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Son Lux: „Out Into“ (Album 2026)

Son Luc (City Slang 2026, Fotocredit: Anna Powell Denton)

Das New Yorker Post-Rock-Electronica-Projekt Son Lux fasziniert auf „Out Into“ mit Songs zwischen Sinnlichkeit und Struktur: Neo-Soul trifft auf Electronica in diesem detailverliebten dringlichen Album zwischen Hot Chip und Radiohead.

Ryan Lott, Rafiq Bhatia und Ian Chang kehren nach ihrer in der Pandemiezeit entstandenen epischen „Tomorrows“-Trilogie und großen oscarnominierten Filmmusikarbeiten wie „Everything Everywhere All At Once” als Trio mit ihrem ersten „richtigen“ Studioalbum seit 2018 zurück. „Out Into“ tröstet mit seinen sinnlichen wie souligen Melodien über diese lange Wartezeit hinweg.

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“We’ll find our way” heißt es in „Out Into Us”, das den Albumtitel minimal um ein Wort und doch maximal im Sinn erweitert: Und die Musik findet instinktiv ihren Weg – Dringlich und detailverliebt wie alle Tracks des neunten Son-Lux-Albums schwebt auch dieser Song zwischen Neo-Soul und Psych-Folk sowie Electronica und Experiment dahin, versetzt mit vertrackten Breaks.

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Entstanden ist „Out Into“ aus mitreißenden Momenten gemeinsamer Improvisation, was die Songs sehr energetisch und emotional macht. Dennoch pulsieren clevere und coole Strukturen unter dem zuweilen sehnsüchtigen wie souligem Gesang.

Hot Chip meets Radiohead, Sufjan Stevens jammt mit Björk und zum philosophisch pluckernden Sound gesellt sich mal jazzig Angehauchtes oder abstrakter Hip-Hop.

Die Songs von Son Lux klingen dabei stets wie mühelos hingeworfene Miniatur-Orchesterwerke, opulent instrumentiert, mit an jeder Ecke lauernden Breaks, zerhackten wie zärtlichen Melodien und viel Raum für große Pop-Momente.

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Damit entzieht sich der Artpop von Son Lux nicht nur Genrekonventionen, sondern auch gewohnten Hörstrukturen, so dass „Out Into“ nicht nur intellektuelles Vergnügen ist, sondern auch Emotionen aufbricht.

Am 27. Oktober spielen Son Lux ein Deutschland-Konzert im Huxleys in Berlin, das man nicht verpassen sollte.

Biografie Son Lux

Son Lux gehören zu den eigenwilligsten Formationen der amerikanischen Indie- und Elektronikszene. Was 2008 als Soloprojekt des Komponisten Ryan Lott begann, entwickelte sich über mehrere Alben zu einem Trio mit Gitarrist Rafiq Bhatia und Schlagzeuger Ian Chang.

Gemeinsam verbinden sie elektronische Produktion, Kammermusik, experimentellen Pop, Hip-Hop-Rhythmen und Elemente aus Jazz und Post-Rock. Dabei entstehen Songs, die vertraute Formen regelmäßig aufbrechen und akustische Instrumente ebenso selbstverständlich digital bearbeiten wie Stimmen, Samples oder Percussion.

Ryan Lott wurde 1979 in Denver geboren und wuchs an verschiedenen Orten in den USA auf. Bereits als Kind erhielt er klassischen Klavierunterricht, später kamen Gitarre und Schlagzeug hinzu. An der Indiana University studierte er Komposition und Klavier. Früh beschäftigte er sich mit Musik für Tanz und Choreografie, eine Arbeit, die seinen späteren Umgang mit Rhythmus und Bewegung nachhaltig prägte. Nach seinem Umzug nach New York im Jahr 2007 arbeitete Lott als Komponist und entwickelte parallel die Musik, die schließlich unter dem Namen Son Lux erscheinen sollte.

At War with Walls & Mazes

Das Debüt „At War with Walls & Mazes“ erschien 2008 beim experimentellen Hip-Hop-Label Anticon. Vier Jahre hatte Lott an dem Album gearbeitet. Schon hier sind wesentliche Elemente der späteren Son-Lux-Musik angelegt: elektronische Manipulation akustischer Aufnahmen, ungewöhnliche rhythmische Konstruktionen, orchestrale Elemente und Lotts markante Stimme.

