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Danke, Team! – Netflix-Komödie über die dunkle Seite von Teambuilding-Events 

Redaktionswertung
Leserwertung

Grimmige Lacher für den Feierabend gefällig? Netflix‘ neues Original rechnet mit der Heuchelei moderner Unternehmenskultur ab, indem es ein Motivations-Retreat eskalieren lässt, bis noch der letzte Teamfähigkeits-Lack abplatzt.

„Danke, Team!“ gesellt sich zielstrebig zu Spaniens schwarzen Komödien über die Scheinheiligkeiten rein zahlengetriebener Firmenpolitik; ein Subgenre, in dem etwa Fernando Leóns groß abzusahnen weiß, zuletzt 2021 mit „Der perfekte Chef“. Diego Núñez Irigoyen steckt seine Charaktere nicht in eine Waagenfabrik, sondern in „Tío Mochales“: Ein maroder mittelgroßer Käseproduzent, dessen Glanzzeiten im Rückspiegel kaum noch sichtbar sind.

Es scheint also nur logisch, dass sämtliche Angestellten ihr Wochenende opfern müssen, um sich mitten im Nirgendwo einer Reihe von angeblich der Zusammenarbeit förderlichen Übungen zu unterziehen und so zu tun, als hätten sie Spaß.

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Was anfangs niemand ahnt: Denjenigen unter ihnen, die beim Käse-Rennen, Menschenschach und wirklich schmerzhaft anzusehenden Impro-Theater die wenigsten Punkte einfahren, blüht die Entlassung. Als das durchsickert, fängt der Spaß erst richtig an.

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Die kreativen Köpfe des Films stellen kurz gesagt den metaphorischen Milchtopf auf den Herd, drehen die Hitze hoch und halten die Kamera drauf. Sobald Gehälter auf dem Spiel stehen, so die Grundannahme, die den Plot vorantreibt, müssen die Gemüter ja mit unheimlicher Geschwindigkeit überkochen.

Den Gewinnern winken Beförderungen und Gehaltserhöhungen; der Rest kann sehen, wo er bleibt. Teamfähigkeit – jenes Lieblingswort in allen Vorstellungsgesprächen und Stellenausschreibungen dieses Jahrhunderts – wird also nicht nur mit Füßen getreten, sondern auch mit Kajakpaddeln verdroschen, in einem Wildbach ertränkt und mit Dolchstößen aus allen und in alle Richtungen so gründlich durchlöchert, dass es jeden Käselaib mit Neid erfüllen sollte.

Damit erklärt „Danke, Team!“ das Teambuilding-Event nicht zum Gegenmittel, sondern vielmehr zum Werkzeug des gnadenlosen kapitalistischen Wettbewerbs, der einzig aggressive Effizienz verlangt und belohnt. Unter der Tünche aus Gerede über Solidarität, Motivation und nebulöse Firmenwerte entblößt die Satire die allzu reale Auffassung von Arbeitnehmenden als Leistungs-Daten, die die Leitung einfach eiskalt streicht, wenn sie sich an engen wirtschaftlichen Parametern gemessen nicht mehr rechnen.

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Die menschlichen Kostenfaktoren, die ihren Arbeitsplatz so gar nicht als große glückliche Familie empfinden, stehen als Ensemble im Mittelpunkt; als gegeneinander aufgehetztes Nicht-Team ohne die eine unbescholten davonkommende moralische Identifikationsfigur.

Am ehesten bietet sich dafür wohl noch Olga (Alexandra Jiménez) an, die ihre Zwillingsbabys in der Obhut ihres leicht überforderten Mannes lässt, um als Projektionsfläche für Konflikte zwischen Mutterschaft und Karriere zu dienen.

Copyright Victor Bello/Netflix © 2025

Adolfo Valors und Cristóbal Garridos Drehbuch verwendet einige Zeit auf eine überspitzte Darstellung von Olgas Zerrissenheit zwischen Vorwürfen und Annahmen rund um ihre neue Identität als Mutter – zu weich, zu übermüdet, ihren Kleinen nicht laut genug hinterherweinend –, ihrem Ehrgeiz und dem skrupellosen Führungsstil der Chefin (Maribel Verdú), die sich einer pseudo-feministischen „Powerfrauen“-Ideologie verschrieben hat, Massenentlassungen mit knallharter Meritokratie-Rhetorik und Raubtiermetaphern rechtfertigt und sich als Olgas Vorbild sehen möchte.

In vielerlei Hinsicht ein Gegenstück zu diesen beiden weiblichen Charakteren ist Teamveteran Domingo (Pedro Casablanc), der sich nach dreißig Jahren Firmenzugehörigkeit von der neueren Generation als Fossil bezeichnen lassen muss und lieber über „Woke“ grummelt, als Gefühle tiefer Verbundenheit mit seiner Arbeit zu heucheln.

Wie der Film schonungslos diagnostiziert, wird die gängige Inszenierung solcher Zugehörigkeit jedoch durch das Wissen motiviert, dass sie mit sehr konkreten materiellen Entzügen aufgekündigt werden kann. Viele der stärksten – und bittersten – Gags kommen von Domingo, als ihm klar wird, mit wie wenig Dankbarkeit er für seine lange, wenn auch nicht leidenschaftliche Dienstzeit rechnen darf und er sich mit wütender Verzweiflung in die lächerlichen Wettkämpfe wirft, um seinen Rententraum vom eigenen Wohnmobil zu retten.

Copyright Lucia Faraig/Netflix © 2025

Es ist bezeichnend, wie machtlos Laura (Blanca Martínez), das Ein-Frau-Team von Human Resources, in ihren ernsthaften Bemühungen wirkt, inmitten all der hitzigen Streits, Verrate und Speichelleckereien eine menschlichere Arbeitsatmosphäre zu schaffen. Sowohl von der Chefetage als auch von den Kolleginnen und Kollegen als Lachnummer abgestempelt, ruft sie über weite Strecken eine Mischung aus Mitleid und Ärger hervor, die die Stimmung des Films recht gut zusammenfasst.

Entsprechend widersprüchlich fühlt es sich an, „Danke, Team!“ als entspannende Unterhaltung für den Feierabend zu empfehlen, aber so ist das ja immer mit schwarzem Humor: Man muss lachen, gerade weil es wehtut.

(Zusätzlich lindern lässt sich der Schmerz übrigens mit einem filmbegleitenden Snack wie etwa einer spanischen Käseplatte; vorzugsweise von einem Produzenten, der noch nicht zwei Drittel seiner Angestellten hinausgeworfen hat.) 

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