Ein Album so kräftig wie ein Schmetterlingsschlag: Auf „Punching The Clown“ verleiht die Alternative-Country-Band aus Nashville dem guten alten Banjo neue Aspekte, findet Wucht im Gospel-Chor und Kraft in der Einfachheit.
Seit 1993 machen Lambchop den Country cool: Mastermind Kurt Wagner mag es eher akustisch und widmete sich in letzter Zeit dennoch vielen Autotune-Experimenten, er mag auch kein Banjo, das zu sehr nach altbackenem Country klänge und dennoch darf sich auf „Punching The Clown“ niemand geringeres als Justin Vernon von Bon Iver annehmen.
Nun wieder mit „natürlicher“ rauer und brüchiger Stimme – die mal an Bob Dylan, mal an Nick Cave erinnert – singt er ergreifend und einfach in ergreifenden und einfachen Songs.
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Simpel gestrickt sind die Songs auf Lambchops mittlerweile 16ten Album dennoch nicht: Tracks wie „A Doctor In The House“ beginnen zart und überraschen mit einem hereinbrechenden geradezu hymnischen Gospel-Chor.
Kleine Glitches durchbrechen die folky friedlich anmutende Grundstimmung, wenn etwa im Titelsong „Punching The Clown“ kleine Verschiebungen irritieren. Und im Opener hören wir im Hintergrund gar jemanden rufen: „Lambchop, no shit!“.
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Business As Usal-Bullshit ist auch nach 33 Jahren Bandgeschichte nicht das Ding von Kurt Wagner: Die Idee für das neue Album entstand als er einen Country-Folk-Gospel-Song im Autoradio hörte und von dessen Einfachheit ergriffen war.
Er forschte nach und fand das so genannte „Lining out“ – eine im 19. Jahrhundert in Schottland entwickelte A-Capella-Liedform, bei der ein Vorsänger eine kleine Melodie mit Text anstimmt und die Gruppe diese dann wiederholt. Dieses Prinzip finden wir wunderbar im Song „Stella“ umgesetzt.
„Punching The Clown“ ist ein Album der fast unmerklichen Grenzverschiebungen, die aber im Großen ein Erdbeben verursachen können – wie jener berühmte Schmetterlingsschlag: Und so wird dank Lambchops zeitlosem Sound Americana ein bisschen stranger, Country ein bisschen düsterer und Folk ein wenig kräftiger.
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Lambchop Live
12.02. Hamburg, Christianskirche
13.02. Berlin, Passionkirche
14.02. Erlangen, Markgrafentheater
16.02. AT-Wien, Theater Akzent
Lambchop Biografie
Lambchop ist eine US-amerikanische Indie-Band um den Sänger, Songwriter und Multiinstrumentalisten Kurt Wagner. Die Gruppe wurde 1986 in Nashville, Tennessee, gegründet und entwickelte sich von einer zunächst eher klassischen Alternative-Country-Band zu einem experimentierfreudigen Projekt zwischen Indie, Folk, Soul, Electronica und Avantgarde.
International bekannt wurde Lambchop vor allem mit Alben wie „Nixon“ (2000) und „Is a Woman“ (2002). Charakteristisch sind Wagners oft zurückhaltender, rauchiger Gesang, melancholische Arrangements und eine ungewöhnliche Mischung aus organischen Instrumenten und elektronischen Klängen.
Im Laufe ihrer Karriere veränderte Wagner die Besetzung und musikalische Ausrichtung von Lambchop immer wieder. Spätere Veröffentlichungen wie „FLOTUS“ (2016), „This (Is What I Wanted to Tell You)“ (2019) und „The Bible“ (2022) zeigen deutlich die elektronische und experimentelle Weiterentwicklung der Band.
Lambchop gilt heute als eines der eigenwilligsten und stilistisch vielseitigsten Projekte der amerikanischen Independent-Musikszene.
Lambchop Diskografie
1994: I Hope You’re Sitting Down
1996: How I Quit Smoking
1997: Thriller
1998: What Another Man Spills
2000: Nixon
2002: Is a Woman
2004: Aw C’mon
2006: Damaged
2008: OH (Ohio)
2012: Mr. M
2016: FLOTUS
2019: This (Is What I Wanted to Tell You)
2020: Trip
2021: Showtunes
2022: The Bible
2026: Punching The Clown
