Nach dem Rauswurf von Macklemore und dem Rückzug mehrerer Support-Acts hat Ed Sheeran seine „Loop“-Tour mit einem Solokonzert in Philadelphia fortgesetzt. Zum Auftakt des Konzerts äußerte sich der britische Sänger ausführlich zum Krieg in Gaza, räumte Fehler ein und kritisierte den Einfluss von Veranstaltern auf politische Äußerungen von Künstlern.
Am 19. September eröffnete Sheeran sein Konzert im Lincoln Financial Field in Philadelphia deshalb mit einer ausführlichen Stellungnahme. Dabei entschuldigte er sich für seinen bisherigen Umgang mit der Situation und hielt eine eher selbstmitleidige, vom Teleprompter abgelesene Ansprache: „Ich musste schwierige Entscheidungen treffen, und ich mache Fehler. Das tut mir sehr, sehr leid.“
Viele Kollegen äußerten sich zu diesem Vorgang und kritisieren das Verhalten von Sheeran, das zu den Absagen geführt hatte.
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Sheeran bezog in Philadelphia erstmals konkret Stellung zum Krieg, was so gezwungen ausgewogen klang, als habe ihm sein Management das aufgeschrieben. „Was am 7. Oktober beim Nova-Musikfestival in Israel passiert ist, war entsetzlich und hat einen jahrhundertelangen jüdischen Schmerz weiter verstärkt“, sagte er. Zur Situation im Gazastreifen erklärte er: „Was in Gaza geschieht, ist katastrophal, nicht zu rechtfertigen und unverhältnismäßig.“
Auch die zivilen Opfer und das Westjordanland sprach Sheeran an: „Das Ausmaß der Zerstörung und der Verlust ziviler Menschenleben, auch von Kindern, bricht mir das Herz. Und die systematische Ungerechtigkeit, die wir im Westjordanland erleben, darf nicht übersehen werden.“
Bemerkenswert war zudem Sheerans Aussage zur Meinungsfreiheit auf Konzertbühnen. Ihn beunruhige „die Vorstellung, dass Veranstaltungsorte die Inhalte von Künstlern vorab genehmigen“. Solche Kontrollen erlebe er zwar in verschiedenen Ländern, „aber in der freien Welt sollte so etwas niemals passieren“. Und das war am Ende der Grund für die lautstarke Kritik.
Niemand verlangt von Künstlern einen „Bekenntniszwang“, wie die Welt unnsinnigerweise titelte, aber Künstler müssen ihre Bühne gegenüber politischer Einflussnahme von Milliardären mit eindeutig politischer Agenda unter allen Umständen verteidigen.
Auslöser der Kontroverse waren Auftritte von Macklemore im Vorprogramm von Sheeran im MetLife Stadium in New Jersey. Der Rapper hatte dort „Free Palestine“ gerufen und seinen Protestsong „Hind’s Hall“ zu Bildern aus Gaza gespielt. Anschließend wurde er von den weiteren Konzerten der Tour gestrichen. Sheeran erklärte, die Entscheidung sei vom Tourveranstalter auf Druck der Stadionbesitzer getroffen worden und nicht von ihm selbst.
Seine zunächst zurückhaltende Reaktion sorgte für Kritik aus der Musikszene. Billy Bragg kritisierte vor allem den Einfluss von Stadionbesitzern und Veranstaltern: „Ich würde nicht zulassen, dass Milliardäre entscheiden, was bei meinen Konzerten gesagt werden darf und was nicht.“
Später griff er auch Sheerans angekündigte Spende von zwei Millionen Dollar für humanitäre Hilfe auf. Er sei „nicht beeindruckt von Ed Sheerans Versuch, den aktuellen Sturm der Kritik mit dem Versprechen einer Zwei-Millionen-Dollar-Spende abzulenken“. Bragg kritisierte dabei „die Vorstellung, man könne seine Integrität zurückkaufen“. Das Vermögen von Sheeran wird auf 500 Millionen Euro geschätzt, mit einer einzigen Stadion-Soloshow verdient er geschätzt schon die 2 Millionen.
Auch Ken Casey von den Dropkick Murphys stellte sich gegen Sheerans unkollegialen Umgang mit Macklemore: „Man steht und fällt mit den Leuten, die man mit auf Tour nimmt. Das sind deine Leute.“ Damon Albarn äußerte sich bei einem Gorillaz-Konzert ebenfalls zum Thema, ohne Sheeran namentlich zu erwähnen. Mit einer palästinensischen Flagge auf der Bühne sagte er: „Vergesst das niemals. Bezieht Position. Seid niemals neutral.“
Mit seinem Auftritt korrigierte Sheeran zumindest seine zuvor betont neutrale Haltung deutlich. Viele Kritiker meinen: too little, too late.

