Thomas Bangalter, Mitgründer von Daft Punk, hat sich deutlich zur Rolle von Künstlicher Intelligenz im kreativen Prozess geäußert. Der französische Musiker sieht den aktuellen KI-Hype kritisch, vor allem dort, wo es um das Ersetzen künstlerischer Arbeit geht.
Bangalter betont im Interview mit Chanel Connect, dass ihn die kreative Nutzung von KI grundsätzlich nicht interessiert. „Ich interessiere mich nicht für den kreativen Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Der wichtigste Grund ist wahrscheinlich, dass sie über sprachliche Eingaben, also Prompts, funktioniert.“
Für ihn entsteht Kunst nicht aus exakt ausformulierten Anweisungen, sondern aus einem schwer greifbaren inneren Prozess. „Der spannendste Teil des kreativen Prozesses findet überhaupt nicht auf einer intellektuellen oder sprachlichen Ebene statt. Es geht vielmehr darum, die eigenen Gefühle zu verstehen.“
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Später im Gespräch greift Bangalter das Thema erneut auf und grenzt seinen eigenen Arbeitsansatz deutlich von generativer KI ab. Seiner Ansicht nach konzentrieren sich aktuelle KI-Systeme vor allem auf das fertige Ergebnis: „KI konzentriert sich im Moment auf das Resultat. Es geht immer um den Output. Mein kreativer Prozess dreht sich aber überhaupt nicht um das Ergebnis.“
Statt einen festen Plan zu verfolgen, beschreibt er Kreativität als einen offenen Prozess, der von Intuition und Überraschungen lebt. Künstler seien nicht vollständig Herr über ihre Werke. „Ich entscheide gar nichts“, sagt Bangalter und ergänzt: „Ich glaube nicht, dass man den kreativen Prozess respektiert, wenn man so tut, als hätte man alles unter Kontrolle.“
Für ihn liegt der eigentliche Wert im Entstehen eines Werkes und nicht im möglichst schnellen Resultat, sondern im vorsichtigen Vorantasten. Deshalb könne KI seinen kreativen Prozess nicht ersetzen: „Warum sollte ich gerade den Teil überspringen, für den ich wirklich brenne?“
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Auch zum Verhältnis von Mensch und Technologie äußert sich der 50-Jährige grundsätzlich. Die Spannung zwischen beiden Themen ziehe sich durch seine gesamte Laufbahn. Auf die Frage nach der am meisten überschätzten Technologie antwortet er deshalb: „Die neueste.“ Neue Entwicklungen würden häufig gefeiert, bevor überhaupt kritisch darüber nachgedacht werde, „ob sie die Welt tatsächlich zu einem besseren Ort machen“.
Bangalter bezeichnet die menschliche Unvorhersehbarkeit als eine der wichtigsten Eigenschaften überhaupt. „Unvorhersehbarkeit ist das, was unsere Gesellschaft retten wird“, sagt er. Überraschungen seien der Motor kreativer und gesellschaftlicher Entwicklung. Gerade deshalb dürfe diese Unberechenbarkeit nicht von Maschinen erzeugt werden: „Diese Aufgabe können wir nicht der Technologie überlassen.“
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Im weiteren Verlauf des Interviews spricht Bangalter auch über seine Zeit nach Daft Punk. Er beschreibt Daft Punk rückblickend als ein über zwanzig Jahre angelegtes Performancekunstprojekt, erklärt die Entstehung der Roboterfiguren und spricht über die Bedeutung analoger Zusammenarbeit, Orchestermusik und persönlicher Begegnungen.
