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Beck – „Ride Lonesome“ (Album 2026): Biografie, Alben und Songs

Beck meldet sich mit „Ride Lonesome“ zurück. Musikalisch knüpft er dabei an zwei seiner wichtigsten Werke an: den melancholischen Folk von „Sea Change“ und dessen späteren Verwandten „Morning Phase“. Doch Beck ist inzwischen Mitte 50, und so geht es auf dem neuen Album vor allem um das Verstreichen der Zeit.

Schon der Titelsong zeigt, wohin die Reise führt. Eine sanft angeschlagene Akustikgitarre, Pedal Steel und Becks zurückhaltender Gesang eröffnen „Ride Lonesome“. Verweise auf Julie Londons „Cry Me A River“ und Johnny Thunders’ „You Can’t Put Your Arms Around A Memory“ stecken das emotionale Terrain ab, in dem Erinnerungen und Einsamkeit eine zentrale Rolle spielen.

Die Nähe zu „Sea Change“ ist nicht zufällig: Beck hat für das Album zahlreiche Beteiligte aus dem Umfeld seiner früheren melancholischen Platten zurückgeholt. Nigel Godrich, Produzent von „Sea Change“, sitzt wieder hinter dem Mischpult, auch einige der damaligen Musiker sind erneut dabei. Die orchestralen Arrangements stammen von Becks Vater David Campbell.

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Damit besitzt „Ride Lonesome“ einen vertrauten Klang, der tief im Folk, Country-Rock und Singer-Songwriter-Sound der frühen Siebziger verwurzelt ist. Besonders deutlich ist die Verbindung zu Nick Drake und dessen Arrangeur Robert Kirby. Auf „In The Night“ treten Streicher und akustische Instrumente in den Vordergrund und erinnern an jene fragile Atmosphäre, die bereits Stücke wie „Round The Bend“ auf „Sea Change“ oder „Heart Is A Drum“ auf „Morning Phase“ geprägt hat.

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Auch Motive aus früheren Songs tauchen wieder auf. In „Run Away“ sitzt Beck nachts hinter dem Steuer und fährt scheinbar ziellos durch die Dunkelheit, ein Bild, das bereits in „The Golden Age“ und später in „Unforgiven“ zu finden war. Die Straße führt hier vor allem tiefer in die eigenen Gedanken.

Trotz dieser Parallelen wirkt „Ride Lonesome“ nicht wie eine Wiederholung früherer Erfolge. Mehr als zwei Jahrzehnte liegen inzwischen zwischen dem neuen Album und „Sea Change“, und diese Zeit ist in den Songs deutlich zu spüren. Beck betrachtet Liebeskummer und Einsamkeit aus der Perspektive eines reiferen Musikers. Zu den emotionalen Verletzungen gesellt sich das Bewusstsein dafür, dass Jahre verschwinden, Erfahrungen sich wiederholen und manche Fragen offenbleiben.

„Bleed“ bringt dieses Gefühl besonders deutlich zum Ausdruck. Beck singt davon, nicht zu wissen, wohin er geht, während ihm die Situation gleichzeitig seltsam bekannt vorkommt. Die Melancholie ist weniger unmittelbar als auf „Sea Change“. Sie speist sich stärker aus Erinnerungen und dem Gefühl, bestimmte Situationen im Leben schon einmal erlebt zu haben.

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Das Album entstand über einen langen Zeitraum. Beck nahm Songs auf, legte sie teilweise jahrelang zur Seite, ließ sie die Ideen reifen und holte sie später wieder hervor. Entsprechend konzentriert und abgehangen wirkt die Platte. Der Country-Rock von „Slow Canyon“ steht neben dem üppiger arrangierten „Falling Through My Hands“, während Akustikgitarren, Pedal Steel und Streicher einen klaren roten Faden bilden.

Auch der abschließende Song „Beyond The Light“ löst die melancholische Stimmung nicht vollständig auf. Erinnerungen an verlorene Tage und das Vergehen der Zeit bleiben präsent.

