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Foo Fighters – „Your Favorite Toy“: Routine in schwierigen Zeiten

Mit „Your Favorite Toy“ veröffentlichen die Foo Fighters am 24. April 2026 ihr zwölftes Studioalbum. Es ist bereits das dritte Werk innerhalb von fünf Jahren und es führt eine Band fort, die seit drei Jahrzehnten unbeirrt ihren Platz im amerikanischen Rock behauptet.

Musikalisch setzt das Album auf viele der vertrauten Elemente, die den Sound der Gruppe geprägt haben. Inhaltlich jedoch rückt es näher an Dave Grohl heran als viele Veröffentlichungen zuvor.

Im Vorfeld der Veröffentlichung sprach Grohl in einem Interview mit The Guardian offen über eine intensive Phase der Selbstreflexion. Er habe sich „sechs Tage die Woche für 70 Wochen“ in Therapie begeben, insgesamt über 430 Sitzungen. Dreißig Jahre Bandgeschichte, der Verlust enger Weggefährten und Familienmitglieder sowie ein öffentlich diskutierter Seitensprung haben Spuren hinterlassen beim ehemaligen Nirvana-Drummer. „Your Favorite Toy“ ist das erste Album, das diese innere Unruhe so deutlich in den Mittelpunkt stellt.

Musikalisch bleibt vieles beim Alten, und das ist durchaus wörtlich zu verstehen. Die Platte bündelt jene Elemente, die die Foo Fighters über Jahre perfektioniert haben: brachiale Gitarrenakkorde, bluesige Ausflüge, abrupte Rhythmuswechsel, mehrstimmige Harmonien. Dad-Rock mit Grunge-Attitüde.

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Es gibt punkige Vorwärtsnummern, die an die Energie früherer Tage erinnern, ebenso wie Midtempo-Stücke, die sich am klassischen Rock orientieren. Der Opener „Caught in the Echo“ stürmt mit einem Gitarrensound los, der direkt an „In Your Honor“ denken lässt, inklusive einer rauen, unmittelbaren Produktion. „Window“ wiederum greift jene nachdenkliche, leicht pathetische Americana-Stimmung auf, die bereits „Sonic Highways“ geprägt hat. Und „Of All People“ trägt den lakonischen Punk-Gestus in sich, der an „The Colour and the Shape“ erinnert.

Wer das zwölfte Album auflegt, bekommt also zunächst genau das, was der Band seit Jahren zugeschrieben wird: verlässlichen Alternative Rock mit hohem Wiedererkennungswert. Nach drei Jahrzehnten ist diese Konstanz kein Makel, sondern Teil des Selbstverständnisses. Viele ihrer mit ihnen älter gewordenen Hörer schätzen die Gruppe gerade deshalb, weil sie sich nicht radikal neu erfindet und stattdessen routiniert ihr Ding abliefert.

Während die musikalische Oberfläche vertraut bleibt, öffnet sich in den Texten eine neue Ebene. Bereits auf „But Here We Are“ hatte Grohl den Tod von Taylor Hawkins und seiner Mutter Virginia verarbeitet. Damals richtete sich sein Blick vor allem nach außen, auf die Menschen, die er verloren hatte. „Your Favorite Toy“ verschiebt die Perspektive. Nun führt Grohl einen Dialog mit sich selbst.

„Of All People“ greift ein konkretes Erlebnis auf. Grohl berichtete, der Song sei von einer Begegnung mit einem ehemaligen Heroin-Dealer inspiriert, verbunden mit der Frage nach den Schicksalen jener, die der Droge nicht entkommen sind. Der Text lässt sich als Reflexion über Überlebensschuld lesen. Wenn Grohl fragt, wie jemand „glücklich bis ans Ende“ leben könne, klingt darin Erstaunen ebenso mit wie Anklage. Es ist die Verwunderung darüber, selbst noch hier zu stehen, während einige seine Gefährten so früh gegangen sind.

Hinter dem Rockstar, der scheinbar mühelos Stadien füllt, erscheint ein Mensch, der sich als Hochstapler empfindet und seine eigene Verletzlichkeit hinter Energie und Arbeitswut versteckt. Diese Offenheit ist bemerkenswert, gerade weil sie nicht von einer radikalen musikalischen Kehrtwende begleitet wird. Die Musik bleibt kraftvoll und geradlinig, als wolle sie die Zweifel in Form halten.

„Amen, Caveman“ bildet einen der Höhepunkte des Albums. Der Song richtet den Blick zumindest kurz nach außen, auf eine Welt, die aus den Fugen geraten scheint. Grohl klingt hier weniger introspektiv, eher wie ein Chronist des allgemeinen Chaos. Doch selbst in diesen Momenten bleibt der Eindruck, dass die äußeren Beobachtungen nur ein Spiegel innerer Unruhe sind. „Your Favorite Toy“ wirkt insgesamt wie ein Gang in den Beichtstuhl, bei dem die Absolution noch aussteht.

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In Interviews sprach Grohl von einer „Sucht nach Leistung“. Gemeint ist der Drang, erreichte Ziele sofort durch neue zu ersetzen, die Leere nach dem Erfolg nicht auszuhalten. In diesem Licht erscheint das Album auch als Produkt dieses Antriebs. Es ist das zwölfte Studioalbum. Es folgt dicht auf zwei weitere Veröffentlichungen. Es wird von einer weiteren Welttournee begleitet sein. Der Motor läuft, und er darf offenbar nicht ausgehen aus Angst, dass die alte Karre sonst nicht mehr anspringt.

Foo Fighters auf Tour

17.06.2026 MÜNCHEN-FRÖTTMANING, Allianz Arena München Tickets

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01.07.2026 BERLIN, Olympiastadion Berlin Tickets

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