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10 Fragen an…Kapa Tult

Leistungsdruck, Crushs und Datingsituationen, Einsamkeit, Überforderung, Unsicherheiten, Ängste – wohl kaum eine deutsche Band schafft es, diese Themen in so locker-flockige Indiepop-Hooks zu packen wie Kapa Tult aus Leipzig, gleichzeitig aber staubtrocken und roh, intim und grungy zu klingen. Ihr zweites Album „Immer alles gleichzeitig haben sie in nur 5 Tagen live und ohne viel Schnickschnack eingespielt, Moses Schneider (u.a. Tocotronic, Beatsteaks etc.) hat produziert. Epische Keyboardsolos treffen darauf auf nüchtern-gewitzte (Alltags)-Betrachtungen, Late Capitalism-Kritik auf mehrstimmige Gesänge und Geschrei mit verzerrten Gitarren.

Wir haben Bandmitglied Inga anlässlich der Veröffentlichung von “Immer alle anders” (13.02.) für ein Interview getroffen.

1. Was ist der erste Song, an den du dich erinnerst?

An „Geile Zeit“ von Juli. Ich kann mich daran erinnern, wie ich direkt vor der Stereoanlage kauere und die Texte im Booklet mitlese, während ich das Album „Es ist Juli“ durchhöre. Wahrscheinlich hab ich die Texte nicht so richHg verstanden aber irgendwie haben sie mich wohl interessiert. Vielleicht weil es darin um erwachsene Sachen wie Liebe geht.

2. Was war die erste Platte, die du dir selbst gekauft hast?

Das war wahrscheinlich der Soundtrack vom Kinderfilm „Die Wilden Kerle 2“. Insgeheim finde ich die Songs teilweise bis heute cool, größtenteils sind sie von den Banana Fishbones. Es sind Liebeslieder in Kinderlogik und vor allem Fußballsongs. Da kommen dann so Zeilen vor wie „Fußball ist nunmal das größte, was es gibt auf dieser Welt / Uns ist es scheißschnurzpiepegal, ob euch das so gefällt“ Fand ich als Siebenjährige halt irgendwie toll!

3. Was war dein erstes Konzert als Besucherin?

Mit 12 oder 13 war ich bei einem Konzert von Wir Sind Helden zur Tour ihres vierten und letzten Albums „Bring mich nach Hause“. Ich war mit meinem Papa da und wir standen ziemlich weit vorne, weil ich alles genau sehen wollte. Ich war beeindruckt und begeistert.

4. Wie bist du zur Musik gekommen?

Unter anderem durch die Gitarren-AG und die Schulband-AG an meiner Schule. Ich habe sowieso als Kind schon immer die Schulband bewundert und wollte auch so sein wie die. Die haben „Boulevard of Broken Dreams“ von Green Day und „Come as you are“ von Nirvana gecovert. Also waren das dann natürlich auch meine Lieblingslieder. Als ich dann auch endlich alt genug für die Schulband war, weiß ich noch, dass es ein überwältigendes Gefühl war, als bei der ersten Probe alle gleichzeitig gespielt haben und dann das Schlagzeug eingesetzt hat. Ich dachte mir so: Wow, es klingt wie eine echte Band. Im Nachhinein betrachtet klang es bestimmt nicht unbedingt gut aber das ist ja egal. Es hat einfach eine Euphorie ausgelöst.

5. Wie machst du Musik?

Meistens fällt mir beim Fahrradfahren oder so eine Textzeile mit einer Melodie ein. Dann wälze ich die in meinem Kopf auf und ab und überlege, wie die weitergehen könnte. Das Kopfkino, beziehungsweise das Kopfkonzert geht los und ich stelle mir vor, welches Instrument was spielt, wie es klingt, was der Vibe ist. Im besten Fall habe ich dann gerade zufällig Zeit, diese Ideen festzuhalten und am Computer eine Demo zu aufzunehmen. Die Demoversion zeige ich dann den anderen in der Bandprobe und dann spielen wir die Idee zusammen und überlegen, was wir noch ändern wollen.

Bei vielen Liedern ergibt es sich fast von alleine, bei manchen ist es ein wochenlanger Prozess. Bei den Vorbereitungen für unser neues Album „Immer alles gleichzeitig“ haben wir uns dann mit den fast fertigen Songs mit dem Produzenten Moses Schneider im Proberaum getroffen und zusammen mit ihm an den Arrangements gefeilt. Seine Rückmeldungen und Ideen waren wahnsinnig hilfreich und haben die Songs nochmal geschärft. Als wir ganz genau wussten, wer was wo spielt, haben wir die 13 Songs dann live im Studio eingespielt.

6. Warum machst du Musik?

Einerseits weil es einfach Spaß macht – die Euphorie aus der ersten Probe mit der Schulband, die ich eben beschrieben habe, überkommt mich jetzt auch immer noch manchmal bei Proben oder bei Konzerten. Andererseits weil Liederschreiben eine Art ist, wie ich mich ausdrücken kann. Eine Form, in der ich meine KreaHvität ausleben kann. Und die mir auch einfach passiert, zum Beispiel wenn mir random Textzeilen beim Fahrradfahren einfallen.

7. Welche Künstler haben dich am meisten geprägt? Mit wem würdest du gerne einmal zusammenarbeiten?

Natürlich waren Wir sind Helden als Band und Judith Holofernes als Songwriterin lange mein Vorbild und sind es auch immer noch. Aber auch andere deutschsprachige Bands wie Von Wegen Lisbeth und Schnipo Schranke waren für mich in einer wichtigen Zeit ein Vorbild. Ich mag unkonventionelle Texte, die zwischen ernst und unernst balancieren. Ich finde, das ist bei allen drei Bands so und wahrscheinlich versuche ich selbst, es auch so zu machen. Sound- und Amtude-mäßig haben mich unter anderem Sleater Kinney und Courtney Barnett sehr beeindruckt. Und zusammenarbeiten will ich mit so vielen Leuten, dass ich mich kaum entscheiden kann.

8. Was möchtest du mit deiner Musik erreichen?

Ich glaube, dass ich mich einerseits selbst verstanden fühlen. Und andererseits möchte auch erreichen, dass die Menschen, die unsere Musik hören, sich durch sie verstanden fühlen. Das ist natürlich ein hohes Ziel aber ich glaube manchmal klappt es. Dann fühlt es sich an, als hätte ich mein Ziel erreicht.

9. Welches ist dein bester Song bisher?

Das finde ich sehr schwer, zu beurteilen und ich würde wahrscheinlich jeden Tag anders auf die Frage antworten. Gerade mag ich „Ich hasse alles“ von unserem neuen Album. Der Song hat sich beim Schreiben einfach so ergeben. Manchmal suche ich Wochen oder Monate nach den richtigen Worten für eine bestimmte Textstelle, bei dem Song war das aber nur eine Sache von ein bis zwei Stunden.

Und ich bin im Nachhinein ein bisschen stolz auf die Textzeile mit den „Immobilien in 2008“.

10. Woran arbeitest du gerade? Was kommt als nächstes?

Gerade bereiten wir uns auf die Tour vor, die wir im März und April spielen. Zum Beispiel wird es viele Parts geben, in denen wir zu viert singen, das üben wir gerade viel. Außerdem lerne ich gerade einen Keyboard-Part – obwohl ich eigentlich gar nicht so richtig Keyboard spielen kann. Das wird alles voll aufregend und wir freuen uns schon richtig darauf. Gerade weil wir uns in den letzten Monaten vor allem mit Büroarbeit hinter den Kulissen beschäftigt haben, wollen wir jetzt endlich wieder live spielen!