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Nick Cave & The Bad Seeds: Bio, Alben und Songs

Nick Cave 14.07.2018 Waldbuhne (Foto: Andreas Budtke)

Seit den frühen 80er Jahren hat sich Nick Cave einen Ruf als exzellenter Live-Performer erarbeitet, der sein Publikum mit seinen intensiven Songs und seinem Charisma in den Bann ziehen kann. 2026 ist er wieder einmal live unterwegs.

Im Jahr 1983 startete der Australier Nick Cave nach dem Aus seiner Band The Birthday Party seine Solokarriere und stellte in London seine Backingband The Bad Seeds zusammen. Seitdem hat er mit ihr 17 Alben veröffentlicht und sich zu einem der besten Live-Performer im Musikbusiness entwickelt.

Nick Cave & The Bad Seeds auf Tour

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Nick Cave wurde am 22. September 1957 in Warracknabeal im australischen Bundesstaat Victoria geboren und wuchs in Wangaratta auf. Sein Vater Colin Cave unterrichtete Literatur, seine Mutter Dawn arbeitete als Bibliothekarin. Schon früh begeisterte sich Cave für Bücher, Poesie und Musik. Die Werke von William Blake, die Bibel, Shakespeare sowie Songwriter wie Leonard Cohen oder Bob Dylan hinterließen ebenso Spuren wie die Energie der aufkommenden Punkbewegung.

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Während seiner Schulzeit gründete er gemeinsam mit Mick Harvey die Band Boys Next Door. Aus ihr entstand Ende der 1970er Jahre The Birthday Party, eine der einflussreichsten Post Punk Bands Australiens. Nach Stationen in Melbourne und London zog die Gruppe Anfang der 1980er Jahre nach West-Berlin.

Dort lernte Cave Blixa Bargeld und die Einstürzenden Neubauten kennen. Die Berliner Undergroundszene, die Teilung der Stadt und die kreative Freiheit prägten seine künstlerische Entwicklung nachhaltig. Nach der Auflösung von The Birthday Party im Jahr 1983 gründete Cave gemeinsam mit Mick Harvey und Blixa Bargeld Nick Cave & The Bad Seeds, mit denen Nick Cave bis heute in unterschiedlicher Besetzung spielt.

From Her to Eternity (1984)

Das Debütalbum der Bad Seeds markierte den Beginn einer außergewöhnlichen Karriere und das enorme Charisma des jungen Nick Cave. From Her to Eternity verband Blues, Post Punk, Noise und Gospel zu einem bis dahin kaum gehörten Sound. Der Titelsong entwickelte sich schnell zum Klassiker und zeigte bereits Caves besondere Stärke als Geschichtenerzähler. Seine Texte waren voller religiöser Bilder, düsterer Figuren und existenzieller Fragen. Mit Blixa Bargeld fand Cave einen musikalischen Gegenpol, dessen Gitarrenspiel den rauen Klang des Albums entscheidend mitprägte.

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Wim Wenders hielt die rohe Live-Energie der Band im Film “Der Himmel über Berlin” fest.

The Firstborn Is Dead (1985)

Auf dem zweiten Album entdeckte Cave seine Liebe zum amerikanischen Blues und zur Mythologie des Südens der USA. Songs über Elvis Presley, religiöse Motive und amerikanische Folklore bestimmten den Charakter der Platte. Erstmals wurde deutlich, wie stark sich Cave von Literatur und Geschichte inspirieren ließ. Themen wie Schuld, Erlösung und Tod entwickelten sich zu Konstanten seines Werks.

Kicking Against the Pricks (1986)

Mit diesem ungewöhnlichen Coveralbum interpretierte Cave Songs von Künstlern wie Bob Dylan, John Lee Hooker, Roy Orbison oder The Velvet Underground. Statt die Originale zu kopieren, verlieh er ihnen seinen eigenen düsteren Stil. Das Album zeigte früh, wie tief Cave in der Musikgeschichte verwurzelt ist und welche Künstler ihn beeinflusst haben.

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Your Funeral… My Trial (1986)

Noch im selben Jahr erschien mit Your Funeral… My Trial ein deutlich atmosphärischeres Werk. Die Songs wurden ruhiger, cineastischer und komplexer. Viele Fans sehen darin den Beginn jener Klangwelt, die Nick Cave & The Bad Seeds bis heute prägt.

