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Taylor Swift: „The Encore“ liefert vier neue Songs als Rausschmeißer

Taylor Swift 2025 (Foto: Universal Music)
Redaktionswertung
Hörerwertung

Taylor Swift erweitert ihr letztes Album „The Life of a Showgirl“ um vier neue Songs. „Patient Zero“, „Cleveland!“, „Pink Clouding“ und „Babylon“, die allerdings selbst für Swifties durchweg verzichtbar gewesen wären.

Schon Inhaltlich ist der erste Titel der Erweiterung ein Problem: „Patient Zero“ ist eng mit der Geschichte der Aids-Epidemie verbunden. Der kanadische Flugbegleiter Gaétan Dugas wurde irrtümlich als „Patient 0“ bezeichnet und deshalb öffentlich bis zu seinem frühen Tod im Jahr 1984 dämonisiert.

Tatsächlich war bereits die Bezeichnung aber nur ein Missverständnis: In frühen Unterlagen war er als „Patient O“ für „Outside of California“ geführt worden. Aus dem Buchstaben O wurde später eine Null. Genetische Untersuchungen widerlegten schließlich die Vorstellung, Dugas sei der Ursprung der Epidemie in den USA.

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„When the toxins take their hold, you’d rather die than let it go. / But if you’re sick of him, I got you, I was patient zero.“

Swift verwendet diese historisch belastete Bezeichnung nun als fragwürdige Metapher in ihrem Lied. Ihre Erzählerin warnt eine andere Frau vor einem Mann und erklärt dabei: „I was Patient Zero“. Die Krankheitssprache zieht sich durch den gesamten Song, eine Beziehung wird zur Infektion, der Ex zum Überträger und die ehemalige Partnerin zu dessen erstem Opfer. Was für ein krankes Menschenbild!

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Und es wird nicht besser: „Cleveland!“ soll eigentlich von der Gewissheit handeln, mit Profi-Footballer Travis Kelce den richtigen Partner gefunden zu haben. Doch selbst in diesem vermeintlichen Liebeslied kreist Swift wieder nur um ihre Kritiker.

Wenn sie singt, man müsse im Leben nur den einen Menschen finden, der einen nicht „completely insufferable“ findet, stellt sich die Frage, was diese Botschaften ihren Millionen jugendlichen Fans eigentlich sagen sollen. Wenn ein „Partental Advisory“-Sticker angebracht wäre, dann wohl bei solchen narzistischen Texten über Partnerschaft und Liebe.

„He already took me to Cleveland, now I’m wearing white / So hate all you like, this is the love of my life“

Ihre Beziehung ist längst Teil ihrer öffentlichen Inszenierung geworden. Immer wieder rechtfertigt sie sich öffentlich für ihren berühmten Mann, den sie erst im Sommer diesen Jahres im New Yorker Madison Square Garden vor über tausend geladenen Gästen geheiratet hatte. Die Außenwelt muss stets anwesend sein, damit die Sängerin ihr unfassbares Glück gegen sie behaupten kann, verbunden mit einem ständigen „Ätsch!“.

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Es stellt sich nun beim Hören dieser belanglosen Musik immer wieder die Frage, ob da vielleicht nicht doch nur jemand eine AI mit alten Taylor Swift Songs gefüttert hat, während die Künstlerin in den Flitterwochen war. Selbst wenn Hit-Produzent Max Martin und Shellback als Produzenten genannt werden, klingen alle Songs auf merkwürdige Weise bekannt und gleichzeitig völlig belanglos.

„Pink Clouding“ erinnert mit seinen Synthesizern ganz direkt an „1989“ und „Lover“. Was unterstreicht, wie stark Swift momentan von ihrem eigenen Archiv lebt und wie wenig Neues sie noch zu bieten hat. Fast jede musikalische Idee lässt sich inzwischen einem früheren Album zuordnen.

„Babylon“ demonstriert am Ende, wie sehr Swift nach bedeutungsschweren Bildern und Metaphern sucht. Der Song ist akustischer angelegt und erzählt verschachtelter, was ihn zumindest musikalisch etwas interessanter macht.

Einige Formulierungen bewegen sich allerdings gefährlich nah an jener Sorte Text, die aufgeschrieben tiefsinnig aussieht und bei denen man beim zweiten Lesen nur noch den Kopf schütteln kann. Es ist schon mutig, dass zu jedem der vier Zugaben ein Lyric-Video produziert wurde, der das auch noch offen zur Schau stellt.

„Give the people what they want, then you keep it movin‘
Make your plans and friends, a stranger’s makeup on your tie
Twenty watches in the safe ‚cause your time is money
Love is ice upon the ladder that you need to climb
She captured your attention, so free of all pretension
It stopped you cold.“

Die unnötige Zugabe folgt einem Album, das Swift ursprünglich ausdrücklich als abgeschlossenes Zwölf-Song-Werk präsentiert hatte. Laut „Consequence“ hatte sie zum Erscheinen noch betont, es gebe keinen 13. Song und das Album benötige auch keine Erweiterung. Ihre Marketingabteilung sah das wohl doch anders.

Das passt zu einer Vermarktungspolitik, bei der ein Swift-Album selten lange eine endgültige Form besitzt und immer wieder neu verpackt auf den Markt geworfen wird, bis auch der letzte Cent aus den treuen Fans herausgequetscht ist.

Zugaben („Encore“) bestehen normalerweise aus den größten Hits, um eine Show auf dem Höhepunkt zu beenden. Diese Zugabe besteht nur aus schnell vergessenen Rausschmeißern.

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