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Charli XCX – Wuthering Heights (OST): Von Brat zu Brontë

ALBUM DER WOCHE: Popsuperstar Charli XCX schenkt der neuen Verfilmung von „Wuthering Heights“ einen verstörend verzaubert-schönen Soundtrack zwischen Experiment und Elegie, während der Film mit Traumpaar Margot Robbie („Barbie“) und Jacob Elordi („Saltburn“) vielen als verschenkt gilt.

Sie gilt als eine der schönsten Liebesgeschichten in der Literaturgeschichte, Emily Brontës einziger Roman „Wuthering Heights“: Unzählig oft verfilmt, kommt nun eine neue Interpretation in die Kinos – marketingtechnisch wurden viele Special-Vorführungen dazu auf den 14. Februar gelegt – die von Kritikerinnen und Kritiker entweder als wagemutige ästhetische Adaption gefeiert oder als erotische Kitsch-Fan-Fiction abgewatscht wird.

Wie auch immer der Film von Schauspielerin und Regisseurin Emerald Fennell („Saltburn“) mit Traumpaar Margot Robbie („Barbie“) und Jacob Elordi („Priscilla“) geraten ist bzw. bewertet wird – hier die Tonspion-Kritik dazu -, er hat bereits stürmische „Wuthering Hypes“ ausgelöst und das auch wegen des spektakulären Soundtracks, der von niemand Geringer stammt als von Popsuperstar Charli XCX.

Es ist ihr zweites Soundtrackprojekt, für das die Britin zwölf neue Songs komponierte und ein paar davon enthalten großartige gewagte Kooperationen, darunter den Track “Eyes of the World” mit der geheimnisvoll großartigen Sky Ferreira und auf einem anderen ist die Performance-Künstlerin Laurie Anderson auf der Viola zu hören.

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Die Witwe von Lou Reed ist indessen nicht die einzige Verbindung zu Velvet Underground, denn im creepy „House“ ist John Cale dabei: Beim Schreiben dieses neoclassical Dark-Wave-Songs mit einer gehörigen Portion noisy und distorted Infusion ließ sich Charli von Todd Haynes’ Dokumentarfilm „The Velvet Underground“ aus dem Jahr 2021 inspirieren, in dem Velvet-Underground-Mitglied Cale sagte, deren Musik müsse „elegant und brutal“ sein.

The Velvet Underground sind nicht nur die alleinige Inspirationsquelle in dem Stück – denn wenn der Beat des Stücks dann etwas versetzt einsetzt, spürt man den sägenden Einfluss von Nine Inch Nails. Wenn also Kate Bush in ihrer „Wuthering Heights“-Hommage gespenstisch singt „Heathcliff, it’s me, I’m Cathy“, so lautet es hier nicht minder schauerromantisch „Hey, Heathcliff, it’s you Cale“.

Der Soundtrack ist so etwas wie die zweite Seite einer LP, das Gegenstück zum Banger-Hit-Sound ihres Albums „Brat“, denn hier hört man ambitionierten avantgardistischen Art-Pop, der Gothic und Industrial mit einbindet. Am zugänglichsten zeigen sich dabei die Vorab-Single „Chains Of Love“, ein schwelgerischer Synth-Pop-Song mit Strings und der Pathos-Disco-Track “Dying For You”.

Ähnlich wie Regisseurin Fennell nichts von historischer Genauigkeit hält und viel Pop in den viktorianischen Stoff packt, so passt auch der Gloomy-Glamour von Charli XCX als Musik dazu einfach perfekt. Die Irritationen an diesem neuen „Wuthering Heights“-Projekt erinnern dabei stark an Sophia Coppolas „Marie Antoniette“ mit Chucks an den Füßen und Siouxsie & The Banshees Goth-Rock sowie Scarlattis Barock-Wucht im Ohr.

Ob die neuen „Wuthering Hypes“ einen ebensolchen regelrechten Kult entfachen wie einst Kate Bush, der jedes Jahr in Form des „Wuthering-Heights-Days“ gefeiert wird, mit tausenden tanzenden Fans in roten Gewändern, Bush im ikonischen Video zum Song nachahmend, wird sich zeigen. Auch 1978 erschien dieser neuartige Sound nicht mainstreamig genug um zum Hit zu werden und Charli XCXs Musik zum Thema ist auch alles andere als das – aber mindestens genauso so intensiv, irisierend und individuell.

Biografie Charli XCX

Geboren als Charlotte Emma Aitchison in Cambridge wurde die Singer-Songwriterin unter dem Pseudonym Charli XCX zum globalen Superstar. Nicht nur mit ihren eigenen Songs, sondern auch als Komponistin für unter anderem Icona Pop (für deren Megahit „I Love It“), Iggy Azalea, Rita Ora, Shawn Mendes, Britney Spears, Raye oder Gwen Stefani erreichte sie immer größere Popularität. Ihre ersten eigenen Songs lud sie mit 14 Jahren auf dem Sozialen Netzwerk MySpace hoch, wodurch Branchenkenner auf sie aufmerksam wurden. Ihr erstes Album bei einem Major-Label erscheint schließlich im April 2013 und heißt „True Romance“. Endgültig zum Megastar wurde sie dann durch ihr Album „Brat“, das im Juni 2024 erschien und einen gleichnamigen Sommer samt Hype ausrief. Ihre Musik ist ein eigenwilliger Mix aus Goth-Pop und Hyperpop. Die Musikerin, die laut eigener Aussage synästhesisch begabt ist, wodurch sie Töne durch verschiedene Farben wahrnimmt, mischt  in ihrem Sound unerschrocken Einflüsse von Siouxsie Sioux, Kate Bush und Britney Spears. 2026 erscheint mit „Wuthering Heights” ihr zweites Soundtrack-Projekt.

Diskografie Charli XCX

2008: 14

2013: True Romance

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2014: Sucker

2019: Charli

2020: How I’m Feeling Now

2022: Crash

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2024: Brat

2026: Wuthering Heights

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