Die Arena in Berlin Friedrichshain wirkt an diesem Abend weniger wie eine Konzerthalle als ein sakraler Raum. Eine Kathedrale der guten Musik, mit Florence + The Machine als Verheißung.
Die britische Band macht nämlich alles richtig an diesem Abend, inszenieren ein herrlich düsteres Popritual, oszillierend irgendwo zwischen Folk, großen Indie-Hymnen und einer Prise Esoterik. So liegt schon vor dem ersten Ton eine freudig gespannte Erwartung in der Luft.
Bevor Florence Welch aber mit ihrer Band auf die Bühne kommt, steht Paris Paloma auf dem Programm. Ein gelungener Auftakt. Die britische Sängerin bespielt die Bühne mit Gitarre und Band, einige Klangflächen kommen hörbar vom Band. Das stört aber niemandem, lebt ihr Set doch eh vor allem von der Stimme und der wunderbaren Dringlichkeit ihrer Songs.
Der klar stärkste Moment ihres Sets ist die feministische Hymne „Labour“, zu der dann auch Florence Welch für ein Duett mit auf die Bühne kommt. Zwei Stimmen, ein großer Song, spürbare Wucht. Die Halle tost vor Applaus.
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Dann, um 20:45 Uhr beginnt die eigentliche Show. Die Bühne ist zunächst teilweise verhüllt. Von der Decke hängen große Stoffbahnen, auf denen ausladende Pflanzen zu erkennen sind. Ein Bild, das an einen verwunschenen Garten erinnert. Schreie hallen durch den Raum.
Dann ist sie da: Florence Welch, barfuß, in ein langes schwarzes Gewand gehüllt, schwebend im künstlichen Nebellicht. Mit dabei sind vier Tänzerinnen und Tänzer, der Witch Choir. Die begleiten sie über Bühne und den Mittelsteg. Dabei wirkt die Choreografie präzise und dennoch organisch. Körper, Stoff und Licht verschmelzen zu einer Bewegung, die zwischen modernem Tanz und ritueller Inszenierung pendelt.
Großartig ist das, geradezu ein Spektakel, wie hier mächtige Refrains und authentische Intensität auf großartige Songs treffen. Der Raum wirkt jetzt kleiner, die Mehrzweckhalle mutiert zu einem magischen Ort. Dabei steht hinter Welch eine eingespielte Besetzung mit Gitarren, Schlagzeug, elektronischen Elementen und einer markanten Harfe.
Getragen von deren Klängen singt Florence Welch hier nicht nur tolle Lieder. Mit ihrer Bühnenpräsenz lenkt sie die Energie im Raum und alle machen mit. Magic, Witchcraft, oder eine Künstlerin, die es vermag Schmerz und Schicksalsschläge für die Zeit eines Konzerts in die kollektive Austreibung allen Bösen zu verwandeln. Die Antwort liegt auf der Hand.
Beim Stück „Which Witch“ sucht Welch bewusst die Nähe ihrer Fans, steigt hinunter in den Bühnengraben und bewegt sich dicht vor ihrem Publikum. Die Distanz zwischen Bühne und Publikum verschwindet für einen Moment. Spätestens jetzt sind alle eins.
Vor „Never Let Me Go“ spricht sie schließlich offen über ihre Beziehung zu diesem Song. Lange wollte sie den nämlich nicht mehr singen, weil er sie an eine schmerzhafte Zeit erinnert. Inzwischen habe sie gelernt, anders mit ihm umzugehen und das Stück wieder auf die Bühne zu bringen. Die Fans danken es ihr, und singen am Ende mit ihrem Star als Dirigentin immer und immer wieder: Never let me go. Ein Gänsehautmoment.

Gegen Ende des rund zweistündigen Konzerts steigt Welch noch einmal in den Graben vor der Bühne. Sie bleibt stehen, schaut einzelnen Fans direkt ins Gesicht und umarmt einige von ihnen. Das alles wirkt nicht wie eine routinierte Geste, sondern wie ein bewusst gesuchter Moment der Nähe. Der Austausch gegenseitiger Energie.

So bleibt die Erkenntnis, dass Florence + The Machine an diesem Abend alles andere als ein gewöhnliches Arena-Konzert liefern. Das hier ist Empowerment, Magie und eine Stimme, die für einen kurzen Moment vieles zu heilen vermag. Am Ende schweben alle glücklich und verzaubert in die Berliner Frühlingsnacht. An evening for the books.
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Setlist – Florence + The Machine, Berlin (Uber Arena), 9. März 2026
1. Everybody Scream
2. Witch Dance
3. Shake It Out
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4. Seven Devils
5. Big God
6. Daffodil
7. Which Witch
8. Cosmic Love
9. Spectrum
10. Never Let Me Go
11. Hunger
12. Buckle
13. King
14. The Old Religion
15. Howl
16. Heaven Is Here
17. Sympathy Magic
Zugabe:
18. One of the Greats
19. Dog Days Are Over
20. Free
21. And Love