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W Social startet: Europas Twitter geht online

Kann Europa ein eigenes soziales Netzwerk etablieren, das nicht aus dem Silicon Valley kommt? Mit dem Start der Beta-Version von W Social beginnt nun ein ambitionierter Versuch, genau das zu schaffen.

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Die neue Plattform versteht sich als europäische Alternative zu Twitter, Threads oder Bluesky. Entwickelt, finanziert und gehostet wird sie vollständig in Europa. Hinter dem Projekt stehen die ehemalige eBay-Managerin Anna Zeiter und der schwedische Unternehmer Ingmar Rentzhog. Ihr Ziel ist nicht weniger als mehr digitale Unabhängigkeit von den großen US-Technologiekonzernen.

Der auffälligste Unterschied zu bestehenden Netzwerken: Jeder Nutzer muss sich einmalig mit Ausweis oder Reisepass verifizieren. Die Daten sollen anschließend gelöscht werden. Übrig bleibt lediglich ein verschlüsselter Nachweis, der Mehrfachkonten verhindern soll. Gleichzeitig können Nutzer weiterhin unter Pseudonym auftreten. Damit will W Social sowohl Bot-Farmen ausbremsen als auch Anonymität für Aktivisten, Journalisten oder politisch Verfolgte ermöglichen.

Der Londoner Bürgermeister ist schon online. (Screenshot W Social)

Technisch setzt die Plattform auf das offene AT-Protokoll, das auch Bluesky verwendet. Dadurch können Inhalte und Profile zwischen kompatiblen Netzwerken übertragen werden. W Social startet also nicht völlig isoliert, sondern dockt an ein bestehendes Ökosystem mit Millionen Nutzern an.

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Auch beim Datenschutz positioniert sich das Unternehmen bewusst gegen die Geschäftsmodelle der großen Plattformen. Europäische Server, weniger Profilbildung und kein werbebasiertes Targeting gehören zu den zentralen Versprechen. Werbung soll frühestens 2028 eingeführt werden. Stattdessen plant das Unternehmen unter anderem Micropayments für einzelne Inhalte.

Ob daraus tatsächlich eine ernsthafte Konkurrenz für X oder Meta entsteht, bleibt offen. Die Geschichte sozialer Netzwerke ist voller Plattformen mit guten Ideen, die nie die notwendige Reichweite erreicht haben. Nutzer wechseln nur selten dorthin, wo ihre Kontakte, Lieblingsmedien oder relevanten Debatten fehlen.

Dennoch kommt W Social zu einem Zeitpunkt, an dem viele Menschen nach Alternativen zu den US-Plattformen suchen. Die Diskussionen über Desinformation, Datenschutz und die enorme Macht US-amerikanischer “Broligarchen” haben in Europa deutlich an Fahrt aufgenommen. Gleichzeitig wächst der Wunsch nach digitalen Angeboten, die europäischen Regeln und Werten verpflichtet sind.

Vielleicht ist das die eigentliche Chance von W Social, als erster ernstzunehmender Versuch, eine europäische Öffentlichkeit auf europäischer Infrastruktur aufzubauen. Dass bereits vor dem Start zehntausende Interessierte auf der Warteliste stehen, zeigt zumindest: Der Wunsch nach einer europäischen Alternative ist vorhanden.

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