Beck: Biografie

Beck gehört zu jener Generation von Musikern, die in den Neunzigerjahren mit Alternative Rock groß wurden, sich aber von Beginn an jeder Genrezuordnung konsequent entzogen. Folk, Hip-Hop, Blues, Country, Psychedelic Rock, Funk, elektronische Musik und Pop ziehen sich durch sein Werk. Statt daraus einen festen Stil zu entwickeln, veränderte Beck die Gewichtung von Album zu Album und machte diesen ständigen Wandel zu seinem Markenzeichen.

Kindheit in Los Angeles und musikalische Anfänge

Geboren wurde Beck Hansen am 8. Juli 1970 in Los Angeles. Kunst und Musik gehörten früh zu seinem Umfeld. Sein Vater David Campbell machte sich als Arrangeur und Komponist einen Namen, seine Mutter Bibbe Hansen war Musikerin, Schauspielerin und Teil der New Yorker Kunstszene um Andy Warhols Factory. Becks Großvater mütterlicherseits, Al Hansen, gehörte zur Fluxus-Bewegung.

Beck selbst fand zunächst über die Gitarre zur Musik. Nach dem Abbruch der Schule bewegte er sich durch die Independent- und Anti-Folk-Szene, spielte auf der Straße und in kleinen Clubs. Traditioneller Folk traf bei ihm früh auf Blues, Hip-Hop, Noise und einen eigenwilligen Humor. Diese Offenheit sollte zum entscheidenden Merkmal seiner Karriere werden.

„Loser“ und der überraschende Durchbruch

Der große Durchbruch kam mit einem Song, von dem Beck selbst zunächst kaum kommerzielles Potenzial erwartet hatte. „Loser“ erschien 1993 zuerst in kleiner Auflage und entwickelte sich überraschend zum Radiohit. Slide-Gitarre, Hip-Hop-Beat und ein lakonischer Refrain passten perfekt in die Alternative-Kultur der frühen Neunzigerjahre.

1994 folgte das Major-Debüt „Mellow Gold“, das Beck international bekannt machte. Gleichzeitig zeigte er schnell, dass „Loser“ keine Blaupause für seine weitere Karriere sein sollte. Das ebenfalls 1994 veröffentlichte „One Foot In The Grave“ war deutlich spröder und rückte seine Folk-Wurzeln in den Mittelpunkt.

„Odelay“ macht Beck zum Star der Alternative-Ära

1996 erschien mit „Odelay“ eines der entscheidenden Alben seiner Karriere. Gemeinsam mit den Dust Brothers verband Beck Samples, Hip-Hop-Beats, Blues, Rock, Country und psychedelischen Pop zu einer eigenwilligen Collage. Songs wie „Where It’s At“, „Devil’s Haircut“ und „The New Pollution“ machten das Album zu einem großen Erfolg.

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„Odelay“ zeigte zugleich, wie schwer Beck musikalisch einzuordnen war. Er bediente sich aus der Popgeschichte, ohne sich dauerhaft einem bestimmten Genre anzuschließen. Sampling und Studiotechnik wurden dabei ebenso wichtig wie klassisches Songwriting.

Die folgenden Alben trieben diese stilistische Beweglichkeit weiter. „Mutations“ von 1998 setzte stärker auf Folk, Country und psychedelischen Pop. Nur ein Jahr später wandte sich Beck auf „Midnite Vultures“ Funk, Soul und elektronischer Musik zu.

„Sea Change“ zeigt eine andere Seite von Beck

2002 erschien mit „Sea Change“ eines seiner persönlichsten und bis heute bekanntesten Alben. Nach dem Ende einer langjährigen Beziehung schrieb Beck zurückgenommene Songs über Trennung, Verlust und Einsamkeit. Samples, Humor und die ironischen Brechungen früherer Platten spielten kaum noch eine Rolle.

Akustische Gitarren, Streicher und Becks Gesang standen nun im Mittelpunkt. Produziert wurde das Album von Nigel Godrich, der vor allem durch seine Zusammenarbeit mit Radiohead bekannt geworden war. Auch Becks Vater David Campbell war als Arrangeur beteiligt.

„Sea Change“ etablierte Beck endgültig auch als klassischen Songwriter und eröffnete eine melancholische Seite seines Werks, die er später mehrfach wieder aufgreifen sollte.