Son Lux war zu diesem Zeitpunkt noch eindeutig ein Soloprojekt. Lott behandelte das Studio als eigenständiges Instrument und zerlegte aufgenommenes Material in kleine Bestandteile, die anschließend neu zusammengesetzt wurden. Ein Verfahren, das später zum Kern der Ästhetik von Son Lux werden sollte. Die Nähe zum Hip-Hop lag dabei weniger im klassischen Rap als im Umgang mit Samples, Wiederholungen und rhythmischen Verschiebungen.

We Are Rising

Für das zweite Album musste Lott seine Arbeitsweise radikal verändern. „We Are Rising“ entstand 2011 im Rahmen der RPM Challenge, bei der Musiker innerhalb des Monats Februar ein komplettes Album schreiben und aufnehmen. Nach den vier Jahren Arbeit am Debüt blieben diesmal nur wenige Wochen.

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Der Zeitdruck führte zu einer unmittelbareren Arbeitsweise. „We Are Rising“ erschien im Mai 2011 und bewegte sich weiter in einem Feld aus Indie-Elektronik, experimentellem Pop und psychedelischen Klangideen. Gleichzeitig zeigte das Album, dass die aufwendige Musik von Son Lux auch aus spontanen Entscheidungen entstehen konnte.

Lanterns

Mit „Lanterns“ gelang Son Lux 2013 der entscheidende Schritt zu einem größeren Publikum. Das Album erschien bei Joyful Noise Recordings und enthält mit „Easy“ und „Lost It to Trying“ zwei Stücke, die zu den bekanntesten Songs des Projekts wurden.

„Easy“ entwickelte dabei ein bemerkenswertes Eigenleben. Lorde nahm den Song in ihr Live-Repertoire auf und war später auf einer neuen Version für die EP „Alternate Worlds“ zu hören. Auch „Lost It to Trying“ fand außerhalb der Son-Lux-Diskografie Verwendung: Fall Out Boy griffen für „Fourth of July“ auf Material des Stücks zurück.

In dieser Phase veränderte sich zugleich die personelle Struktur. Rafiq Bhatia war bereits auf „Lanterns“ als Gitarrist bei „Easy“ beteiligt. Der Musiker aus North Carolina hatte sich zunächst im Umfeld des zeitgenössischen Jazz einen Namen gemacht und begann zunehmend, elektronische Produktionsmethoden in seine Arbeit einzubeziehen. Gemeinsam mit dem experimentell arbeitenden Schlagzeuger Ian Chang wurde er schließlich Teil der Live-Besetzung von Son Lux.

Parallel arbeitete Lott mit Sufjan Stevens und dem Rapper Serengeti im Projekt Sisyphus. Das gleichnamige Album erschien 2014. Seine Tätigkeiten für Tanz, Film und andere Musiker liefen damit längst parallel zu Son Lux und erweiterten den musikalischen Radius des Projekts kontinuierlich.

Bones

Mit „Bones“ wurden Son Lux 2015 endgültig zur Band. Ryan Lott, Rafiq Bhatia und Ian Chang schrieben und produzierten das Album gemeinsam. Aus Musikern, die Lott zunächst für seine Tourneen engagiert hatte, wurden gleichberechtigte kreative Partner.

Diese Veränderung ist der Musik deutlich anzuhören. Bhatias Gitarrenspiel funktioniert häufig weniger als klassisches Rockinstrument denn als Quelle für Texturen, während Chang mit seinem zugleich akustischen und elektronisch geprägten Schlagzeugspiel die komplizierten rhythmischen Konstruktionen körperlicher machte. Lott blieb Sänger und zentrale Stimme der Band, doch Son Lux waren nun ein Trio.

In den folgenden Jahren entwickelte sich auch das Prinzip der Neuerfindung eigener Musik weiter. EPs wie „Stranger Forms“ und „Remedy“ griffen vorhandenes Material auf oder führten musikalische Ideen weiter. Für „Remedy“ arbeitete das Trio unter anderem mit einem Chor aus mehr als 300 Stimmen.

Brighter Wounds

2018 erschien „Brighter Wounds“ bei City Slang. Das Album entstand in einer Zeit einschneidender persönlicher Erfahrungen für Ryan Lott, darunter Verlust und die Geburt seines ersten Kindes. Dadurch rückten existenzielle Themen stärker in den Mittelpunkt.

