Mit ihrer neuen EP “Shapeshifting” verlassen Divers ein Stück weit den vertrauten Indie-Rock-Pfad und öffnen ihre Songs stärker für Atmosphäre, Dynamik und Transformation. Die vier Tracks, aufgenommen im Berliner Hansa Tonstudio, wirken dabei weniger wie klassische Singlesammlung als vielmehr wie eine zusammenhängende Momentaufnahme einer Band im Wandel.
Dass das legendäre Studio eine gewisse Aura mitbringt, hört man der EP durchaus an – allerdings nicht im nostalgischen Retro-Sinn. Statt sich auf den Mythos des Ortes zu verlassen, nutzen Divers die besondere Akustik und Stimmung eher als Resonanzraum für ihren inzwischen deutlich vielschichtigeren Sound. Frontfrau Lina Horner beschreibt genau dieses Bewusstsein für die Geschichte des Studios als kreativen Katalysator, der die Wahrnehmung im Aufnahmeprozess verändert habe.

Musikalisch zeigt sich die Band auf “Shapeshifting” experimentierfreudiger und zugleich fokussierter. Der Opener “The Hunt“ startet mit einer dunklen, fast hypnotischen Call-and-Response-Struktur, bevor sich der Song in einen überraschend großen Refrain öffnet. Spätestens hier wird klar, dass Divers stärker mit Spannungsbögen arbeiten als auf früheren Veröffentlichungen.
“A Body of Water“ gehört zu den atmosphärisch dichtesten Songs der EP: eine schwebende Ballade zwischen Dream-Pop und elektronischen Texturen, die sich immer wieder kleinen Brüchen und Zwischenräumen hingibt. Der Titelsong “Shapeshifter“ setzt dagegen stärker auf Vorwärtsbewegung – riffgetrieben, direkt und trotzdem mit genug Raum, damit sich der Song langsam entfalten kann.
Auch thematisch bewegt sich die Band weg von konkreteren persönlichen Krisenerzählungen früherer Releases hin zu einer offeneren, fast transzendentalen Perspektive. Im Zentrum steht die Frage, wie Menschen sich über verschiedene Lebensphasen hinweg verändern – freiwillig oder unfreiwillig. Horner verweist dabei auf die Erfahrung, sich selbst in alten Aufnahmen wiederzusehen und plötzlich die eigene frühere Unbeschwertheit zu erkennen. Diese Reflexion zieht sich unterschwellig durch die gesamte EP.
Gerade diese Mischung aus Melancholie, Energie und kontrollierter Größe macht “Shapeshifting” zum bislang vielseitigsten Release der Band. Divers klingen hier dunkler, cineastischer und gleichzeitig unmittelbarer als zuvor, ohne ihre melodische Stärke zu verlieren.