Die Ankündigung einer neuen Welttournee von Harry Styles hätte eigentlich ein Grund zur Freude sein sollen. Doch statt Euphorie dominiert bei vielen Fans Frust wegen der unverschämten Ticketpreise.
Der Vorverkauf für die Together Together Tour löste binnen Stunden eine Welle an Kritik aus, die sich auf sozialen Medien wie Reddit entlud, wo unzählige Nutzerinnen und Nutzer die hohen Preise und die geringe Zahl der Tourstädte bemängelten.
Die Eckdaten der Tour hatten im Vorfeld bereits für Diskussionen gesorgt. Styles plant insgesamt 50 Shows reist aber nur in 7 Städte, darunter sechs Abende im Londoner Wembley-Stadion und eine 30-tägige Residency im New Yorker Madison Square Garden. Für eingefleischte Fans des ehemaligen Teeniestars von One Direction wäre eine längere Anreise auch kein Problem gewesen, denn das Comeback des Sängers gilt als großes Ereignis. Mit Love On Tour hatte Styles 2023 mehr als 600 Millionen Dollar eingespielt und sich als einer der erfolgreichsten Livekünstler seiner Generation etabliert. Die Erwartung an sein Bühnen-Comeback ist entsprechend hoch.
Mit dem Start der Ticket-Presales kippte die Stimmung allerdings rapide. Schon der Zugang zum Ticketmaster-System erwies sich als Hürde. Hunderttausende warteten über eine Stunde in digitalen Warteschlangen, nur um anschließend mit Ticketpreisen konfrontiert zu werden, die für viele weit außerhalb der eigenen Möglichkeiten lagen. Laut Fans lagen die offiziellen Preise inklusive Gebühren zwischen 50 und 1182 Dollar. Wer einen Platz im Disco-Pit suchte, also direkt am Bühnenrand, fand sich bei Wiederverkäufern wie StubHub mit Angeboten um 3500 Dollar konfrontiert.
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In sozialen Netzwerken artikulierten Fans ihren Unmut. Viele reagierten nicht nur enttäuscht, sondern auch resigniert. Immer wieder tauchte der Gedanke auf, dass Konzerte inzwischen zu einem Luxusgut geworden sind. Eine Nutzerin schrieb, sie fühle sich regelrecht dazu gezwungen, aus dem Konzertleben herauszuwachsen, weil es schlicht nicht mehr bezahlbar sei. Ein anderer Fan beklagte, dass er als Kind viele Konzerte aus Kostengründen verpasst habe und nun, obwohl er eigenes Geld verdiene, erneut ausgeschlossen werde.
Europa bleibt zwar günstiger, aber auch nicht wirklich erschwinglich
Während die Preise in Nordamerika besonders heftig ausfallen, erscheint Europa zunächst moderater. Die Tickets für die Shows in Amsterdam sind im Vergleich zwar deutlich günstiger, doch auch hier ist von einem Schnäppchen kaum zu sprechen. Viele Fans aus Deutschland, Frankreich oder Großbritannien müssen zusätzlich Flug, Bahn oder Hotel einplanen. In der Summe führt das oft zu Gesamtkosten, die sich wieder in Regionen bewegen, die den nordamerikanischen Preisen nahe kommen. Die Entscheidung von Styles, lediglich Amsterdam als europäischen Tourstopp zu wählen, wirkt für viele wie eine weitere Hürde, die Nähe zu seinen europäischen Fans zeigt sich hier nur bedingt. Und das obwohl Styles inzwischen größtenteils in Berlin wohnt, wo er regelmäßig mit Freundin Zoe Kravitz gesichtet wird.
Wachsende Kritik an einer neuen Generation von Industrie-Popstars
Mit jedem Vorverkauf dieser Größenordnung wächst nicht nur der Frust über Live Nation, Ticketmaster oder Abzocker-Wiederverkaufsplattformen, sondern auch über die Künstler selbst, deren Status inzwischen weniger an musikalischer Nähe zu ihren Hörern als an marktwirtschaftlicher Verwertungslogik orientiert wirkt. Superstars, die ihre Liveaktivitäten auf ein paar Orte reduzieren und für diese künstliche Reduktion umso mehr Eintritt verlangen. Die geringe Zahl der Städte, gepaart mit hohen Grundpreisen und langen Residenzen in finanzstarken Metropolen, passt genau in dieses Geschäftsmodell. Musik wird zum Lifestyle-Luxusgut für Reiche.
