Künstliche Intelligenz überschwemmt die Musikplattformen in immer schnellerem Tempo. Auch bei Tonspion bekommen wir diese Entwicklung inzwischen täglich zu spüren, denn ein wachsender Teil der Einsendungen besteht mittlerweile aus vollständig oder teilweise KI-generierten Tracks.
Um diese Flut einordnen zu können, nutzen wir den „AI Song Checker“ unseres Partners SubmitHub. Trotz einer hohen Trefferquote bleibt allerdings klar, dass es keine hundertprozentige Sicherheit geben kann. Und dennoch haben wir als Redaktion eine eindeutige Haltung zu diesem Thema.
Wie der KI Filter von Submithub funktioniert
Der AI Song Checker basiert auf einem Random-Forest-Modell, das Tausende Audio-Beispiele aus menschlichen Produktionen und KI-Generatoren miteinander vergleicht. Aus diesen Daten extrahiert das Modell statistische Muster, die typisch für synthetisch erzeugte Tracks sind.
Es analysiert z.B. spektrale Eigenschaften, harmonische Übergänge und das Verhältnis von Vocals zu Instrumenten und errechnet daraus eine Wahrscheinlichkeit, ob ein Stück künstlich erzeugt wurde oder nicht. Der AI Song Checker kann von jedem kostenlos verwendet werden.
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In vielen Fällen funktioniert diese Analyse bereits überraschend zuverlässig und erreicht nach Angaben des Entwicklers eine Genauigkeit von weit über neunzig Prozent. Trotzdem bleibt die endgültige Einschätzung eine Aufgabe für menschliches Gehör und redaktionelle Erfahrung, denn besonders bei Mischformen stößt jedes technische System an seine Grenzen.
“Es funktioniert ziemlich gut. Etwa 98 % Genauigkeit – und 100 %, wenn die AI-Datei nach dem Download nicht bearbeitet wurde. Es ist jedoch anfällig für Tricks. Die Leute finden immer mehr Wege, den KI-Filter auszutricksen. Unsere Aufgabe ist es, ihnen einen Schritt voraus zu bleiben.” (Jason Grishkoff / Submithub)
Warum KI-Songs so schwer eindeutig zu erkennen sind
Am Schwierigsten zu erkennen sind hybride Produktionen, die inzwischen den Normalfall darstellen. Viele Produzenten nutzen KI wie ein frei verfügbares Sample-Pack. Künstlich generierte Drums, synthetische Gitarren, KI-geschriebene Textfragmente oder Vocals, die mithilfe von Algorithmen nachbearbeitet wurden, lassen maschinelle und menschliche Elemente untrennbar ineinandergreifen. Solche Mischungen sind für jeden Detektor ein Problem, weil sich klare Muster auflösen. Sobald ein KI-Track zusätzlich professionell gemischt oder gemastert wurde, verschwinden viele Hinweise, die das Modell normalerweise erkennen würde.
Deshalb bleibt es in vielen Fällen unmöglich, eine eindeutige Zuordnung zu treffen. Perfekte Trennschärfe wird es nie geben, weil die Linien zwischen künstlicher und menschlicher Produktion technisch und ästhetisch immer weiter verwischen.
Warum Tonspion KI-generierte Musik generell ablehnt
Trotz aller technologischen Fortschritte ist unsere Haltung eindeutig: Wir möchten auf Tonspion keine KI-generierte Musik empfehlen. Dieser Entschluss richtet sich nicht gegen Technologie im Allgemeinen, sondern ergibt sich aus unserem Verständnis von Kreativität: KI erzeugt keine neuen Ideen, sie berechnet Wahrscheinlichkeiten und setzt vorgefundene Muster neu zusammen. Was dabei entsteht, sind endlose Variationen des bereits Bekannten, aber keine originäre Schöpfung. Zudem wurden die Urheber fürs Training der diversen Modelle nicht bezahlt, was das Geschäftsmodell für Millionen Musiker untergräbt und außerdem Urheberrechte verletzt.
Musik entsteht mit sehr viel Zeit, Kosten und Herzblut. Sie lebt von Fehlern, Intuition, Risiko und von dem Willen, etwas auszudrücken, das vorher nicht existierte. KI-Musik besitzt keine dieser Eigenschaften. Sie ist die algorithmische Neuordnung von Werken, die von kreativen Menschen geschaffen wurden.
