Berlin, erst große Liebe, dann große Ernüchterung. Mit „Alle bereuen Berlin“ nehmen Bernd Begemann & Die Befreiung die Hauptstadt ins Visier und all die Erwartungen, die man an sie haben kann. Zwischen Aufbruchsstimmung und Überforderung, Selbstverwirklichung und Ketaminüberfluss erzählt der Song von einer Stadt, die viel verspricht und einen manchmal ziemlich ratlos zurücklässt.
„Es kam mir vor wie eine gute Idee / doch nur ein paar Jahre später ist nichts mehr okay“: Viel mehr braucht es nicht, um das Verhältnis zu Berlin auf den Punkt zu bringen. Begemann macht daraus keine gewöhnliche Abrechnung, sondern eine lakonische Bestandsaufnahme mit schrägem Humor und einem Blick für die Absurditäten des Großstadtlebens. Musikalisch schiebt Die Befreiung das Ganze mit Uptempo-Pop und Punk-Attitüde nach vorne. Selbst am Kottbusser Tor bleibt dabei Platz für eine gewisse Zuneigung. Man kennt das schließlich: Man kann eine Stadt gründlich satt haben und trotzdem nicht von ihr loskommen.
Dabei geht es nicht nur um Berlin, sondern auch um die eigenen Erwartungen an das Leben, das man dort führen wollte. Freiheit, Aufbruch, Selbstverwirklichung. Das klingt erst einmal nach einem guten Plan, bis sich herausstellt, dass die große Verheißung auch ihre Zumutungen mitbringt. „Gib zu, du hast dich verrannt!“ heißt es im Song. Ein Rückzugsplan wäre allerdings auch keine besonders punkige Lösung. So pendelt „Alle bereuen Berlin“ zwischen Spott und Zuneigung. Die Stadt bekommt ihr Fett weg, ohne dass Begemann ihr gleich den Rücken kehrt.
Mit seinem Gespür für pointierte Alltagsbeobachtungen gehört Bernd Begemann seit Jahren zu den eigenwilligen Stimmen der deutschsprachigen Popmusik und zu den prägenden Figuren im Umfeld der Hamburger Schule. Mit Die Befreiung hat er eine Band an seiner Seite, die seinen Geschichten den passenden musikalischen Schub verpasst. Ben Schadow, Achim Erz und Kai Dohrenkamp begleiten Begemann seit 25 Jahren auf der Bühne, egal wo, egal wie und unabhängig davon, wie viele Menschen davor stehen. Hauptsache Bühne.
Das gemeinsame Bandjubiläum feiern die vier nicht nur mit einer großen Deutschlandtour, sondern auch mit einem neuen Studioalbum. Im August ging es dafür ins neue Studio von Ben Schadow auf dem Land, wo Bernd, Ben, Achim und Kai das siebte gemeinsame Album einspielten. „Wir haben nur uns“ erscheint im Februar 2027 bei popup-records. Die anschließende Tour führt die neuen Songs auf die Bühnen der Republik.
„Alle bereuen Berlin“ ist die erste Single aus dem kommenden Album und erscheint am 20. Oktober 2026 bei popup-records. Eine widersprüchliche Liebes- und Hass-Erklärung an die Hauptstadt, die sich nicht zwischen Abrechnung und Sehnsucht entscheiden muss. Denn manchmal ist es eben beides: eine schlechte Idee, die man trotzdem nicht missen möchte.
