Mit „Hazel Eyes“ veröffentlicht Sam Smith das fünfte Studioalbum und schlägt nach dem großen Pop von „Gloria“ ruhigere Töne an. Akustische Instrumente, Folk, Gospel, Country und Soul prägen zwölf Songs, die eine Liebesgeschichte von der ersten Euphorie bis zu Misstrauen, Verletzung und Versöhnung verfolgen.
Sam Smith gehörte lange zu jenen Popstars, bei denen Liebeskummer zuverlässig in große traurige Balladen übersetzt wurde. Mit „Gloria“ und dem gemeinsam mit Kim Petras aufgenommenen Welthit „Unholy“ veränderte sich dieses Bild. Disco, elektronische Produktion und ein deutlich offensiveres Auftreten rückten stärker in den Vordergrund. Drei Jahre später setzt „Hazel Eyes“ an einem anderen Punkt an.
Smith hat das Album gemeinsam mit Simon Aldred und David Odlum produziert und übernimmt erstmals selbst die Rolle als Co-Produzent. Teile der Aufnahmen entstanden in den Electric Lady Studios in New York. Zum Kreis der Beteiligten gehören Feist, Shahzad Ismaily, der Arrangeur und Multiinstrumentalist Rob Moose sowie das 28-köpfige Vokalensemble TwoCity Chorus.
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Trotz dieser prominenten Besetzung wirkt „Hazel Eyes“ vergleichsweise zurückgenommen. Live-Schlagzeug, Gitarren, Streicher, Bläser und Chöre bestimmen das Klangbild. Smiths Stimme steht weniger demonstrativ im Mittelpunkt als auf einigen früheren Aufnahmen. Auch die Produktion lässt den Songs mehr Raum.
Inhaltlich folgt das Album lose der Entwicklung einer Beziehung. „Everlasting Love“ eröffnet mit dem Moment kurz vor dem Verlieben und einer zunächst spielerischen Vorstellung von ewiger Liebe. Schon im Titelsong wird daraus eine konkretere Form von Nähe. Die romantische Euphorie setzt sich in „My Guy“ fort, einem Song, der sich hörbar an klassischem Girl-Group-Pop orientiert. Feist und Moses Sumney sind hier im Hintergrund zu hören.
Dass „Hazel Eyes“ nicht bei der Beschreibung glücklicher Zweisamkeit stehen bleibt, zeigt sich spätestens mit „When He’s Gone“. Aus Nähe wird Verlustangst, aus Hingabe Abhängigkeit. „Thief“ führt diesen Konflikt weiter und erzählt von Misstrauen und einem möglichen Betrug. Gerade solche konkreteren Momente gehören zu den interessanteren Passagen der Platte, weil Smith die Beziehung nicht nur als abstraktes Ideal behandelt.
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Besonders deutlich wird der neue musikalische Rahmen bei „Constant Companion“. Smith singt hier ungewöhnlich tief, während Rob Mooses Streicher und dunkle Gitarren dem Stück Anklänge an einen klassischen Western geben. Die Beziehung wird zur Geschichte zweier Liebender auf der Flucht, inklusive weißer Pferde und Revolver. Das ist bewusst überzeichnet und gehört gerade deshalb zu den eigenwilligeren Songs des Albums.
Einen zentralen Platz nimmt außerdem „Oh Mother“ ein. Hier trifft Smith auf den TwoCity Chorus. Die Stimmen des 28-köpfigen Ensembles verleihen dem Song eine gospelartige Dramaturgie.
Den Schlusspunkt setzt „To Be Free“, das bereits 2025 veröffentlicht wurde. Im Kontext des Albums erhält der Gospel-Folk-Song eine zusätzliche Funktion. Nach der anfänglichen Vorstellung ewiger Liebe und den Konflikten der folgenden Stücke steht am Ende die Erkenntnis, dass eine Beziehung ohne die Garantie auf Perfektion bestehen muss.
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Mit „Hazel Eyes“ entfernt sich Sam Smith damit hörbar vom elektronischeren Pop von „Gloria“. Das Album setzt auf eine Bandästhetik und auf Arrangements, die Folk, Soul, Gospel und Country in Smiths Popsprache integrieren. Gerade die Brüche innerhalb der erzählten Beziehung verhindern, dass aus den zwölf Songs lediglich ein romantisches Konzeptalbum wird.
Tracklist „Hazel Eyes“
- Everlasting Love
- Hazel Eyes
- Moondance (feat. Feist)
- My Guy
- When He’s Gone
- Thief
- Love Is A Stillness
- Sugar Rush
- Oh Mother (feat. The TwoCity Chorus)
- Constant Companion
- Hold On
- To Be Free