Wenn Algorithmen nur wiederholen, was sich bereits als erfolgreich erwiesen hat, entsteht keine Zukunft der Musik, sondern eine Endlosschleife der Belanglosigkeit. Wir glauben nicht daran, dass aus rein statistischer Wiederholung neue Kunst entstehen kann. Das ist nicht der Anfang einer neuen Ära, sondern das Ende der Kreativität. Das Ende der Musik.
Manipulation, Fake-Artists und der Verlust kultureller Integrität
Diese Einschätzung ist nicht nur theoretisch, sondern prägt bereits jetzt unseren redaktionellen Alltag. Wir erhalten immer häufiger Einsendungen, die zwar professionell klingen, aber keinerlei Handschrift besitzen. Dabei geht es nicht nur um Soundästhetik, sondern zunehmend um gezielte politische Manipulation von Hörern.
Vor kurzem erreichte uns ein Track eines angeblich deutschen Rappers, der den Tod des rechtsextremen US-Aktivisten Charlie Kirk glorifizierte und ihn im Text pathetisch als politischen Helden inszenierte. Die Produktion stammte erkennbar nicht aus einem deutschen Studio, sondern aus einer Trollfabrik. Mithilfe von KI wurde der Erguss in mehrere Sprachen übersetzt und breit gestreut, um Propaganda in die Köpfe junger Menschen einzupflanzen.
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Solche Beispiele zeigen, wie KI-Musik zu einem Trojanischen Pferd wird. Inhalte werden produziert, übersetzt, massenhaft verteilt und wirken wie authentische Releases, obwohl keine künstlerische Identität dahintersteht. Niemand trägt Verantwortung, wenn sich diese künstlichen Songs in Feeds und Playlists festsetzen und kulturelle Räume mit Ideologie oder seelenlosem Content fluten.
Gleichzeitig wächst die Zahl der sogenannten „Fake-Artists“, Künstler, die es gar nicht gibt und Musik veröffentlichen, die irgendwie sehr bekannt klingt. Sie imitieren einfach nur populäre Stile, kopieren Musik berühmter Künstler und bedienen algorithmische Trends mit täglich neuen Tracks. Musik verliert durch diese Flut von KI-Schrott ihre Bedeutung als kulturelle Praxis und wird zur industriellen Masse, die ausschließlich für Klicks und politische oder wirtschaftliche Interessen hergestellt wird.
Zum Glück für uns bewegen wir uns im Tonspion musikalisch weit weg von Chartsmucke oder leicht kopierbaren Rap- oder Techno-Tracks. Die Musik, die wir empfehlen, lebt normalerweise von ihrer Originalität und belegt nicht die Top-Positionen der Charts, was sie weniger attraktiv für KI-Raubkopierer macht. Trotzdem können wir nie die Hand dafür ins Feuer legen, dass Musik nicht mit Hilfe von KI entsteht. Alle nutzen KI, das schließt Musiker natürlich ein und wer zum Beispiel ein komplettes Orchester für seine Musik haben möchte oder ein paar Reime für Songtexte braucht, kann das dank KI nun auch einfach und günstig umsetzen.
Submithub zeigt wie es geht
Der AI Song Checker von Submithub ist für uns ein wichtiges Werkzeug, um nicht den ganzen Tag KI-Schrott hören zu müssen, der weitgehend automatisiert im Netz veröffentlicht wird. Bleibt die Frage, warum es für die großen Streamingdienste wie Spotify, Amazon oder Apple nicht möglich sein sollte, einen KI-Filter einzubauen, der Musikfans ermöglicht, KI-Musik einfach abzuschalten? Technisch wäre das kein Problem. Vermutlich will man es einfach nicht, weil KI neue Geschäftsmodelle ermöglicht, an denen Musiker und Komponisten gar nicht mehr beteiligt werden müssen. Doch Musik ist nicht nur eine Simulation, Musik ist eine der wichtigsten Sprachen der Menschheit und wir müssen sie als Kulturtechnik schützen.
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Gerade in Zeiten, in der große Streamingdienste wie Spotify und Major-Labels wie Universal Music KI-Musik pushen, braucht es Orte, die sich bewusst gegen diese Entwicklung stellen. Tonspion soll auch künftig einer dieser Orte bleiben.