Mit einem offenen Brief wenden sich zahlreiche Bands und Künstler, Veranstalter, Agenturen und Branchenverbände an die Bundesregierung und fordern eine zügige Regulierung des Ticketzweitmarkts.
Zu den Unterzeichnenden zählen bekannte Acts wie Die Toten Hosen, Die Ärzte, Nina Chuba, K.I.Z, Kraftklub oder Tocotronic ebenso wie viele unabhängige Musikerinnen und Musiker, Produzenten, Clubs und Brancheninitiativen. Initiiert wurde das Schreiben von PRO MUSIK, dem Verband freier Musikschaffender, sowie dem Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft, BDKV.
Die Liste der Unterstützer macht deutlich, dass es sich nicht um ein Einzelinteresse handelt, sondern um ein Anliegen, das weite Teile der deutschen Livebranche eint. Vom kleinen Club bis zur großen Arena, vom Indie-Act bis zum etablierten Headliner sehen viele Akteure akuten politischen Handlungsbedarf.
Kritik an spekulativem Weiterverkauf
Im Zentrum der Kritik steht der gewerbliche Weiterverkauf von Konzerttickets zu stark erhöhten Preisen auf Plattformen wie Viagogo und Ebay. Nach Darstellung der Initiatoren werden Tickets zunehmend als Spekulationsobjekte behandelt. Professionelle Händler kaufen Kontingente gezielt auf, teils mithilfe automatisierter Software, und bieten sie anschließend über bekannte Plattformen zu deutlich höheren Preisen an. Aufschläge von weit über dem ursprünglichen Verkaufspreis seien dabei keine Ausnahme.
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Für Fans bedeutet das häufig, dass reguläre Tickets schnell vergriffen sind und Karten nur noch zu erheblich höheren Preisen erhältlich scheinen. Die zusätzlichen Einnahmen fließen jedoch nicht an Künstler oder Veranstalter, sondern in die Taschen der Zwischenhändler. Aus Sicht der Branche untergräbt das das Prinzip fair kalkulierter Eintrittspreise und belastet das Vertrauensverhältnis zum Publikum.
Leerverkäufe und gefälschte Tickets
Kritisiert werden auch sogenannte Leerverkäufe. Dabei werden Tickets bereits angeboten, bevor sie offiziell verfügbar oder überhaupt im Besitz der Anbieter sind. Für Verbraucher ist oft nicht erkennbar, dass sie ein Ticket erwerben, das faktisch noch nicht existiert. Dieses Vorgehen birgt erhebliche Risiken für die Fans.
Hinzu kommt der Handel mit gefälschten oder ungültigen Eintrittskarten. Immer wieder kommt es vor, dass Konzertbesucher am Einlass abgewiesen werden, weil ihre Tickets nicht anerkannt werden. Zwar haben Gerichte in jüngerer Zeit Plattformen wegen irreführender Angaben gerügt, doch Einzelverfahren sind langwierig und kostspielig. Die Unterzeichnenden sehen daher die Politik in der Pflicht, klare gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen.
Blick ins Ausland und politische Zusagen
Zur Untermauerung ihrer Forderungen verweisen die Initiatoren auf internationale Beispiele. In mehreren europäischen Ländern sowie in den USA existieren bereits Regelungen, die den kommerziellen Weiterverkauf einschränken, Transparenzpflichten festschreiben oder den Einsatz von Bots untersagen. Deutschland hingegen gilt nach Einschätzung der Branche als vergleichsweise wenig reguliert.
Rückenwind erhoffen sich die Beteiligten vom aktuellen Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD. Darin ist vorgesehen, den Ticketzweitmarkt stärker zu regulieren, um Verbraucher vor überhöhten Preisen, Intransparenz und betrügerischen Praktiken zu schützen. Auch aus dem Sportbereich gibt es Unterstützung für entsprechende Maßnahmen. Verbände wie DOSB, DFB und DFL haben sich gemeinsam mit Vertretern der Konzertwirtschaft für eine gesetzliche Initiative ausgesprochen.
Konkrete Forderungen an die Bundesregierung
Die Livebranche fordert unter anderem ein gesetzlich verankertes Recht für Veranstalter, den Weiterverkauf ihrer Tickets zu steuern. Angebote auf nicht autorisierten Plattformen sollen leichter entfernt werden können. Zudem wird eine verbindliche Preisobergrenze für den gewerblichen Wiederverkauf ins Spiel gebracht, um exzessive Aufschläge einzudämmen.
Darüber hinaus sprechen sich die Unterzeichnenden für ein Verbot von Leerverkäufen sowie für ein ausdrückliches Verbot des Einsatzes automatisierter Kaufprogramme und falscher Identitäten beim Ticketerwerb aus. Plattformbetreiber sollen stärker in die Verantwortung genommen werden, etwa durch klare Transparenzvorgaben und wirksame Meldesysteme für rechtswidrige Angebote. Bei Verstößen sollen Sanktionen greifen.
Den vollständigen offenen Brief mit allen Forderungen und Unterzeichnenden gibt es hier im Wortlaut.
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Unterzeichner
Die Toten Hosen
Nina Chuba
Die Ärzte
AnnenMayKantereit
Johannes Oerding
Ikkimel
Thees Uhlmann
Bernd Stelter
Blond
K.I.Z
Beatsteaks
Kraftklub
Berq
Deichkind
Element of Crime
Kettcar
Einstürzende Neubauten
Michael Schulte
Stoppok
Von Wegen Lisbeth
Faber
Feine Sahne Fischfilet
Annett Louisan
Das Lumpenpack
Versengold
Apsilon
Donots
Team Scheisse
Deine Freunde
Provinz
Tocotronic
Kaffkiez
Glasperlenspiel
H-Blockx
Kafvka
Schmyt
Blumengarten
Purple Schulz
Miu
Swiss und die Andern
BHZ
Meute
Dilla
Van Holzen
Monet192
Ätna
Yosho
Enno Bunger
u.v.a.
