges gemeinsames Duett – in den Background-Vocals hören wir Chrissie Hynde und Sharleen Spiteri (Texas)
Die darin enthaltenen Zeilen „The place we used to live in / You could say it wasn’t much / But it was home to us” zum schunkelnden Pub-Sound sind charmant und doch so etwas wie das musikalische Äquivalent zum gestickten Heimat-Wandbild. Es ist leicht, als Milliardär und Weltstar die Armut der Jugend zu verklären und es ist leichter, als Mann und Megastar als Genie gepriesen zu werden.
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So wird auch „The Boys Of Dungeon Lane” in den meisten Rezensionen als Spät-Meisterwerk oder gar Triumph gepriesen, die ebenfalls 2026 stattfindende Rückkehr der Rolling Stones mit neuem Album fiebrig erwartet und auch Ringo Starrs neuestes countrylastiges Werk hochgelobt. Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit dieser Musiker gilt stets als authentisch, während Madonnas zweiter Ausflug 2026 in ihre Club-Phase oftmals als aufgesetzt geschmäht wird.
Die hier oft verwendete Phrase „In Würde altern“ kontert Indie-Pop-Ikone Christiane Rösinger mit „Jugendliche sind ja auch nicht in Würde jung”. Folgt man ihren schlauen Worten in ihrem Buch „The Joy Of Ageing“ ist Altsein eine Form von Freiheit – diese muss man sich jedoch nehmen. Madonna nimmt sie sich, indem sie die Gemeinschaft im Dancefloor sucht, McCartney nimmt sie sich in der selbstbezogenen Retrospektive.
Retro ist dann bei „The Boys Of Dungeon Lane” auch das Motto, Anklänge an Wings und Beatles, psychedelischer Pop und balladesquer Classic Rock dominieren das Album. Die Produktion von Andrew Watt – der zuletzt auch “Hackney Diamonds” (2023) der Rolling Stones verantwortete – verbindet derweilen die klassischen Songwriter-Elemente mit einem direkteren Sound.
Das Erstaunliche der Songs liegt dabei in der bittersüßen Melange aus Wehmut und Optimismus, ein Potpourri des Pop mit Paul McCartneys Talent leichtfüßige Melodien aus dem Ärmel zu schütteln – quite boyish wie man in England dazu sagen würde.
Diskografie Paul McCartney
McCartney (1970)
Ram (1971) (with Linda McCartney)
McCartney II (1980)
Tug of War (1982)
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Pipes of Peace (1983)
Give My Regards to Broad Street (1984)
Press to Play (1986)
CHOBA B CCCP (1988)
Flowers in the Dirt (1989)
Off the Ground (1993)
Flaming Pie (1997)
Run Devil Run (1999)
Driving Rain (2001)
Chaos and Creation in the Backyard (2005)
Memory Almost Full (2007)
Kisses on the Bottom (2012)
New (2013)
Egypt Station (2018)
McCartney III (2020)
The Boys of Dungeon Lane (2026)
