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Das letzte Problem: Heitere Hommage an die klassische Detektivgeschichte

Netflix‘ neue Miniserie geht in vier Folgen der Frage nach, ob ein Sherlock-Holmes-Darsteller die Rolle des Detektivs auch im blutigen Ernstfall erfolgreich spielen kann.

Spanien, 1959. Dreizehn Fremde sitzen in einem eleganten Hotel auf einer Insel fest, durch stürmisches Wetter von der Außenwelt abgeschnitten. Zu einem besseren Zeitpunkt könnte eine Leiche gar nicht auftauchen. Wer wird den vertrackten Fall nur aufklären? Der ultimative Meisterdetektiv? Nun, nicht ganz…

Copyright Quim Vives/Netflix © 2025

„The Final Problem“ leiht sich seinen Titel sehr bewusst von einer der berühmtesten Sherlock-Holmes-Geschichten, ohne diese jedoch im herkömmlichen Sinne zu adaptieren. Der entscheidende Hinweis steckt im Namen des Protagonisten: Arturo Pérez-Reverte, Autor der Romanvorlage, hat seinem alternden Schauspieler-Charakter Benjamin Basil (José Coronado) nicht nur Basil Rathbones Namen, sondern auch dessen Karriere als vielgeliebter Holmes-Darsteller gegeben.

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Basils Fähigkeiten bestehen also darin, von Drehbüchern festgelegte Lösungen für kriminelle Rätsel mit dem Selbstbewusstsein des Genies vorzutragen, ohne eines zu sein.

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Nun ist überzeugendes Vortäuschen abseits des Filmsets ja eigentlich eher die Stärke des erfolgreichen Verbrechers, nicht des Detektivs. Doch wie der Thriller-Autor Foxá (Martiño Rivas) argumentiert, während er sich selbst eifrig um die Watson-Rolle bewirbt: Sein langjähriges Holmes-Kostüm hat Basil in jedem Fall mehr als alle anderen Inselinsassen darüber gelehrt, wie man Morde an englischen Touristinnen aufklärt. Theoretisch.

Und so machen sich die beiden zwischen Zitronenbäumen und Hotelbar an die Arbeit und nehmen den geschlossenen Kreis der Verdächtigen unter die Lupe, um herauszufinden, wer Unschuld schauspielert, bevor die Opferzahl steigt.    

Das Krimirätsel im abgeriegelten Mikrokosmos, wie Regisseur Félix Viscarret es inszeniert, bedient sich bei Setting, Tropen und Mechaniken noch mehr bei Agatha Christie als bei Arthur Conan Doyle. (Gerade die Insel als Schauplatz hat „And Then There Were None“ vielleicht besser eingesetzt als sonst irgendein Whodunnit.) Fans der Tradition werden vor allem Spaß daran haben, die Anspielungen zu identifizieren und den vertrauten Rädchen beim Ineinandergreifen zuzusehen.

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Interessanter als der (durchaus spannende) Mordfall an sich sind dabei die Folgen des Meta-Kniffs, statt eines Detektivs einen Detektiv-Schauspieler ermitteln zu lassen. Diese Absurdität, von den übrigen Figuren immer wieder amüsant reflektiert, nimmt den Zuschauenden die gewohnte Sicherheit ihres Vertrauens in die Fähigkeiten des Protagonisten. Hier wissen wir nicht, ob Basil weiß, was er tut.

Jedes Mal, wenn der professionelle Nachahmer Schlussfolgerungen basierend auf Fingernägeln oder Zigarettenasche ausführt, spekuliert man erneut, ob er gerade für sein gedoppeltes Publikum den Holmes gibt oder ob er dessen legendäre Methoden tatsächlich anwenden kann.

In gewisser Hinsicht stellt die Prämisse damit in Frage, ob die Deduktionen der brillantesten literarischen Detektive wirklich mehr Substanz haben als die Aufführungen ihrer Darsteller, ob messerscharfe Logik je ausreichen kann, um Herr einer verworrenen Gefahrenlage zu werden.

Copyright Lander Larrañaga/Netflix © 2025

Trotz dieses nachdenklichen Ansatzes bleibt „Das letzte Problem“ mehr liebevolle Hommage als Dekonstruktion. Als solche glänzt die Miniserie im spanischen Sonnenlicht, nicht zuletzt mit opulenter Ausstattung. Der Retro-Farbrausch aus knallbunten Swing-Röcken und großzügig dimensioniertem Schmuck sollte noch den grausten Herbsttag aufhellen.

Wer einen wahren modernen Erben von Sherlock Holmes als Detektiv möchte, in Fällen, die eher darauf aus sind, der sozio-politischen Komplexität von Doyles und Christies Meisterwerken nachzueifern, wird dagegen mit „Knives Out“ besser bedient sein.

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