Die eigentliche Frage lautet daher, ob Fans weiterhin bereit sind, diese Preisentwicklung mitzutragen. Denn in vielen Städten spielt sich parallel eine lebendige, vielfältige Konzertszene ab, die oft übersehen wird. Kleine Clubs, regionale Festivals oder aufstrebende Künstlerinnen und Künstler bieten Konzerte, die nicht nur authentischer wirken, sondern auch bezahlbar bleiben. Wer sein Geld dorthin lenkt, unterstützt Kultur, die ohne gigantische Sponsorenstrukturen und fragwürdige Kooperationen mit Ticketplattformen auskommen muss. Es ist ein Gegenmodell zu einem Popbetrieb, der immer stärker auf Exklusivität und Verknappung setzt.
Während sich die Debatte weiter zuspitzte, begannen einige Fans, ältere Social-Media-Posts des Sängers hervorzuholen. Besonders häufig geteilt wurde ein Tweet aus dem Jahr 2011, in dem Styles Zeilen aus Jessie J.s Hit “Price Tag” zitierte, der die Fixierung auf Profit kritisiert: „It’s not about the money, money, money.“
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In der aktuellen Situation erscheint vielen dieser Rückgriff wie ein ironischer Kommentar auf die Gegenwart. Die Reaktionen reichten von offener Enttäuschung bis zu humorvollen Seitenhieben. So schrieb ein Fan in Anlehnung an Styles’ kommendes Album Kiss All the Time, Disco, Occasionally den Satz “Queue All The Time, Tickets, Occasionally”.
Andere verwiesen darauf, dass Künstlerinnen und Künstler durchaus eine aktivere Rolle bei der Regulierung von Ticketpreisen einnehmen könnten. Als Beispiel wurde immer wieder Olivia Dean genannt. Die britische Sängerin hatte im vergangenen Jahr öffentlich Ticketmaster, Live Nation und AEG Presents kritisiert, weil Wiederverkäufer Tickets für ihre Tour zu drastisch erhöhten Preisen anboten. Dean konnte für ihre Fans teilweise Rückerstattungen durchsetzen und erreichte, dass Wiederverkaufspreise künftig auf den ursprünglichen Ticketpreis gedeckelt werden. Ihre Haltung, Livemusik müsse erschwinglich bleiben, findet in diesen Tagen großen Zuspruch.
Für viele Fans von Harry Styles stellt sich daher weniger die Frage, ob sie ihren Lieblingskünstler unterstützen möchten, sondern ob sie sich seine Konzerte überhaupt noch leisten können. Genau diese Spaltung lässt im Moment viele Diskussionen eskalieren. Denn während Styles weiterhin zu den beliebtesten Popstars weltweit gehört, droht er einen Teil seiner treuesten Anhängerschaft zu verlieren. Die Bereitschaft, für ein besonderes Konzert tief in die Tasche zu greifen, ist zwar groß, doch irgendwann erreichen selbst die loyalsten Fans eine Schmerzgrenze.
Die Diskussion um die Together Together Tour dürfte deshalb nicht so schnell abebben. Sie steht exemplarisch für die wachsende Kluft zwischen Fanbegeisterung und ökonomischer Realität, aber auch für die Frage, welche Rolle Popstars in diesem System spielen wollen. Wer Musik liebt, findet genügend Alternativen im kleineren Maßstab, die ohne Luxuspreise auskommen und näher an dem bleiben, was Livemusik im Kern ausmacht.
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Harry Styles Tour 2026
Amsterdam – Johan Cruijff ArenA (Niederlande)
- Mai 2026 – Amsterdam
- Mai 2026 – Amsterdam
- Mai 2026 – Amsterdam
- Mai 2026 – Amsterdam
- Mai 2026 – Amsterdam
- Mai 2026 – Amsterdam
- 4. Juni 2026 – Amsterdam (zusätzlicher Termin)
- 5. Juni 2026 – Amsterdam (zusätzlicher Termin)
London – Wembley Stadium (England)
- Juni 2026 – London
- Juni 2026 – London
- Juni 2026 – London
- Juni 2026 – London
- Juni 2026 – London
- Juni 2026 – London
- 26. Juni 2026 – London (neu angekündigt)
- 27. Juni 2026 – London (neu angekündigt)
- 29. Juni 2026 – London (neu angekündigt)
- 1. Juli 2026 – London (neu angekündigt)
Den Ticketlink verkneifen wir uns hier an dieser Stelle.