Stevie Wonder feiert den 50. Geburtstag seines Klassikers „Songs in the Key of Life“ mit einer großen Jubiläumstour. Im Oktober kommt die Soul-Legende für zwei Konzerte nach Deutschland und spielt in Hannover und Köln. Das Album soll bei den Shows vollständig aufgeführt werden.
Fast auf den Tag genau 50 Jahre nach der Veröffentlichung von „Songs in the Key of Life“ bringt Stevie Wonder eines der wichtigsten Alben seiner Karriere noch einmal auf die Bühne. Der inzwischen 76-jährige Sänger, Songwriter und Multiinstrumentalist geht im Herbst 2026 auf Tour durch Europa, Großbritannien und die USA. Für deutsche Fans stehen dabei zwei Termine im Kalender: Am 24. Oktober spielt Wonder in der ZAG-Arena in Hannover, zwei Tage später folgt ein Konzert in der Lanxess Arena in Köln.
Im Mittelpunkt der Tour steht das 1976 veröffentlichte Doppelalbum „Songs in the Key of Life“, das Stevie Wonder bei den Konzerten in voller Länge spielen will. Damit dürften auch einige seiner bekanntesten Songs Teil des Programms werden, darunter „Sir Duke“, „Isn’t She Lovely“, „As“ und „Love’s in Need of Love Today“.
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„Songs in the Key of Life“ erschien im September 1976 und gehört zu den zentralen Werken in Wonders umfangreicher Diskografie. Das Album entstand auf dem Höhepunkt einer außergewöhnlichen Schaffensphase, in der Wonder innerhalb weniger Jahre Platten wie „Talking Book“, „Innervisions“ und „Fulfillingness’ First Finale“ veröffentlichte. Mit seiner Verbindung von Soul, Funk, Jazz und Pop sowie Texten über Liebe, soziale Fragen und gesellschaftliche Konflikte wurde „Songs in the Key of Life“ zu einem seiner einflussreichsten Werke.
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Auch kommerziell war das Album ein großer Erfolg. Es wurde in den USA mit Diamant ausgezeichnet und brachte Wonder den Grammy für das Album des Jahres ein. Songs wie „Sir Duke“, eine Hommage an Duke Ellington, und „Isn’t She Lovely“, geschrieben anlässlich der Geburt seiner Tochter Aisha, gehören bis heute zu den bekanntesten Stücken seines Katalogs. 2005 wurde „Songs in the Key of Life“ zudem in das National Recording Registry der Library of Congress aufgenommen.
Ganz neu ist die Idee, das Album vollständig auf die Bühne zu bringen, für Stevie Wonder allerdings nicht. Bereits 2014 und 2015 tourte er mit „Songs in the Key of Life“ durch Nordamerika und spielte das umfangreiche Werk live. Zum 50. Jubiläum folgt nun eine neue Konzertreise, die erstmals seit längerer Zeit wieder mehrere große europäische Arenen umfasst.
Die Europatour beginnt am 13. Oktober in Birmingham. Anschließend stehen unter anderem Paris, Kopenhagen, Oslo und Stockholm auf dem Programm, bevor Stevie Wonder nach Hannover und Köln kommt. Danach geht es über Amsterdam und Dublin zurück nach Großbritannien, wo Konzerte in London, Manchester und Glasgow angesetzt sind.
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Ab dem 19. November wird die Jubiläumstour in den USA fortgesetzt. Der Auftakt findet im Madison Square Garden in New York statt, weitere Shows folgen in Chicago, Washington und Detroit. Den Abschluss bildet am 19. Dezember ein Konzert im Intuit Dome in Los Angeles.
Stevie Wonder zählt seit den 1960er-Jahren zu den prägenden Musikern des Motown-Kosmos und entwickelte sich in den 1970er-Jahren zu einem weitgehend selbstbestimmt arbeitenden Künstler, der Soul und Pop entscheidend erweiterte. Alben wie „Innervisions“ und „Songs in the Key of Life“ beeinflussten zahlreiche Musiker aus Soul, R&B, Hip-Hop und Pop. Die beiden Deutschland-Konzerte bieten nun die seltene Gelegenheit, eines seiner bedeutendsten Alben komplett live zu erleben.
Stevie Wonder Biografie
Stevie Wonder gehört zu den bedeutendsten Musikern der Popgeschichte. Vom Motown-Kinderstar entwickelte er sich zum eigenständigen Songwriter, Produzenten und Multiinstrumentalisten, der Soul, Funk, Pop, Jazz und elektronische Musik miteinander verband. Vor allem seine Alben der Siebzigerjahre gelten bis heute als Meilensteine. Songs wie „Superstition“, „Sir Duke“, „Higher Ground“, „Isn’t She Lovely“ oder „I Just Called to Say I Love You“ machten ihn zugleich zu einem der erfolgreichsten Künstler seiner Generation.
