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Get Well Soon – „Minus The Magic“

Mit „Minus The Magic“ meldet sich Konstantin Gropper nach vier Jahren Pause mit neuer Musik zurück. Es ist das erste von zwei angekündigten Get Well Soon-Alben für 2026 und zugleich ein programmatisches Werk. Gropper ist inzwischen Mitte vierzig, sein Projekt feiert im kommenden Jahr 20-jähriges Bestehen. Anlass genug für eine Standortbestimmung.

„Dieses Album handelt von der Mitte des Lebens“, sagt Gropper. Prioritäten verändern sich, Gewissheiten werden überprüft, die Frage nach dem eigenen Selbstbild tritt in den Hintergrund. Stattdessen rückt die Suche nach einer Haltung in den Vordergrund, die mit Erfahrung und Gelassenheit zu tun hat.

Inspiration fand Gropper unter anderem bei Carl Jung und dessen Text „The Stages Of Life“. Der Gedanke, dass der „Nachmittag des Lebens“ nicht nach dem Programm des Morgens funktionieren kann, zieht sich als leiser Subtext durch das Album.

Musikalisch bleibt Get Well Soon dem eigenen Anspruch treu, jedes Werk als Konzept zu begreifen. Seit jeher kreisen die Alben um übergeordnete Themen, mal mit ernster Schwere, mal mit ironischem Unterton. Gropper bezeichnete sein Projekt einmal als „zutiefst missverstandenes Comedy Projekt“. Auch der Titel „Minus The Magic“ trägt diese Doppelbödigkeit in sich. Er spielt mit der Vorstellung, dass mit zunehmendem Alter etwas verloren gehe. Gropper widerspricht dieser Lesart ausdrücklich. Die Magie verschwinde nicht, sie verlagere sich nur. Vielleicht liege sie nicht mehr im großen Auftritt, sondern im genaueren Blick auf das eigene Leben. Vielleicht auch im Humor über sich selbst.

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„Minus The Magic“ richtet sich explizit an Menschen mittleren Alters, ohne sich abzuschotten. Statt sich an jüngere Trends anzupassen, wählt Gropper die Flucht nach vorne und formuliert Musik aus der eigenen Lebensrealität heraus. Dass dabei weiterhin experimentelle Spielfreude mitschwingt, gehört zum Selbstverständnis von Get Well Soon.

Biografie Get Well Soon

Die Geschichte von Get Well Soon beginnt Mitte der 2000er-Jahre. Konstantin Gropper, geboren in Biberach an der Riß, studierte Komposition und entwickelte früh den Anspruch, Popmusik als erzählerisches Format zu begreifen.

Von Anfang an waren seine Alben als geschlossene Werke konzipiert, mit wiederkehrenden Motiven und klar umrissenen Themen. Über zwei Jahrzehnte hinweg entstand so ein Katalog, der sich stilistisch wandelt, inhaltlich jedoch konsequent bleibt.

Rest Now, Weary Head! You Will Get Well Soon (2008)

Das Debüt von 2008 machte Get Well Soon schlagartig bekannt. „Rest Now, Weary Head! You Will Get Well Soon“ führte eine opulente, cineastische Pop-Ästhetik ein, die sich bewusst von Indie-Minimalismus abhob. Streicher, Bläser und eine theatralische Dramaturgie bestimmten das Klangbild. Schon hier zeigte sich Groppers Hang zum Konzeptuellen und zur großen Geste.

Vexations (2010)

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Mit „Vexations“ folgte 2010 die Vertiefung dieses Ansatzes. Das Album kreiste um innere Konflikte und gesellschaftliche Spannungen. Der orchestrale Pop blieb, wurde jedoch dunkler grundiert. Gropper schärfte sein Profil als Songwriter, der Pathos zulässt, ohne ins Unverbindliche abzurutschen.

The Scarlet Beast O’Seven Heads (2012)

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2012 erschien mit „The Scarlet Beast O’Seven Heads“ ein weiteres Werk, das erzählerische und musikalische Motive bündelte. Die Platte setzte sich mit Mythen, Symbolen und Abgründen auseinander. Get Well Soon etablierte sich endgültig als Projekt, das Pop als literarische Form begreift.

Love (2016)

„Love“ aus dem Jahr 2016 nahm sich eines der größten Themen der Popgeschichte vor. Gropper näherte sich dem Motiv mit analytischer Distanz und zugleich persönlicher Offenheit. Musikalisch zeigte sich das Album zugänglicher, ohne den intellektuellen Anspruch aufzugeben. Für das Video zum Titelsong gewann er die kürzlich verstorbene deutsche Hollywood-Ikone Udo Kier.

The Horror (2018)

2018 folgte „The Horror“, ein Werk über Angst als gesellschaftlichen und individuellen Zustand. In einer Zeit politischer Verunsicherung traf das Album einen Nerv. Get Well Soon verband erneut Konzept und Kommentar, ohne in plakativen Gestus zu verfallen.

Mit “Funny Treats” lieferte er den Titelsong für die erfolgreiche deutsche Netflix-Serie “How To Sell Drugs Online (Fast)”.

Amen (2022)

Mit „Amen“ erschien 2022 das bislang letzte Album vor der aktuellen Pause. Es setzte sich mit Glaubensfragen, Ritualen und kollektiven Erzählungen auseinander. Der Sound war reduzierter, die Themen existenziell. Gropper zeigte sich als Künstler, der sich nicht scheut, große Begriffe zu durchleuchten.

Mit „Minus The Magic“ beginnt nun das nächste Kapitel. Aus dem Wunderkind ist ein etablierter Independent-Künstler mit internationalem Publikum geworden. Zwei Jahrzehnte nach dem Start ist Get Well Soon weiterhin ein musikalisches Projekt, das sich lieber mit den großen Fragen als mit aktuellen Trends beschäftigt.