Cat Power feiert den 20. Jahrestag ihres Albums „The Greatest“ mit einem neuen Release.
Die EP „Redux“ umfasst drei Songs und ist digital sowie als limitierte 10-Inch-Vinyl erhältlich. Im Zentrum steht eine neu aufgenommene Version von Princes „Nothing Compares 2 U“, ergänzt durch eine Neuinterpretation von James Browns „Try Me“ sowie eine aktualisierte Fassung von „Could We“, einem der prägenden Stücke von „The Greatest“.
„Redux“ ist weniger als nostalgischer Rückblick angelegt denn als bewusste Weiterführung. Die Aufnahmen entstanden in den Church House Studios in Austin, Texas, produziert von Stuart Sikes, der bereits beim Originalalbum beteiligt war. Begleitet wird Chan Marshall von Dirty Delta Blues, jener Band, die schon die Tour zu „The Greatest“ geprägt hatte, mit Musikern wie Judah Bauer, Gregg Foreman, Erik Paparozzi und Jim White.
Die Version von „Nothing Compares 2 U“ ist dem Gitarristen Teenie Hodges gewidmet, der als Mitglied der Memphis Rhythm Band maßgeblich am Sound von „The Greatest“ beteiligt war und 2014 verstarb.
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Parallel zur Veröffentlichung der EP rückt auch das Album selbst erneut in den Fokus. „The Greatest“, 2006 erschienen, gilt bis heute als Schlüsselwerk in Cat Powers Diskografie. Es war ihr erstes Album mit ausschließlich eigenen Songs, aufgenommen in Memphis und getragen von einer zurückhaltenden, stark von Soul geprägten Ästhetik. Zum Jubiläum wurde das Album unter anderem von Stereogum erneut gewürdigt, wo es als zeitloses Werk beschrieben wird, das sich mühelos in eine Traditionslinie klassischer Pop- und Soulalben einfügt.
Ein zentraler Bestandteil der Jubiläumsaktivitäten ist die kommende Tournee. Dort spielt Cat Power „The Greatest“ erstmals komplett live. Wer noch Tickets dafür bekommen will, sollte sich ranhalten.
Cat Power auf Tour
- 15.10.2026 BERLIN, HUXLEY'S NEUE WELT Tickets
- 17.10.2026 KÖLN, Live Music Hall Tickets
- 20.10.2026 MÜNCHEN, Muffathalle Tickets
Cat Power – Biografie
Chan Marshall wird 1972 in Atlanta geboren und wächst in instabilen familiären Verhältnissen auf. Die Kindheit ist geprägt von häufigen Umzügen durch den Süden der USA, von Georgia über Tennessee bis nach North Carolina. Musik wird früh zu einem Rückzugsort, weniger als klassisch erlerntes Handwerk denn als intuitives Ausdrucksmittel. Marshall bringt sich das Gitarrenspiel selbst bei, hört Blues, Folk und frühen Rock und entwickelt rasch eine eigene, unverwechselbare Art des Songwritings.
Nach dem Schulabbruch zieht sie Anfang der 1990er-Jahre nach Atlanta, wo sie in der lokalen Musikszene erste Auftritte absolviert. Ihre Songs entstehen in dieser Phase oft spontan, mit wechselnden Strukturen und offener Form. In Atlanta lernt sie Musiker aus dem Umfeld von Liz Phair und Pavement kennen und kommt erstmals mit einem professionellen Umfeld in Berührung. Kurz darauf folgt der Umzug nach New York, wo sie von Steve Shelley, Schlagzeuger von Sonic Youth, entdeckt wird. Shelley produziert ihre ersten beiden Alben und wird zu einer zentralen Figur in Marshalls frühem Werdegang.