Stevie Wonder wurde am 13. Mai 1950 als Stevland Hardaway Judkins in Saginaw im US-Bundesstaat Michigan geboren und wuchs überwiegend in Detroit auf. Aufgrund einer Frühgeburt und damit verbundener Komplikationen verlor er kurz nach seiner Geburt sein Augenlicht. Schon als Kind zeigte sich sein außergewöhnliches musikalisches Talent. Er sang, spielte Klavier und Mundharmonika und brachte sich weitere Instrumente bei.
Seine Fähigkeiten blieben in Detroit nicht lange unentdeckt. Im Alter von elf Jahren kam Wonder zu Motown und erhielt einen Plattenvertrag beim Label Tamla. Unter dem Namen Little Stevie Wonder wurde er als musikalisches Wunderkind aufgebaut. Bereits 1963 gelang ihm mit „Fingertips“ der Durchbruch. Die Liveaufnahme erreichte Platz eins der US-Charts. Wonder war gerade einmal 13 Jahre alt.
In den folgenden Jahren etablierte er sich mit Songs wie „Uptight (Everything’s Alright)“, „For Once in My Life“, „My Cherie Amour“ und „Signed, Sealed, Delivered I’m Yours“. Zunächst arbeitete er dabei weitgehend innerhalb des Motown-Systems, in dem Produzenten und Songwriter einen erheblichen Einfluss auf die musikalische Gestaltung hatten. Wonder begann jedoch früh, eigene Songs zu schreiben und zunehmend selbst über Arrangements und Produktion zu bestimmen.
Künstlerische Freiheit bei Motown
Der entscheidende Schritt seiner Karriere erfolgte Anfang der Siebzigerjahre. Mit seiner Volljährigkeit und neuen Vertragsverhandlungen erreichte Wonder bei Motown eine für die damalige Zeit ungewöhnlich weitgehende künstlerische Kontrolle. Diese Freiheit nutzte er für eine Reihe von Alben, die seinen Ruf als einer der wichtigsten Musiker seiner Generation begründeten.
„Music of My Mind“ von 1972 markierte den Übergang. Wonder setzte Synthesizer intensiv ein, spielte große Teile der Instrumente selbst und entwickelte einen Sound, der sich deutlich von den klassischen Motown-Produktionen der Sechzigerjahre entfernte. Im selben Jahr erschien „Talking Book“. Darauf findet sich mit „Superstition“ einer seiner berühmtesten Songs: ein Funk-Klassiker mit einem markanten Clavinet-Riff, das unmittelbar mit Wonders Musik verbunden blieb. Ebenfalls auf dem Album enthalten ist die Ballade „You Are the Sunshine of My Life“.
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1973 folgte „Innervisions“. Das Album zeigte Wonder als politischen und gesellschaftlichen Songwriter. Stücke wie „Living for the City“ beschäftigten sich mit Rassismus, Armut und den Lebensbedingungen schwarzer Amerikaner, während „Higher Ground“ einen treibenden Funk-Groove mit spirituellen Fragen verband. „Innervisions“ gewann den Grammy für das Album des Jahres.
Nur wenige Tage nach der Veröffentlichung wurde Wonder bei einem schweren Autounfall lebensgefährlich verletzt und lag mehrere Tage im Koma. Nach seiner Genesung setzte er seine Karriere fort und veröffentlichte 1974 „Fulfillingness’ First Finale“. Auch dieses Album erhielt den Grammy als Album des Jahres.
„Songs in the Key of Life“
Den Höhepunkt dieser Schaffensphase erreichte Stevie Wonder 1976 mit „Songs in the Key of Life“. Das umfangreiche Doppelalbum verbindet Soul, Funk, Jazz und Pop und behandelt persönliche ebenso wie gesellschaftliche Themen. Es wurde zu seinem vielleicht bekanntesten Album und gewann ebenfalls den Grammy für das Album des Jahres.
Zu den bekanntesten Songs gehören „Sir Duke“, Wonders Hommage an Duke Ellington und andere Jazzmusiker, sowie „Isn’t She Lovely“, das er anlässlich der Geburt seiner Tochter Aisha schrieb. „As“ entwickelte sich zu einem weiteren Klassiker seines Repertoires. Auf „Pastime Paradise“ griff Wonder zudem auf eine ungewöhnliche Kombination aus Synthesizern, Streichern und Chor zurück. Das Stück wurde fast zwei Jahrzehnte später zur Grundlage für Coolios Welthit „Gangsta’s Paradise“.
Die Bedeutung dieser Phase reicht weit über Soul und R&B hinaus. Wonder gehörte zu den Musikern, die elektronische Instrumente früh als eigenständiges Ausdrucksmittel in populärer Musik einsetzten. Synthesizer waren bei ihm keine bloßen Effekte. Sie übernahmen Basslinien, Melodien und rhythmische Funktionen und wurden Teil eines sehr persönlichen Produktionsstils.
Gleichzeitig blieb seine Musik stark von Gospel, Rhythm and Blues und Jazz geprägt. Diese Verbindung aus traditioneller schwarzer amerikanischer Musik und neuen Studiotechniken machte Wonder zu einem wichtigen Bezugspunkt für spätere Generationen aus R&B, Hip-Hop, Pop und elektronischer Musik.
