Wer Indie-Rock liebt, denkt vermutlich nicht in erster Linie an Deutschland. Doch mit Lina Brockhoff gibt es nun einen neuen Namen in der Szene, deren Debütalbum “Easy Peeler” aufhorchen lässt.
Die Songs orientieren sich hörbar an einer internationalen Indie-Rock-Ästhetik, wie sie vor allem seit den frühen 90ern in den USA gepflegt wird. Gitarrenbretter prägen das Klangbild, die Produktion setzt auf Direktheit statt auf Pop-Glanz und darüber schwebt die Stimme der jungen Songwriterin. Dass dieses Album aus Deutschland kommt, dürfte viele Hörer überraschen, die die Musik ganz unvoreingenommen über den Spotify Algorithmus in ihre Playliste gepusht bekommen.
Bis „Easy Peeler“ erscheinen konnte, verging einige Zeit. Brockhoff nutzte die Jahre zuvor, um sich als Live-Musikerin zu etablieren und mit Singles und EPs ihren Sound zu definieren. Die EPs „Sharks“ sowie „I Stopped Getting Chills For A While Now“ dokumentierten diesen Prozess. Statt früh ein Album nachzuschieben, entschied sie sich dafür, ihre Songs live zu testen und weiterzuentwickeln, bevor sie für die Ewigkeit festgehalten werden.
Zentral für das Album war die Entscheidung, nicht isoliert und trackweise im Homestudio zu produzieren, sondern gemeinsam mit der Tourband im Studio weitgehend live einzuspielen. Viele der Stücke hatten sich bereits auf der Bühne bewährt.
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„Easy Peeler“ klingt geschlossen, weil die Songs in einem gemeinsamen Raum entstanden sind. Kleine Reibungen und Dynamikwechsel bleiben erhalten, die Energie wirkt nicht zu glattgebügelt. Produzent Christian Hartung begleitete den Prozess, war zudem am Songwriting beteiligt und half dabei, den Gitarrensound klar zu konturieren.
Die Referenzen liegen nahe, ohne dominant zu werden. Künstlerinnen wie Phoebe Bridgers, Snail Mail, Soccer Mommy, Momma, Blondshell oder Wolf Alice bilden einen ästhetischen Rahmen, in dem sich auch Brockhoff bewegt.
Inhaltlich speist sich „Easy Peeler“ aus Erfahrungen der letzten Jahre. Dauerpräsenz in sozialen Medien, ständige Touren, Promotion und Erwartungsdruck führten bei Brockhoff zu einer Phase der Überforderung.
Anstatt diesen Zustand zu verdrängen, machte sie ihn zum Gegenstand ihrer Songs. Der Titel verweist auf eine leicht zu schälende Clementine und dient als Bild für emotionale Offenheit. Sensibilität erscheint hier als produktive Kraft.
Songs wie „Sunny Days (Deadline)“ greifen die Spannung zwischen Kreativität und äußeren Anforderungen direkt auf. Dabei wird das Album keineswegs zur Abrechnung. Vielmehr dokumentiert es einen Lernprozess. Wut ist hörbar, etwa in lauteren Passagen mit drängenden Gitarren, bleibt jedoch nur Teil eines breiteren emotionalen Spektrums. Nachdenkliche Momente stehen gleichberechtigt neben energischen Ausbrüchen.
„Easy Peeler“ wirkt aufgrund seiner organischen Entwicklung wie das Ergebnis eines längeren Reifeprozesses. Während das Album nun seinen Weg ins Publikum findet, arbeitet Brockhoff bereits an neuem Material und wird dies ganz bestimmt schon auf der kommenden Tour testen.
