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WELTEN öffnen auf „embrace“ neue Klangräume

Welten_Foto_Dovile Sermokas

Zehn Jahre WELTEN: Auf ihrem neuen Album verbindet die Leipziger Band Indie-Jazz, Ambient, Post-Rock und Neo-Klassik zu einer detailreichen, filmischen Klangwelt.

Es ist eine eigentümliche Ruhe, die viele Stücke von WELTEN zunächst ausstrahlen. Melodien tauchen auf, Instrumente finden zueinander, kleine rhythmische Figuren setzen sich fest. Doch lange bleibt die Musik selten an einem Punkt. Ideen werden weitergeführt, verschoben und um neue Details ergänzt, bis aus ihnen vielschichtige Klangbilder entstehen.

Die Leipziger Volkszeitung beschrieb die Musik der Band im Februar 2026 als „Soundlandschaften, in die man sich fallenlassen möchte, wie in ein Bett aus weicher Wolle“. Ein passendes Bild für eine Band, deren Musik sich seit jeher zwischen Jazz, Ambient, Post-Rock und Neo-Klassik bewegt.

Mit embrace erscheint nun das fünfte Album von WELTEN und gleichzeitig eine Art Zwischenbilanz. Seit zehn Jahren gibt es die Leipziger Band. In dieser Zeit sind die Alben Live im Laden auf Zeit (2017), Ycatú (2018), Akureyri (2019) und Thaw (2022) entstanden. Mehr als 80 Konzerte führten WELTEN durch Deutschland, Island, die Schweiz und Österreich. Dazu kamen Auftritte im Múlinn Jazz Club in der Harpa in Reykjavík mit Óskar Guðjónsson von ADHD, Live-Performances bei Deutschlandfunk Kultur und Konzerte bei Festivals wie Fusion, Seanaps und At.tension.

Auf embrace ist WELTEN in einer Besetzung zu hören, die den Klang der Band noch einmal erweitert hat. Zu den Gründungsmitgliedern Valentin Mühlberger, Lukas Backs und Laurenz Welten ist Anna-Lucia Rupp gekommen, die unter anderem durch Olicía und BODIES bekannt ist. Mit Synthesizern, Percussion und ihrer Stimme fügt sie dem bisherigen Instrumentarium neue Möglichkeiten hinzu. Raphael Schuster wiederum erweitert als neuer Schlagzeuger das rhythmische Spektrum der Band.

Gerade die Verbindung der einzelnen Instrumente prägt das Album. Altflöte, Saxophon und Rupps klare Stimme werden immer wieder gemeinsam arrangiert und verschmelzen dabei zu einem eigenen Klangkörper. Valentin Mühlberger legt mit Wurlitzer, Moog und Effekten Flächen darunter. Auch seine Stimme taucht auf, bleibt aber wie der Gesang von Rupp Teil des Arrangements, statt sich in dessen Mittelpunkt zu stellen.

Überhaupt arbeitet embrace mit einer ungewöhnlich breiten Palette an Klängen. Raphael Schuster nutzt neben einem präparierten Schlagzeug verschiedene perkussive Klangquellen. Dazu gehört eine Sammlung alter Rührschüsseln seines Großvaters, der Konditor war. Die unterschiedlich großen Schüsseln werden dabei nicht nur perkussiv eingesetzt, sondern teilweise melodisch gespielt.

Lukas Backs ist hauptsächlich an der Altflöte zu hören, einer tiefer klingenden Variante der Querflöte. Gleichzeitig experimentiert er mit Percussion, kleinen Instrumenten und Alltagsgegenständen. Laurenz Welten bewegt sich zwischen Alt- und Tenorsaxophon, Klarinette und Bassklarinette.

Dass die Band seinen Nachnamen trägt, sagt wenig über ihre interne Arbeitsweise aus. Einen klassischen Bandleader gibt es bei WELTEN nicht. Die Kompositionen kommen aus der gesamten Band und werden gemeinsam weiterentwickelt. Gerade dieses Prinzip lässt sich auf embrace hören. Einzelne Instrumente treten hervor, ziehen sich wieder zurück und überlassen anderen Stimmen den Raum.

Wie eng persönliche Erfahrungen und musikalische Einflüsse bei WELTEN miteinander verbunden sind, zeigt die erste Single „Skúli & Óskar“. Das Stück ist den isländischen Musikern Skúli Sverrisson und Óskar Guðjónsson gewidmet. Deren gemeinsames Album The Box Tree gehört zu den Lieblingsplatten der Band.

Die Verbindung zu Island reicht allerdings weiter. Laurenz Welten lebte für ein halbes Jahr auf der Insel und nahm dort Unterricht bei Guðjónsson. Später standen WELTEN mit ihm im Múlinn Jazz Club in Reykjavík auf der Bühne.

Das Video zu „Skúli & Óskar“ führt von Island nach Schweden. Es entstand im Herbst 2025 während einer Artist Residency im kleinen Ort Loshult. Gedreht wurde in der historischen Dorfkirche des Ortes, deren zurückgenommene Atmosphäre gut zu einer Musik passt, die ihre Wirkung selten aus großen Gesten zieht.

Auch der Titel embrace lässt sich so als Beschreibung des Albums verstehen. Als Umarmung verschiedener musikalischer Ideen, Instrumente und Einflüsse, aber auch als Moment von Nähe. Mal wirkt diese Umarmung vorsichtig und tröstlich, mal verspielt und für einen kurzen Augenblick beinahe euphorisch.

Live
25.9.26 Berlin – ufa Fabrik

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