Welterfolge in den Achtzigerjahren
Nach der enormen Produktivität der frühen und mittleren Siebzigerjahre veröffentlichte Wonder in größeren Abständen neue Alben. 1980 erschien „Hotter than July“ mit Songs wie „Master Blaster (Jammin’)“ und „Lately“. Auf dem Album befand sich außerdem „Happy Birthday“, das Teil von Wonders Engagement für die Einführung eines nationalen Feiertags zu Ehren von Martin Luther King Jr. wurde.
Wonder beteiligte sich intensiv an der Kampagne. 1983 wurde der Martin Luther King Jr. Day in den USA schließlich gesetzlich beschlossen und 1986 erstmals als bundesweiter Feiertag begangen.
Seinen größten internationalen Pop-Hit veröffentlichte Wonder 1984. „I Just Called to Say I Love You“ entstand für den Film „The Woman in Red“ und erreichte in zahlreichen Ländern Platz eins der Charts. Der Song gewann den Oscar für den besten Filmsong. Musikalisch steht das Stück für Wonders stärker elektronisch geprägten Sound der Achtzigerjahre und wurde trotz seiner enormen Popularität unter Fans seiner experimentelleren Siebzigerjahre durchaus kontrovers aufgenommen.
Weitere große Erfolge dieser Zeit waren „Part-Time Lover“ sowie Kooperationen mit anderen Künstlern. Bereits 1982 hatte Wonder gemeinsam mit Paul McCartney „Ebony and Ivory“ aufgenommen. 1985 war er außerdem an „We Are the World“ beteiligt.
Einfluss auf Soul, R&B und Hip-Hop
Ab den Neunzigerjahren wurden neue Studioalben seltener. Wonders Bedeutung nahm dadurch kaum ab. Seine Songs wurden von zahlreichen Künstlern gecovert, gesampelt oder als musikalische Referenz aufgegriffen. Gerade im Hip-Hop und modernen R&B gehört sein Werk zu den wichtigen Quellen.
Sein Einfluss lässt sich dabei kaum auf einzelne Songs reduzieren. Wonders harmonische Ideen, seine rhythmischen Arrangements, sein Umgang mit Keyboards und Synthesizern sowie die Verbindung von gesellschaftlichen Themen und eingängigem Songwriting finden sich in unterschiedlichen Formen bei späteren Künstlergenerationen wieder.
2005 veröffentlichte er mit „A Time to Love“ sein erstes Studioalbum seit zehn Jahren. Gleichzeitig blieb er als Live-Musiker aktiv und kehrte immer wieder zu seinem klassischen Repertoire zurück. 2014 und 2015 widmete er „Songs in the Key of Life“ eine umfangreiche Konzerttournee.
Auch als politisch engagierter Künstler blieb Wonder präsent. Neben seinem Einsatz für Martin Luther King Jr. engagierte er sich im Laufe seiner Karriere für Bürgerrechte, humanitäre Anliegen und gesellschaftliche Gleichberechtigung. 2009 wurde er zum UN Messenger of Peace ernannt. 2014 erhielt er von US-Präsident Barack Obama die Presidential Medal of Freedom.
Stevie Wonders wichtigste Alben
Insbesondere die fünf Alben von „Music of My Mind“ bis „Songs in the Key of Life“ dokumentieren eine außergewöhnliche Entwicklung innerhalb weniger Jahre. Wonder löste sich vom Image des ehemaligen Kinderstars und übernahm immer mehr Rollen selbst: Komponist, Sänger, Instrumentalist, Arrangeur und Produzent.
Seine Karriere umfasst inzwischen mehr als sechs Jahrzehnte. Dabei stehen die großen Hits nur für einen Teil seiner Bedeutung. Stevie Wonder hat gezeigt, wie sich komplexe Harmonien, Funk-Rhythmen, elektronische Klänge und gesellschaftlich relevante Texte in populäre Songs übersetzen lassen. Gerade die Alben der Siebzigerjahre klingen deshalb bis heute erstaunlich gegenwärtig und bilden einen festen Bestandteil des Kanons von Soul, Funk und Pop. Er war sowohl für Prince als auch Michael Jackson ein großes Vorbild und kooperierte immer wieder mit beiden Superstars.
- 1962: The Jazz Soul of Little Stevie
- 1962: Tribute to Uncle Ray
- 1964: Stevie at the Beach
- 1966: Up-Tight
- 1966: Down to Earth
- 1967: I Was Made to Love Her
- 1968: Eivets Rednow
- 1968: For Once in My Life
- 1969: My Cherie Amour
- 1970: Signed, Sealed & Delivered
- 1971: Where I’m Coming From
- 1972: Music of My Mind
- 1972: Talking Book
- 1973: Innervisions
- 1974: Fulfillingness’ First Finale
- 1976: Songs in the Key of Life
- 1979: Stevie Wonder’s Journey Through the Secret Life of Plants
- 1980: Hotter than July
- 1985: In Square Circle
- 1987: Characters
- 1995: Conversation Peace
- 2005: A Time to Love