Von „Guero“ bis „Modern Guilt“

Stillstand blieb Beck auch danach fremd. Auf „Guero“ von 2005 kehrte er zu Samples, Beats und der Collagetechnik seiner Neunzigerjahre zurück. „The Information“ von 2006 entstand erneut mit Nigel Godrich und kombinierte elektronische Elemente mit Hip-Hop und Indie-Rock.

Für „Modern Guilt“ arbeitete Beck 2008 mit Danger Mouse zusammen. Das kompakte Album verband Garage Rock und Psychedelic Pop mit einem deutlich reduzierteren Sound.

Daneben weitete Beck seine Arbeit über die eigenen Studioalben hinaus aus. Er produzierte und kollaborierte mit anderen Künstlern, darunter Charlotte Gainsbourg und Thurston Moore. Mit seinem „Record Club“ nahm er gemeinsam mit wechselnden Musikern komplette klassische Alben neu auf.

2012 folgte mit „Song Reader“ eines seiner ungewöhnlichsten Projekte. Die neuen Songs erschienen zunächst ausschließlich als Notenbuch. Statt eine fertige Aufnahme zu hören, sollten Musiker das Material selbst interpretieren.

Grammy-Erfolg mit „Morning Phase“

2014 kehrte Beck mit „Morning Phase“ zu jener melancholischen Klangwelt zurück, die bereits „Sea Change“ geprägt hatte. Folk, akustische Instrumente, Streicher und weitläufige Arrangements bestimmten das Album, auch einige Musiker aus den „Sea Change“-Sessions waren erneut beteiligt.

„Morning Phase“ wurde zu einem der größten Erfolge seiner späteren Karriere. Bei den Grammy Awards 2015 gewann Beck damit unter anderem Album of the Year und Best Rock Album.

Nur wenige Jahre später änderte er erneut die Richtung. „Colors“ von 2017 setzte gemeinsam mit Produzent Greg Kurstin stärker auf rhythmischen und unmittelbar zugänglichen Pop. Das Album gewann später den Grammy als Best Alternative Music Album.

Auf „Hyperspace“ von 2019 arbeitete Beck zu großen Teilen mit Hit-Produzent Pharrell Williams zusammen. Synthesizer und elektronische Klangflächen prägten eine weitere Variante seines wandelbaren Sounds.

Beck und Scientology

Beck wuchs mit Scientology auf: Seine Eltern David Campbell und Bibbe Hansen waren Mitglieder der Organisation. Auch Beck selbst gehörte Scientology später an und verteidigte die Organisation zeitweise öffentlich. Seine damalige Ehefrau Marissa Ribisi und deren Familie waren ebenfalls eng mit Scientology verbunden.

Scientology wird vorgeworfen, Mitglieder durch psychische Manipulation und immense Kursgebühren finanziell sowie emotional auszubeuten und eine antidemokratische, totalitäre Gesellschaftsordnung anzustreben.

2019 distanzierte sich Beck schließlich öffentlich und erklärte, selbst kein Scientologe zu sein. Zwar sei sein Vater Mitglied der Organisation, aber er habe selbst keine Verbindung dazu und habe sich immer nur auf seine Musik fokussiert.

Vom Loser zum Melancholiker

Mehr als drei Jahrzehnte nach „Loser“ gehört Beck zu den vielseitigsten Künstlern der Alternative-Generation der Neunzigerjahre. Seine Diskografie lässt sich kaum auf einen einzelnen Sound reduzieren. Amerikanischer Folk und Blues stehen darin neben Hip-Hop, Funk, Psychedelic Rock und elektronischer Popmusik.

Dabei ziehen sich zwei Seiten besonders deutlich durch sein Werk. Da ist der experimentierfreudige Beck, der Samples, Genres und popkulturelle Fundstücke zu neuen Kombinationen zusammensetzt. Daneben steht der melancholische Songwriter von Alben wie „Sea Change“ und „Morning Phase“, der mit Akustikgitarre, Streichern und vergleichsweise klassischen Arrangements arbeitet.

Gerade der Wechsel dieser beiden Pole hat Becks Karriere geprägt. Statt einen frühen Erfolgsstil über Jahrzehnte fortzuführen, hat er seine musikalische Sprache immer wieder verändert und dabei eine Diskografie geschaffen, in der sich die amerikanische Musikgeschichte der vergangenen Jahrzehnte auf eigenwillige Weise spiegelt.