Tender Prey (1988)

Mit Tender Prey gelang der Band ein entscheidender Karriereschritt. Die Single The Mercy Seat entwickelte sich zu einem der bekanntesten Songs von Nick Cave. Das intensive Stück erzählt aus der Perspektive eines zum Tode Verurteilten und gilt bis heute als einer der wichtigsten Songs der Alternative Rock Geschichte. Johnny Cash nahm den Titel später ebenfalls auf und machte ihn einem weiteren Publikum bekannt.

The Good Son (1990)

Nach Jahren voller Exzesse zog Cave nach Brasilien, wo er mit der Journalistin Viviane Carneiro zusammenlebte. Die neue Umgebung beeinflusste auch seine Musik. The Good Son klingt deutlich melodischer und wärmer als die Vorgänger. Klavier und Balladen rückten stärker in den Mittelpunkt und eröffneten neue Facetten seines Songwritings. Die Videos zu “The Weeping Song” und “The Ship Song” laufen sogar auf MTV und machen Cave bei einem größeren Publikum bekannt.

Henry’s Dream (1992)

Mit Produzent David Briggs entstand ein rockigeres Album voller Energie. Songs wie Papa Won’t Leave You, Henry oder Jack the Ripper gehören bis heute zum festen Bestandteil der Livekonzerte. Rückblickend äußerte Cave zwar mehrfach Kritik am Klang der Produktion, die Songs selbst zählen jedoch zu den stärksten seines Katalogs.

Let Love In (1994)

Viele Fans betrachten Let Love In als unterschätztes Meisterwerk der Band. Mit Songs wie Red Right Hand, Loverman, Do You Love Me? oder Nobody’s Baby Now gelang Cave die perfekte Balance zwischen düsterem Rock und emotionalen Balladen. Besonders Red Right Hand entwickelte sich über die Jahre zu einem seiner bekanntesten Stücke und wurde durch Filme und Serien wie Scream oder Peaky Blinders weltweit populär.

Murder Ballads (1996)

Mit Murder Ballads erreichte Nick Cave erstmals ein Millionenpublikum. Das Konzeptalbum versammelt traditionelle und neue Geschichten über Mord, Gewalt und menschliche Abgründe. Das Duett Where the Wild Roses Grow mit Kylie Minogue wurde weltweit ein Hit und machte Cave auch außerhalb der Alternative-Szene bekannt. Ebenfalls herausragend ist Henry Lee, aufgenommen mit PJ Harvey, mit der Cave zu dieser Zeit liiert war.

The Boatman’s Call (1997)

Nach dem Erfolg des Vorgängers überraschte Cave mit einem äußerst persönlichen Album. The Boatman’s Call verzichtet weitgehend auf große Arrangements und setzt stattdessen auf Klavier, zurückhaltende Instrumentierung und intime Texte, die die Trennung von PJ Harvey thematisierten, auch wenn sich Cave nie öffentlich dazu äußerte. Songs wie Into My Arms, People Ain’t No Good oder Brompton Oratory gehören heute zu den wichtigsten Kompositionen seiner Karriere und markieren eine Wende im Leben und der Musik von Nick Cave. Er wird nahbarer und zeigt sich verletzlicher.

No More Shall We Part (2001)

Nach erfolgreichem Entzug von seiner langjährigen Heroinabhängigkeit kehrte Cave mit neuer kreativer Energie zurück. No More Shall We Part verbindet die Intimität des Vorgängers mit opulenteren Arrangements. Viele Kritiker zählen das Album zu den reifsten Werken der Bad Seeds.

Nocturama (2003)

Nocturama wird innerhalb der Diskografie oft kontrovers diskutiert. Während einige Songs große Popularität erreichten, insbesondere Bring It On, zählt das Album insgesamt zu den weniger beachteten Veröffentlichungen der Band. Kurz nach Erscheinen verließ Blixa Bargeld die Bad Seeds nach fast zwanzig Jahren, ein herber Verlust, lebte die Band doch vor allem von der Spannung zwischen diesen beiden kreativen Polen.

Abattoir Blues / The Lyre of Orpheus (2004)

Das Doppelalbum markierte einen kreativen Höhepunkt undgleichzeitig einen musikalischen Wendepunkt. Gospelchöre, hymnische Rocksongs und ruhige Balladen stehen hier gleichberechtigt nebeneinander. Warren Ellis übernahm endgültig eine zentrale Rolle als musikalischer Partner. Das Album zeigte eine Band auf dem Höhepunkt ihres Könnens und brachte mit Nature Boy oder Breathless weitere Klassiker hervor.

