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Queens of the Stone Age: „Perfecth“ zeigt eine neue Seite der Band

Queens of the Stone Age veröffentlichen mit „Perfecth“ ihr neuntes Studioalbum. Josh Homme verarbeitet darauf persönliche Krisen und erweitert den Sound seiner Band um psychedelischen Rock, Blues und überraschend ruhige Momente.

Redaktionswertung
Leserwertung

Drei Jahre nach „In Times New Roman…“ melden sich Queens of the Stone Age mit einem Album zurück, das deutlich weniger auf die brachiale Kraft ihrer frühen Stoner-Rock-Klassiker setzt. Stattdessen dominieren akustische Gitarren, verschachtelte Arrangements und eine fast schon nostalgische Atmosphäre.

Der Albumtitel „Perfecth“ steht für eine unvollkommene Form von Perfektion. Ein Konzept, das gut zu den vergangenen Jahren des 53-jährigen Frontmanns passt. Homme hatte mit einer Krebserkrankung, einer schmutzigen Scheidung und gesundheitlichen Rückschlägen zu kämpfen. Diese Erfahrungen spiegeln sich in den neun neuen Songs wider, die sich ganz offen und verletzlich mit Verlust, Einsamkeit, Beziehungen und der Suche nach einem Neuanfang beschäftigen.

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Weniger Wüstenrock, mehr David Bowie

Bereits der Opener „It’s Only Love“ macht die neue Richtung deutlich. Streicher, eine leicht entrückte Atmosphäre und Hommes zurückhaltender Gesang erinnern eher an experimentellen Artrock als an die kompromisslose Gitarrenmusik früherer Jahre. Auch die Single „Easy Street“ überrascht mit warmen Akustikgitarren und psychedelischen Elementen.

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Ein Highlight ist zweifellos die Vorabsingle „Insignificant Other“, ein lässiger Bluesrock-Song mit deutlichen Anklängen an ZZ Top und David Bowie. Homme singt hier über eine gescheiterte Beziehung und die widersprüchlichen Gefühle, die danach bleiben. „Mono“ gehört dagegen zu den experimentelleren Stücken des Albums und verbindet psychedelische Gitarren mit nervöser Percussion.

Auf „Where The Goth Girls At?“ lassen Queens of the Stone Age ihren charakteristischen Desert-Rock-Sound wieder stärker durchscheinen. „Sunday“ erinnert an die Zusammenarbeit Hommes mit Iggy Pop, auf dessen Album „Post Pop Depression“ (2016) der Song bereits enthalten war. Er greift deutlich die elegante, leicht dekadente Ästhetik von David Bowies Berliner Phase auf.

„Das ist mein Lieblingsstück auf dem Iggy-Pop-Album und ich habe schon vermisst, es zu spielen. Wir dachten uns: „Lass uns doch mal versuchen, eine Art French-Disco-Version daraus zu machen.“ Ich weiß gar nicht, ob uns damals schon klar war, dass es tatsächlich auf die endgültige Tracklist kommen würde, aber wir hatten das Gefühl, dass diese Energie nötig war, um einen Ausgleich zu den emotional schwereren Seiten des Albums zu schaffen.“ (Josh Homme)

Die Verbindung zu Bowie ist auf „Perfecth“ unüberhörbar. Der charistmatische Homme bewegt sich stimmlich häufig näher am Crooner als am klassischen Rockshouter, klingt aber manchmal eher wie der Sänger einer Bowie-Coverband.


Wenn es eine echte Schwäche gibt auf dem unperfekten „Perfecth“ ist es der Gesang, der eigentlich nur bei den lauteren Rockern richtig trägt, wenn die Gitarren klar den Ton angeben. Besonders deutlich tritt diese Schwäche bei der Akkustikballade „From The Cliff“ zutage.

In den ersten Rezensionen wird dieser Stilwechsel auf ein etwas gemächlicheres Tempo sehr unterschiedlich bewertet. Consequence sieht in „Perfecth“ eine Rückkehr zur kreativen Stärke der Band und hebt die emotionale Tiefe sowie die ausgefeilten Arrangements hervor. Das Magazin Paste bemängelt, dass dem Album die Extreme fehlen, die Queens of the Stone Age bislang ausgezeichnet haben: aggressive Gitarrenriffs, treibende Rhythmen und die besondere Spannung zwischen Hommes unterkühltem Gesang und der explosiven Instrumentierung.

Tatsächlich verzichtet „Perfecth“ weitgehend auf jene unmittelbare Wucht, mit der die Band seit „Songs for the Deaf“ von 2002 ihren Ruf als eine der eigenständigsten Rockbands ihrer Generation begründet hat. Die neun Stücke setzen stärker auf Atmosphäre und Melodien. Als Highlights bleiben vor allem die neue Version von „Sunday“ und die Vorabsingle „Insignificant Other“ im Ohr.

Ob es viel mehr Songs des neuen Albums auf die Live-Setlist schafft, werden deutsche Fans vermutlich erst im kommenden Jahr erfahren, bisher sind bis auf ein Festival in Schweden noch keine Live-Termine für Europa angekündigt.