Am 22. April 2026 startet mit „Michael“ ein Biopic in den deutschen Kinos, das nicht weniger will, als die Geschichte des selbst ernannten „King of Pop“ Michael Jackson neu zu erzählen.
Der Film zeichnet den Weg Michael Jacksons von den Anfängen mit den Jackson 5 bis zu seinem künstlerischen Höhepunkt in den späten Achtzigerjahren nach. Die späteren Krisen, Skandale und juristischen Auseinandersetzungen blendet er aus. Stattdessen entsteht das weithin bekannte Bild eines Ausnahmekünstlers, der sich aus einfachen Verhältnissen an die Spitze der Popwelt kämpft.
Die Idee zu diesem Film stammt von John Branca, dem langjährigen Berater und heutigen Nachlassverwalter Michael Jacksons. In der Regiearbeit wird Jacksons Biografie als klassische Aufstiegserzählung inszeniert.

Die Geschichte beginnt im Wohnzimmer der Familie in Gary, Indiana. Der achtjährige Michael probt mit seinen Brüdern, angeleitet von Vater Joseph, der das musikalische Talent seiner Söhne früh erkennt und mit Härte fördert. Der Film spart auch die Gewalt nicht aus, mit der Joseph Jackson seine Vorstellungen durchsetzt. Der Gürtel gehört ebenso zur Erzählung wie der Ehrgeiz, dem wirtschaftlichen Niedergang der Industrieregion zu entkommen.
Alle Anzeigen dauerhaft ausblenden
Mit dem Vertrag bei Motown beginnt der steile Aufstieg. In den Siebzigerjahren werden die Jackson 5 zu Stars, Michael wächst in eine Rolle hinein, die ihm früh auferlegt wird. Der Film zeigt diesen Weg als Prozess der Selbstermächtigung.
Im Zentrum steht der Übergang vom Kinderstar zum Solokünstler. Michael will sich vom Vater lösen und eigene Wege gehen. Die entscheidende Figur in diesem Abschnitt ist Produzent John Branca höchstpersönlich. Im Film tritt er als Retter auf, als der Mann, der den tyrannischen Vater entmachtet und Michael Jackson in eine neue Ära führt. Damit deutet sich bereits an, dass das Biopic viel mehr ist als eine klassische Musikerbiografie. Es ist auch Teil einer langfristigen Strategie zur Pflege eines Erbes.
Jaafar Jackson, 29 Jahre alt und Neffe des Sängers, übernimmt die Rolle des erwachsenen Michael und meistert die herausfordernden Tanzszenen mit Bravour. Auch die Entstehung der großen Alben und Videos wird nachgezeichnet. „Beat It“, „Billie Jean“, „Thriller“ erscheinen als Meilensteine einer Ära, in der Popmusik und visuelle Inszenierung neu zusammengedacht wurden. Das Video zu „Thriller“ gilt bis heute als Referenzpunkt der Musikvideokultur. „Michael“ feiert diese Phase als kreative Hochform, als Zeit, in der Jackson musikalische und ästhetische Standards setzte.

Der Film endet 1988, in der Phase der „Bad“-Tour, als Jackson auf dem Höhepunkt seines Ruhms steht. Die Missbrauchsvorwürfe, die Prozesse, die zunehmende Isolation, die Medikamentenabhängigkeit und der wirtschaftliche Niedergang in den 2000er-Jahren bleiben ausgespart.
Und das zeigt das Problem von Biopics oder Dokumentationen, in der die Stars selbst oder ihre Vertreter die Strippen ziehen: das Leben wird geschönt und lässt vieles außen vor, was eigentlich wichtig wäre zu erzählen, um das volle Bild zu bekommen. Stattdessen wird die Marke Michael Jackson noch einmal kommerziell ausgeschlachtet mit einem Produkt, das nichts wirklich Neues zu bieten hat, wenn man die große Zeit von Michael Jackson miterlebt hat.
Darüber hinaus stellt sich eine grundsätzliche Frage nach der aktuellen Inflation von Musikbiografien im Kino. Seit Jahren dominieren Filme über Freddie Mercury, Elton John, Elvis Presley oder Bob Marley die Leinwände. Oft folgen sie einer ähnlichen Dramaturgie: schwierige Kindheit, früher Ruhm, kreative Explosion, innere Konflikte, triumphales Finale.
Widersprüche werden zugespitzt, Abgründe selektiv behandelt oder ganz ausgespart. Das bekannte Gesicht auf dem Plakat dient als Publikumsmagnet, der Name ersetzt nicht selten die kritische Auseinandersetzung.
Auch „Michael“ bewegt sich in diesem Spannungsfeld. Der Film setzt auf Wiedererkennung, auf ikonische Momente, auf die emotionale Wucht bekannter Songs. Das ist legitim, zumal Jaafar Jackson die Bühnenpräsenz seines Onkels erstaunlich überzeugend verkörpert. Zugleich bleibt der Eindruck, dass hier weniger eine komplexe Künstlerbiografie erzählt wird als eine kuratierte Legende.
Alle Anzeigen dauerhaft ausblenden
Am Ende stehen Bilder jubelnder Fans, eine Kamera, die über glückliche Gesichter schwenkt, und ein Künstler, der als Erlöserfigur inszeniert wird, der alles andere überstrahlt und dessen Mythos heute vor allem Kasse machen soll.
