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Alphaville vom Glücksgefühle-Festival ausgeladen: Streit um AfD-Kritik auf der Bühne

Alphaville werden nicht beim Glücksgefühle-Festival 2026 auf dem Hockenheimring auftreten. Die Veranstalter haben das für Freitag geplante Konzert kurzfristig abgesagt. Hintergrund ist ein Streit über Äußerungen gegen die AfD auf der Bühne. Sänger Marian Gold reagiert scharf und bezeichnet die Vorgaben des Festivals als „Maulkorberlass“.

Eigentlich sollten Alphaville am Freitag beim Glücksgefühle-Festival auftreten, das vom 3. bis 5. September auf dem Hockenheimring stattfindet. Zwei Tage vor dem geplanten Konzert machte die Band jedoch öffentlich, dass der Veranstalter den Auftritt abgesagt habe.

In einem am 2. September veröffentlichten Statement erklärt Marian Gold, die Band habe sich auf das Konzert gefreut und sei von der Begründung für die Absage „einigermaßen fassungslos“. Gold zitiert darin auch aus dem Schreiben des Veranstalters. Demnach wolle dieser auf seiner Bühne „keine politischen Themen oder Äußerungen jeglicher Art“ dulden.

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Für Alphaville geht diese Vorgabe deutlich zu weit. Die Band bezeichnet die Begründung als einen „Maulkorberlass“ und sieht darin eine Einschränkung der Meinungs-, Rede- und Kunstfreiheit. Alphaville betonen in ihrer Stellungnahme zudem, Meinungsfreiheit, Toleranz und Demokratie weiterhin als hohe Güter anzusehen, für die sich auch Künstlerinnen und Künstler einsetzen müssten. Die Absage werde zur Kenntnis genommen, an der eigenen Haltung wolle die Band jedoch nichts ändern.

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Der Konflikt kommt nicht völlig überraschend. Alphaville waren 2026 bereits bei zwei weiteren Veranstaltungen derselben Veranstalter zu Gast. Nach deren Darstellung hatte die Band beim ersten dieser Auftritte mehrfach politische Aussagen gegen die AfD und den Rechtsruck in Deutschland gemacht. Vor dem zweiten Konzert sei Alphaville deshalb ausdrücklich darauf hingewiesen worden, dass solche Äußerungen nicht erwünscht seien. Dort habe sich die Band an diese Vorgabe gehalten.

Vor dem Glücksgefühle-Festival wurde das Thema erneut angesprochen. Die Band wollte sich der Vorgabe nicht fügen. Die Konsequenz war die Absage des Konzerts.

Die Veranstalter weisen den Vorwurf zurück, Alphaville wegen einer bestimmten politischen Haltung ausgeladen zu haben. Das Festival verstehe sich grundsätzlich als unpolitische Veranstaltung. „Unsere Bühne soll der Musik gehören“, heißt es in ihrer Stellungnahme. Das Verbot politischer Äußerungen gelte nach Angaben der Festivalleitung unabhängig davon, aus welcher politischen Richtung diese kämen. Man wolle den Hockenheimring nicht als Plattform für politische Auseinandersetzungen verstanden wissen.

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Festival-Mitveranstalter Markus Krampe hatte diese Position bereits im August gegenüber dem SWR vertreten. Politische Statements hätten seiner Ansicht nach auf einem Festival wie dem Glücksgefühle keinen Platz. Das Publikum komme zusammen, um Musik zu hören, zu feiern und für einige Zeit den Alltag hinter sich zu lassen.

Dass ein Festival in der aktuellen Zeit noch politisch sein kann, ist fragwürdig. Jedes Booking ist heute auch mit Politik verbunden. Es ist zumindest extrem naiv, einer Band mit öffentlich bekannter politischer Positionierung einen Maulkorb verpassen zu wollen.

Ob andere Headliner wie Marteria, Mark Forster und Scooter sich an die Vorgaben der Veranstalter halten werden und zur Sache schweigen werden? Möglicherweise ist die Ausladung von Alphaville ein Wendepunkt in der Debatte um politische Aussagen auf Großveranstaltungen. Auch in der Nazizeit gab es Profiteure und Mitläufer und Künstler, die ihre Karriere aufs Spiel gesetzt haben. Jetzt zeigt sich, wo Deutschlands Musikszene im Jahr 2026 steht und wem wir künftig noch vertrauen können.

Bei anderen Headlinern wie dem österreichischen Schlagerfuzzi Andreas Gaballier oder KI-DJ David Guetta dürften diese Statements vermutlich ausbleiben.

Alphaville gehören zu den international erfolgreichsten deutschen Popbands der Achtzigerjahre. Die 1982 gegründete Gruppe wurde vor allem mit „Big In Japan“ und „Forever Young“ bekannt. Marian Gold ist bis heute Sänger und prägende Figur der Band.

Die Band hat ihre Wurzeln in der linken und alternativen Szene der frühen Achtzigerjahre. Marian Gold lebte zeitweise in einer Kommune in Münster und zog später nach West-Berlin, das damals ein Zentrum der linken, alternativen Kultur in der Bundesrepublik war. Aus diesem Umfeld heraus entstand Alphaville gemeinsam mit Bernhard Lloyd und Frank Mertens.

Marian Gold hat seine politische Haltung auch später nie versteckt. Alphaville positionierten sich wiederholt gegen Rechtsextremismus und die AfD und untersagten der Partei die Verwendung ihres Hits „Forever Young“. Auch von Donald Trump distanzierte sich die Band 2026 deutlich, nachdem dieser den Song für ein KI-generiertes Video benutzt hatte. Alphaville erklärten, Trumps politische Ansichten „in keiner Weise“ zu teilen und sie „sogar weitgehend“ zu verabscheuen.

Auch Golds politische Ansagen bei Konzerten stehen damit in einer langen Tradition der Band. Dass Alphaville ausgerechnet wegen solcher Bekenntnisse zur Demokratie, die vor wenigen Jahren noch völlig selbstverständlich waren, vom Glücksgefühle-Festival ausgeladen werden, ist bemerkenswert und ein Zeichen unser Zeit. Der Rechtsruck ist inzwischen auch auf den Konzertbühnen angekommen.

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