Musikalisch arbeitete das Trio weiterhin mit einem großen Klangvokabular. Neben elektronischen Produktionen und der Kernbesetzung waren unter anderem das Kammerensemble yMusic und Trompeter Dave Douglas beteiligt. Die Songs konnten intime Passagen unmittelbar neben massiven rhythmischen oder orchestralen Verdichtungen platzieren.

Die Beschäftigung mit vorhandenem Material setzte sich anschließend fort. „Yesterday’s Wake“ interpretierte Motive aus „Brighter Wounds“ neu, während „Labor“ 2019 instrumentale und alternative Fassungen versammelte. Mit „Remnants“ folgte im selben Jahr eine Sammlung von Raritäten und unveröffentlichten Aufnahmen aus den Jahren 2008 bis 2017.

Tomorrows I–III

Mit der Albumtrilogie „Tomorrows“ veröffentlichten Son Lux zwischen August 2020 und April 2021 ihr bis dahin umfangreichstes Projekt. Geprägt von Pandemie, politischen Protesten und gesellschaftlichen Umbrüchen kreisen die drei Alben um Veränderung und Unsicherheit. Musikalisch verbinden Ryan Lott, Rafiq Bhatia und Ian Chang elektronische Produktion, verfremdete Stimmen, akustische Instrumente und komplexe Rhythmen zu einem offenen, experimentellen Sound.

Kurz darauf gelang Son Lux mit der Filmmusik zu „Everything Everywhere All at Once“ der internationale Durchbruch. Der Score brachte dem Trio 2023 eine Oscar-Nominierung ein, ebenso wurde der gemeinsam mit David Byrne und Mitski geschriebene Song „This Is a Life“ nominiert.

Alternate Forms

2023 kehrten Son Lux zu einem Album zurück, das gleichzeitig einen Blick auf die eigene Vergangenheit warf. „Alternate Forms“ nahm das zehn Jahre zuvor erschienene „Lanterns“ als Ausgangspunkt und interpretierte dessen Stücke neu. Für jeden Song holte sich die Band mindestens einen Gast ins Studio, darunter Kishi Bashi, Sound of Ceres und A. N. B. Savage.

Die Idee passt zu einer Band, die ihre Aufnahmen selten als endgültige Fassungen versteht. Remixe, alternative Arrangements und vollständig neu konstruierte Versionen begleiten Son Lux praktisch seit Beginn ihrer Karriere. Ein veröffentlichter Song kann zum Material für einen weiteren Song werden.

Parallel wuchs die Bedeutung von Filmmusik. Ryan Lott komponierte unter anderem für „The Greatest Hits“, während Son Lux gemeinsam den Score zum Marvel-Film „Thunderbolts*“ übernahmen, der 2025 erschien. Die Arbeit für das Kino führte damit in eine völlig andere Größenordnung, ohne dass das Trio seine eigenen Veröffentlichungen aufgab.

Out Into

Am 18. September 2026 erscheint mit „Out Into“ das neunte Studioalbum von Son Lux. Ryan Lott, Rafiq Bhatia und Ian Chang nahmen die Stücke über einen Zeitraum von rund zwei Jahren in mehreren Phasen auf, jeweils während Pausen zwischen ihren Filmprojekten. Nach der detaillierten Arbeit an Soundtracks wie „Everything Everywhere All at Once“ und „Thunderbolts*“ suchte das Trio bewusst nach einer unmittelbareren Arbeitsweise.

Fast zwei Jahrzehnte nach „At War with Walls & Mazes“ ist aus Ryan Lotts Studioprojekt damit eine Band geworden, deren Mitglieder parallel eigene musikalische Sprachen entwickelt haben. Rafiq Bhatia arbeitet als Solokünstler und Komponist, Ian Chang veröffentlicht eigene Musik und komponiert ebenfalls für Film, während Lott seine Arbeit für Kino, Tanz und Games fortsetzt.

Wenn die drei als Son Lux zusammenkommen, bleibt jedoch eine Idee konstant: Musik ist für sie kein festes Gebilde. Songs können zerlegt, neu zusammengesetzt, orchestriert, elektronisch verfremdet und Jahre später noch einmal vollständig umgebaut werden.