21 Jahre ohne neues Studioalbum. Das geht so gar nicht. Weg vom Fenster ist da naheliegend, ist ja auch eine Ewigkeit. Nicht so bei System Of A Down. Die haben mal eben das Berliner Olympiastadion abgerissen und ganz nebenbei unter Beweis gestellt, dass man mit einem Repertoire wie dem ihrigen nichts Neues braucht, um die Hütte zum Ausrasten zu bringen. Frontmann Serj Tankian und Band sind schon eine Weile auf Tour, wissen also was zu tun ist. Bei bestem Sommerwetter feiert die Band mit zehntausenden Fans einen wuchtigen, mitunter fast schon sakral anmutenden Abend irgendwo zwischen harten Riffs, Glückstränen und überteuertem Bier.

Das kostet mit 7.50 Euro nochmal 50 Cent mehr als bei den Foo Fighters letzte Woche, aber wer zählt schon Taler bei so einem Line-up. System Of A Down sind nämlich nicht allein am Start. Logisch. Schon das Vorprogramm hat es in sich. Acid Bath eröffnen den Abend, bevor Queens Of The Stone Age die wachsende Menge mühelos auf Betriebstemperatur bringen. Zwar scheinen sich einige der Fans das Tanzen für den Hauptact aufzuheben, dennoch wirkt Josh Homme auf der Bühne so fit und spielfreudig wie lange nicht. Als schließlich System Of A Down die Szenerie betreten, wandelt sich eine kollektive Erwartungshaltung ad hoc in massenhaftes Durchdrehen. Alltag aus, Moshpit an. Vom ersten Takt an entwickelt das Olympiastadion eine Energie, die diesmal sogar bis in die obersten Ränge zu spüren ist.

Dabei brauchen System Of A Down keine große Inszenierung. Die Band setzt auf das, was sie seit Jahrzehnten auszeichnet: kompromisslose Songs, messerscharfe Brüche, Intensität als dramaturgischen Spannungsbogen – kurzum: ein Sound, den so bis heute keine andere Band liefern kann. Klassiker wie „B.Y.O.B.“, „Aerials“, „Chop Suey!“, „Lonely Day“ und „Toxicity“ funktionieren dabei wie eh und je. Besonders bei „Toxicity“ hat man das Gefühl, ein ganzes Stadion hat auf Schleudergang geschaltet. Das Bild: Überall Moshpits, überall Menschen die an diesem Abend eine gute Zeit haben. Etwas über eineinhalb Stunden, 30 Songs, alle im Moment. Ein seltenes Bild. Hat man in einem Stadion dieser Größe sonst doch eher eine klare Unterscheidung zwischen Zuschauern und Mitmachern. Heute sind alle gemeinsam am Start.
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Vielleicht liegt genau darin auch die große Stärke dieser Band – also mit ihren Songs ganze Generationen in Einigkeit über die Wucht und Wichtigkeit des Dargebotenen miteinander zu verbinden. Kurzum: ein akustischer Mittelfinger auf den sich Jung und Alt mühelos einigen können. Und so verlässt an diesem Abend niemand das Olympiastadion mit dem Gefühl etwas Gestriges erlebt zu haben. 21 Jahre, keine neue Platte? Geschenkt. System Of A Down transportieren ein Lebensgefühl, das nie weg war, somit auch kein Sequel und an diesem Abend nicht mal eine Zugabe braucht. Schön wars.

Setlist: System Of A Down – Olympiastadion Berlin (08.07.2026)
- Soldier Side – Intro
- B.Y.O.B.
- Suite-Pee
- Chic ‘N’ Stu
- Prison Song
- Violent Pornography
- Aerials
- I-E-A-I-A-I-O
- Darts
- Genocidal Humanoidz
- Needles
- Deer Dance
- Radio/Video
- Bubbles
- Dreaming
- Hypnotize
- ATWA
- Bounce
- Suggestions
- Psycho
- Chop Suey!
- Lonely Day
- Lost in Hollywood
- Streamline
- Spiders
- Forest
- D.A.M.
- War?
- Toxicity
- Sugar
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Setlist: Queens Of The Stone Age – Olympiastadion Berlin (08.07.2026)
- Regular John
- The Lost Art of Keeping a Secret
- Feel Good Hit of the Summer
- Sick, Sick, Sick
- The Fun Machine Took a Shit and Died
- Paper Machete
- My God Is the Sun
- Run, Pig, Run
- Little Sister
- Go With the Flow
- No One Knows
- A Song for the Dead
