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Apokalypse als Psych-Rock-Versprechen – Les Big Byrd mit neuem Album “Ruin Everything”

„We all know what’s coming.“ Gleich zu Beginn des fast zehnminütigen Stücks “Big Flood” formuliert Jocke Åhlund den zentralen Gedanken des Albums. Inspiriert von Ragnarök, der nordischen Vorstellung vom Untergang der Welt, kreisen die zehn Songs auf “Ruin Everything” um Unsicherheit, Verfall und die Suche nach Hoffnung. Das klingt schwer, wirkt musikalisch aber selten bedrückend.

Die Stockholmer Band bewegt sich seit Jahren zwischen Psychedelic Rock, Krautrock und kosmischen Synthesizerlandschaften. Auf “Ruin Everything” gelingt ihr dabei eine bemerkenswerte Balance: Die Stücke bleiben oft hypnotisch und ausufernd, gleichzeitig treten Melodien stärker in den Vordergrund als zuvor. Åhlunds Aussage, er könne einfach nicht aufhören, Melodien zu schreiben, scheint hier Programm zu sein.

Schon der Opener “Hökvind” setzt auf Bewegung statt Schwere. Aus einer Studio-Jam entstanden, schrauben sich Gitarren und Synthesizer spiralförmig nach oben und eröffnen das Album mit viel Dynamik. Auch “Artificial Sunlight” und der Titelsong verbinden treibende Grooves mit detailreicher Produktion. Besonders “Ruin Everything” wirkt dabei wie ein programmatisches Statement der Band, das aus einem simplen Synthesizer-Riff heraus eine stetig wachsende Spannung entwickelt.

Trotz aller rhythmischen Beharrlichkeit verstehen Les Big Byrd es, unterschiedliche Stimmungen zu erzeugen. Das schwedischsprachige “Nån annan dag” lebt von dichten Feedback-Gitarren und einer schwebenden Atmosphäre. “Time Is a Killer” baut sich dagegen langsam auf, bevor es sich in einem explosiven Finale entlädt. Mit “Searchlight” findet sich sogar eine Liebesgeschichte auf dem Album, die stilistisch zwischen verschiedenen Referenzpunkten pendelt, ohne sich eindeutig festzulegen.

Interessant ist dabei, wie die Band das Thema Weltuntergang behandelt. “Ruin Everything” wirkt nicht wie ein dystopisches Konzeptalbum, sondern eher wie eine Sammlung von Songs, die ein diffuses Gefühl der Gegenwart einfangen. Die unterschwellige Dringlichkeit bleibt stets spürbar, ohne den Stücken ihre Offenheit zu nehmen.

Zum Abschluss schlägt “Beginners Luck” noch einmal einen anderen Ton an. Der Song bewegt sich in gospelartigen Gefilden und setzt einen vorsichtigen Hoffnungsschimmer gegen die zuvor aufgebauten Zweifel. Ein passender Schlusspunkt für ein Album, das zwischen Untergangsstimmung und Zuversicht oszilliert.

15 Jahre nach ihrer ersten Veröffentlichung präsentieren sich Les Big Byrd auf “Ruin Everything” fokussiert und selbstbewusst. Das Album versteht sich weniger als Neuanfang denn als Verdichtung dessen, was die Band über Jahre entwickelt hat: repetitive Grooves, psychedelische Weite und ein überraschend ausgeprägtes Gespür für eingängige Melodien.

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