Zum Inhalt springen

Schweizer Duo IKAN HYU veröffentlicht neues Album „Withdrawal Symptoms“

250823_IkanHyu_Pressebilder_OliviaKurz-2

Ab Oktober stellen die beiden ihren Mix aus wuchtigen Rockmomenten, experimenteller Elektronik und intimen Popstrukturen auf Tour vor. Mit viel Liebe zum Detail.

Es gibt Bands, die klingen größer, als sie sind. IKAN HYU sind so ein Fall – nur dass „größer“ hier fast untertrieben ist. Das Schweizer Duo Hannah und Anisa baut sich seine Instrumente selbst, bespielt mehrere Klangquellen gleichzeitig und erzeugt live eine Wand aus Sound, die man einer ganzen Band zutrauen würde, nicht zwei Menschen auf einer Bühne. Jetzt, zehn Jahre nach ihrer Gründung, veröffentlichen sie mit „Withdrawal Symptoms“ ihr zweites Album. Und das ist gleichzeitig eine Jubiläumsfeier und eine schmerzhaft ehrliche Bestandsaufnahme.

Ein Jahrzehnt DIY

Was IKAN HYU von Anfang an ausgezeichnet hat, ist die kompromisslose Eigenständigkeit ihres Universums: selbstgebaute Instrumente, eine explosive, rohe Bühnenpräsenz, glitchige Übergänge zwischen elektronisch und akustisch – und das alles bis ins Artwork und die Visuals hinein selbst gestaltet. „Withdrawal Symptoms“ führt dieses Prinzip konsequent fort, ohne dabei stehen zu bleiben. Dreizehn Songs, die ineinander übergehen wie Kapitel eines einzigen großen Textes, pendeln zwischen wuchtigem Rock, experimenteller Elektronik und überraschend intimen Popmomenten. Produziert wurde das Album gemeinsam mit dem Wiener Produzenten SYRIX, der offenbar genau verstanden hat, worauf es bei IKAN HYU ankommt: nicht glätten, sondern mittragen.

Walkie-Talkies, Kassetten und Alpenvögel

Der ungewöhnliche Charakter des Albums zeigt sich vor allem in seinen Produktionsdetails. Walkie-Talkies dienten als Mikrofone für ganze Gesangs-, Gitarren- und Synthesizer-Takes, aufgenommen wurde teilweise auf Kassettenrekordern. Dazwischen: selbst eingefangene Field Recordings von Alpenvögeln und Meeresrauschen. Ein Moog Subsequent und ein Theremin sorgen für zusätzliche Tiefe. Das Ergebnis ist ein Sound, der nie nach Studio-Politur klingt, sondern nach echtem, manchmal absichtlich unperfektem Material – als hätte man das Rauschen und Knistern bewusst im Song belassen, weil es genau dorthin gehört.

Zwischen Nähe und Entfremdung

Inhaltlich bewegt sich „Withdrawal Symptoms“ in einem Raum, den man am besten als emotionales Zwischenland beschreiben könnte: Distanz und Zugehörigkeit, Verlangen und Rückzug, die Suche nach dem eigenen Ich innerhalb sehr enger Beziehungen. Das titelgebende Motiv des Entzugs ist dabei wörtlich gemeint – es geht um das Loslassen von suchtartigen Denkmustern, von Fluchtreflexen, von der Angst, sich selbst in der Nähe eines anderen Menschen zu verlieren.

Wie schon auf früheren Veröffentlichungen taucht auch hier das Meer als wiederkehrendes Bild auf. Fliegende Fische, Oktopusse, die ihre Form verändern, Meeresschnecken – aus diesen Bildern entsteht eine Sprache der Transformation und Anpassung, die sich durch das ganze Album zieht:

„I was flying with the birds, but I was meant to swim with sharks.“

Ein Satz, der die Grundspannung des Albums auf den Punkt bringt: das Gefühl, am falschen Ort zu funktionieren, obwohl man dort überleben gelernt hat.

Der Schlusspunkt: Watchtowers statt Mauern

Den Abschluss bildet der Titeltrack „﹏withdrawal symptoms﹏“ – und der klingt tatsächlich wie eine Befreiung. Schwerelos, fast versöhnlich löst sich hier die innere Fremdheit auf, die das Album über weite Strecken trägt:

„You say it’s just withdrawal symptoms and all the things they will pass. Those walls they will become watchtowers. I can see you from up there. I can see you now.“

Aus Mauern werden Wachtürme, aus Rückzug wird Überblick. Es ist ein leiser, aber bestimmter Schlussakkord: Schmerz als Symptom eines Prozesses, nicht als sein Endpunkt.

„Withdrawal Symptoms“ ist ein Album, das sich nicht scheut, unbequem zu sein – musikalisch wie inhaltlich. IKAN HYU beweisen damit einmal mehr, wie viel Freiheit in selbstgebauter, unangepasster Musik stecken kann, gerade weil sie so persönlich bleibt. Zehn Jahre nach ihrer Gründung liefern Hannah und Anisa kein rundes Jubiläumsalbum im klassischen Sinn, sondern eines, das Ecken und Kanten hat – und uns begeistert!

IKAN HYU auf Tour:
22.10. Konstanz – Kula
23.10. Stuttgart – Werkstatthaus
24.10. Freiburg – Jazzhaus (Still Pop w/ Paulinko)
25.10. Köln – Garagen
27.10. Leipzig – Werk 2
28.10. Erfurt – Engelsburg
29.10. Bayreuth – Neuneinhalb
30.10. München – Milla
05.11. Nürnberg – Z-Bau
07.11. Jena – Café Wagner
08.11. Berlin – Mikropol
10.11. Dresden – Altes Wettbüro

Schlagwörter: