Madonna kehrt fulminant und frei auf den Dancefloor zurück. Mehr als nur eine Fortsetzung ihres Erfolgsalbums “Confessions On A Dance Floor”2005, ist “Confessions II” eine Fortschreibung sowie Feier ihres eigenen Mythos und der ganzen Clubkultur als Manifest – und so ganz nebenbei auch ihr bestes Werk seit zwei Dekaden. It’s A Celebration!
Der neue Titel “Confessions II” ist von Madonna eine bewusst gesetzte Referenz an die eigene Vergangenheit, als sie im New York der Achtziger als Tänzerin begann und sozialisiert mit Hip-Hop, Disco und Punk in schummrigen Clubs unter anderem Schlagzeug spielte und Post-Punk sowie New Wave hörte. Das Album ist ein Manifest, das Madonna so formuliert: “Wir müssen tanzen, feiern und mit unseren Körpern beten”.
“Confessions II” ist also diesmal keine radikale Neuerfindung wie auf ihrem letzten Album aus dem Jahr 2019 “Madame X” – Konzept und Kunstfigur inklusive, wo sie zu vielen damals hippen Trends wie Trap und Latin hinterher hechelt. Nun erscheint ihre Einbindung von nostalgischer Old-School-Dance-Musik einfach organisch wie orgiastisch.
Perfekt passt dazu die erste befreiende und berauschende Single „I Feel So Free“: Ein Track, der stilistisch deutlich an den Sound des 2005er Albums anknüpft. Pulsierende Four-to-the-Floor-Beats, flächige Synthesizer, ein Sample von Chicago-House-Pionier Lil Louis plus ein deutlicher Verweis auf Donna Summers Disco-Klassiker „I Feel Love“ sowie Anleihen aus dem Acid House prägen den Song. Die Nähe zum Original ist dabei offensichtlich und gewollt.
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Mit „Bring Your Love“ im Duett mit Sabrina Carpenter und mit Stuart Price produziert, der bereits für den charakteristischen Sound von „Confessions On A Dance Floor“ verantwortlich war, schafft Madonna dann den Schritt in die Gegenwart und erschafft einen Song als generationsübergreifendes Club-Statement.
Erstmals präsentiert wurde der Track bei einem gemeinsamen Überraschungsauftritt der beiden Künstlerinnen beim Coachella-Festival. Und s ist nicht zum ersten Mal, dass “Mother” (wie ihre – vor allem queeren – Fans) sie nennen, mit einer neuen Generation Popstars zusammenarbeitet, um deren junge Fans zu erobern. Legendär ist der Kuss mit Britney Spears bei den MTV Music Awards 2003.
Textlich setzt „Bring Your Love“, das eine charmante “Good Life”-Referenz von Inner City enthält, auf Durchhalteparolen und Selbstbehauptung. Zeilen wie „Cause you cannot shake me“ oder „Cause you’ll never break me“ greifen Motive auf, die sich durch Madonnas Werk ziehen: Resilienz, Unabhängigkeit, Selbstinszenierung als starke Figur im Scheinwerferlicht.
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“Als Stuart Price und ich anfingen, an dieser Platte zu arbeiten, war dies unser Manifest: Wir müssen tanzen, feiern und mit unseren Körpern beten. Das sind Dinge, die wir seit Jahrtausenden tun – es sind wahrhaft spirituelle Praktiken. Schließlich ist die Tanzfläche ein ritueller Raum. Es ist ein Ort, an dem man sich verbindet – mit seinen Wunden, mit seiner Zerbrechlichkeit. Zu raven ist eine Kunst. Es geht darum, seine Grenzen auszutesten und sich mit einer Gemeinschaft Gleichgesinnter zu verbinden. Klang, Licht und Vibration ordnen unsere Wahrnehmung neu und ziehen uns in einen tranceartigen Zustand. Die Wiederholung des Basses hören wir nicht nur, wir fühlen sie. Sie verändert unser Bewusstsein und löst Ego und Zeit auf.” (Madonna)
“Confessions II” wurde von Madonnas Celebration-Tour von 2023 inspiriert, wo sie unzählige Hits zelebrierte und eine Art Vergangenheitsbewältigung betrieb ohne an Abschied zu denken.
16 neue Songs voller Referenzen ans eigene Werk und Genres rund um den Dancefloor machen Madonnas 15. Album zu einer Discokugelrunden Feier mit ausgeklügelter Playlist: Wir hören UK Garage, EDM, spanische Gitarren und Chicago House, Eighties-Vibes und Vogue-Toch – oder aber eine überraschende wie übersinnliche Spoken-Word-Einlage des belgischen Rappers Stromae sowie zugleich eine Interpolation aus Erik Saties “Gnossienne Nr. 1” in dem Song “Betrayal” – co-produziert von Mirwais, der auch an Madonnas 2000er-Album “Music” beteiligt war.
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“Confessions II” ist darüber hinaus ein ausgestreckter Mittelfinger in Richtung derjenigen, die ihr empfehlen in ihrem Alter doch lieber “authentische Akustiksongs” zu veröffentlichen. Die hier oft verwendete Phrase „In Würde altern“, kontert Indie-Pop-Ikone Christiane Rösinger mit „Jugendliche sind ja auch nicht in Würde jung”. Folgt man ihren schlauen Worten in ihrem Buch „The Joy Of Ageing“ ist Altsein eine Form von Freiheit – diese muss man sich jedoch nehmen als nun „Senager“, einer Mischung aus Seniorin und Teenager. Madonna ist solch ein Senager und die Freiheit nimmt sie sich sowieso, indem sie die Gemeinschaft im Dancefloor sucht – in diesem Sinn: “I Feel So Free”.
Rückblick: „Confessions on a Dance Floor“: Madonnas kalkulierte Rückkehr in den Club
Das Originalalbum „Confessions on a Dance Floor“ markierte 2005 einen künstlerischen Höhepunkt in Madonnas Karriere. Mit Songs wie „Hung Up“, „Sorry“, „Get Together“ und „Jump“ setzte sie konsequent auf einen cluborientierten Sound. Die Tracks gingen nahezu nahtlos ineinander über, das Album war wie ein DJ-Set konzipiert und arbeitete mit deutlichen Referenzen an Disco- und Elektropop-Größen. Gleichzeitig war es ein kommerzieller Erfolg und festigte ihren Status als wandelbare Popikone.
„Confessions II“ knüpft nun programmatisch an dieses Kapitel an. Die erneute Zusammenarbeit mit Stuart Price unterstreicht den Anspruch, ästhetisch an die damalige Phase anzuschließen. Ob dies als künstlerische Fortschreibung oder als kalkulierte Nostalgie gelesen werden kann, dürfte sich erst mit Veröffentlichung des Albums entscheiden.
Als Madonna im November 2005 „Confessions on a Dance Floor“ veröffentlichte, war sie 46 Jahre alt. Ihr Status als Pop-Ikone war unbestritten, doch künstlerisch befand sie sich in einer Phase der Neuorientierung. Das Vorgängeralbum „American Life“ war nach den Erfolgen von “Ray Of Light” und “Music” sperriger geraten. Keine der Singles wollte so richtig zünden. Mit „Confessions on a Dance Floor“ vollzog sie eine klare, fast radikale Kehrtwende: zurück auf den Dancefloor.

Gleich die erste Single „Hung Up“ wurde zum Dauerbrenner auf dem Dancefloor und gehört bis heute zu einem der populärsten Madonna-Songs. Das markante Sample aus ABBAs „Gimme! Gimme! Gimme!“ verband die Euphorie der Siebziger mit zeitgenössischer Clubproduktion. Auch „Sorry“, „Get Together“ und „Jump“ unterstrichen die konsequente Ausrichtung auf tanzbare Strukturen und klare Hooklines.
Das Album war als durchgehender Mix konzipiert, ohne Pausen zwischen den Tracks. Diese Struktur orientierte sich stärker an DJ-Sets als an klassischen Pop-Alben. Produzent Stuart Price spielte dabei eine zentrale Rolle. Gemeinsam entwickelten sie einen Sound, der Disco, Eurodance, House und Elektropop zitierte, ohne wie eine reine Retro-Übung zu wirken.
Stilistisch war das Album eine bewusste Rückbesinnung auf die Geschichte der Disco und elektronischen Tanzmusik. Referenzen an Donna Summer, die Bee Gees oder Pet Shop Boys waren ebenso präsent wie Anklänge an Madonnas eigenes Werk der Achtziger. Gleichzeitig vermied sie den Eindruck einer bloßen Selbstzitation und erfand sich einmal mehr neu.
„Confessions on a Dance Floor“ steht heute als eines der geschlossensten Werke in Madonnas Diskografie da, für viele Fans ist es das letzte durchgängig gelungene Madonna-Album.
Tracklist “Confessions On A Dancefloor” (2005)
- Hung Up
- Get Together
- Sorry
- Future Lovers
- I Love New York
- Let It Will Be
- Forbidden Love
- Jump
- How High
- Isaac
- Push
- Like It or Not