Dear Sir (1995)
Das Debütalbum entsteht unter einfachen Bedingungen und trägt die Spuren dieser Entstehung deutlich in sich. „Dear Sir“ ist roh, ungeschliffen und von einer fast scheuen Intimität geprägt. Die Songs wirken wie Momentaufnahmen, oft fragmentarisch, getragen von Marshalls markanter Stimme und minimalem Gitarrenspiel. Bereits hier zeigt sich ihr Gespür für Atmosphäre und emotionale Verdichtung.
Myra Lee (1996)
Mit „Myra Lee“ verdichtet sich der Ausdruck, ohne an Offenheit zu verlieren. Die Gitarren treten stärker in den Vordergrund, die Songs wirken konfrontativer. Das Album dokumentiert eine Künstlerin auf der Suche nach Form, die Widersprüche nicht glättet, sondern bewusst stehen lässt.
What Would the Community Think (1996)
Noch im selben Jahr erscheint „What Would the Community Think“, das häufig als erstes kohärentes Statement in Cat Powers Diskografie gilt. Die Produktion ist strukturierter, die Songs klarer konturiert. Inhaltlich kreist das Album um Isolation, Selbstbeobachtung und die Frage nach Zugehörigkeit.
Moon Pix (1998)
„Moon Pix“ entsteht nach einem Aufenthalt in Italien und markiert einen frühen Höhepunkt. Die Songs sind dunkler, traumartiger und stark von Folk- und Bluestraditionen geprägt. Das Album entwickelt über die Jahre einen Kultstatus und gilt als eines der einflussreichsten Indie-Folk-Alben der späten 1990er-Jahre.
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The Covers Record (2000)
Mit ihrem ersten reinen Coveralbum richtet Marshall den Blick nach außen. Klassiker von Bob Dylan, Leonard Cohen oder The Velvet Underground werden radikal reduziert interpretiert. „The Covers Record“ macht deutlich, wie stark Cat Power Songs als emotionale Räume versteht, die sie sich aneignet, ohne sie zu überformen.
You Are Free (2003)
„You Are Free“ erweitert den Klangraum deutlich. Streicher, Chöre und Bandarrangements ergänzen den bislang eher kargen Sound. Trotz der größeren Produktion bleibt das Album persönlich und direkt. Es gilt als Übergangswerk, das Cat Power auf eine neue Ebene hebt.
The Greatest (2006)
Aufgenommen in Memphis mit lokalen Soulmusikern, markiert „The Greatest“ einen Wendepunkt. Erstmals besteht ein Cat-Power-Album ausschließlich aus eigenem Material. Die Songs sind ruhiger, selbstbewusster und tief in der Soultradition verwurzelt. Das Album wird Marshalls größter kommerzieller Erfolg und festigt ihren Status als unabhängige Stimme jenseits klarer Genrezuordnungen.
Jukebox (2008)
Nach dem Erfolg von „The Greatest“ folgt mit „Jukebox“ ein weiteres Coveralbum. Der Sound ist opulenter, stärker an klassischem Soul und R&B orientiert. Cat Power positioniert sich hier bewusst als Interpretin innerhalb einer musikalischen Traditionslinie.
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Sun (2012)
Mit „Sun“ vollzieht Marshall einen deutlichen Bruch. Elektronische Beats, Samples und eine moderne Produktion prägen das Album. Es ist ein selbstbestimmter Neuanfang, der Cat Power in einen zeitgenössischen Popkontext stellt, ohne ihre Eigenständigkeit aufzugeben.
Wanderer (2018)
Reduzierter und introspektiver kehrt Marshall zu einem persönlichen Ton zurück. „Wanderer“ reflektiert Verlust, Selbstbehauptung und innere Neuordnung. Das Album wirkt ruhig, konzentriert und bewusst unaufgeregt.
Covers (2022)
Mit „Covers“ schließt sich ein Kreis. Die Auswahl reicht von Frank Ocean bis Nick Cave, die Interpretationen bleiben zurückhaltend und präzise. Das Album zeigt Cat Power als gereifte Künstlerin, die das Übersetzen fremder Songs zu einer eigenen Disziplin gemacht hat.