Dig, Lazarus, Dig!!! (2008)

Beeinflusst vom parallel laufenden Garage-Rock-Projekt Grinderman präsentierten sich die Bad Seeds deutlich direkter und rockiger. Das Album verbindet klassische Nick-Cave-Themen mit scharfem Humor und energiegeladenen Arrangements.

Push the Sky Away (2013)

Mit Push the Sky Away begann eine neue Schaffensphase. Gemeinsam mit Warren Ellis entwickelte Cave einen reduzierten, schwebenden Klang, der stärker von Atmosphäre als von klassischen Rockstrukturen lebt. Songs wie Jubilee Street oder Push the Sky Away zählen heute zu den Höhepunkten seiner späteren Karriere.

Skeleton Tree (2016)

Während der Arbeiten am Album starb Caves 15-jähriger Sohn Arthur bei einem Unfall. Obwohl viele Songs bereits entstanden waren, veränderte dieser Verlust die Wahrnehmung des Albums grundlegend. Skeleton Tree ist geprägt von Trauer, Sprachlosigkeit und Zerbrechlichkeit. Begleitet wurde die Veröffentlichung vom Dokumentarfilm One More Time with Feeling, der einen seltenen Einblick in Caves Leben während dieser schwierigen Zeit gibt.

Ghosteen (2019)

Mit Ghosteen verarbeitete Cave seine Trauer noch unmittelbarer. Die Musik löst sich fast vollständig von klassischen Songstrukturen und bewegt sich zwischen Ambient, Kammermusik und spiritueller Meditation. Das Album wurde von vielen Kritikern als eines der bedeutendsten Werke seiner Laufbahn bezeichnet.

Wild God (2024)

Mit Wild God präsentierten Nick Cave & The Bad Seeds ein überraschend lebensbejahendes Album. Nach mehreren sehr introspektiven Werken dominieren wieder Energie, Dynamik und Optimismus. Gemeinsam mit Warren Ellis entstand ein Sound, der die emotionale Tiefe der späten Alben mit der Kraft früherer Bad-Seeds-Veröffentlichungen verbindet.

Nick Cave als Schriftsteller und Blogger

Neben seiner Musik veröffentlichte Nick Cave die Romane And the Ass Saw the Angel und The Death of Bunny Munro, schrieb Drehbücher und komponierte gemeinsam mit Warren Ellis zahlreiche Filmmusiken, darunter für The Proposition, The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford, The Road, Hell or High Water und Blonde.

Seit 2018 beantwortet er auf seiner Website The Red Hand Files persönliche Fragen seiner Fans und hat sich dadurch zu einer wichtigen Stimme über Trauer, Kreativität, Glaube und das Älterwerden entwickelt. In vielen seiner Beiträgen bezieht er Stellung zu den großen Fragen unserer Zeit und nimmt die Fragen seiner Fans ernst. Auch in Podcasts ist er immer wieder zu hören und erklärt auch, warum ihn religiöse Motive so faszinieren, obwohl er selbst nicht an einen Gott glaube. Der Glaube helfe Menschen, sich im Leben zurechtzufinden und alleine das sei tröstlich.

Nick Cave zählt heute zu den bedeutendsten Songwritern der vergangenen vier Jahrzehnte. Seine Konzerte mit den Bad Seeds gelten bis heute als außergewöhnliche Live-Erlebnisse und zeigen einen Künstler, der sich immer wieder neu erfindet, ohne seine musikalische Identität zu verlieren.

Diskografie Nick Cave & The Bad Seeds

1984 – From Her to Eternity

1985 – The Firstborn Is Dead

1986 – Kicking Against the Pricks

1986 – Your Funeral… My Trial

1988 – Tender Prey

1990 – The Good Son

1992 – Henry’s Dream

1994 – Let Love In

1996 – Murder Ballads

1997 – The Boatman’s Call

2001 – No More Shall We Part

2003 – Nocturama

2004 – Abattoir Blues / The Lyre of Orpheus

2008 – Dig, Lazarus, Dig!!!

2013 – Push the Sky Away

2016 – Skeleton Tree

2019 – Ghosteen

2024 – Wild God