Miserable Monday: Playlist von Charity Children

Die Playlist für den Wochenstart. Heute mit Musik von Andy Shauf, 10cc und Amy Winehouse.

Pic by Caroline Mackintosh

Charity Children ist die Band um die beiden neuseeländischen Musiker:innen Chloë Lewer und Elliott McKee. Begonnen haben sie 2011, damals noch als Paar, als Straßenkunst-Projekt in Berlin. Schnell entwickelten sie sich zu einem ernst zu nehmenden Pop-Duo, tourten durch Europa und zogen in den kälteren Monaten von der Straße ins Studio. Zwischen 2016 und 2019 war dann aber erst mal Schluss – in vielerlei Hinsicht. Die beiden beendeten ihre romantische Beziehung, ließen die Band ruhen und nahmen sich Zeit um Freunde zu werden und schließlich wieder musikalisch zusammenarbeiten zu können.

Fünf Jahre nach ihrem letzten Album „Fabel“ erscheint nun am 08.10. ihr drittes Album „Almost Young“. Ungeachtet dessen, was man vielleicht denken mag, handelt dieses Comeback-Album von Chloës und Elliotts Problemen in und aus anderen Beziehungen, Ratschlägen an Freunde (die sie gerne sich selbst geben würden) und Elliots Trauer um seine verlorene Mutter. Die 14 Songs zeugen von einem tiefen menschlichen und musikalischen Vertrauen, was sich die beiden über die Jahre aufgebaut haben. 

„Wir machen gerne Alben, die das Spektrum unserer Erfahrungen widerspiegeln, und wir sind sicherlich keine Menschen, die durch eine Stimmung definiert sind. Niemand ist das. Almost Young begrüßt die Bipolarität seiner Existenz.“

Vielseitigkeit steht definitiv im Mittelpunkt. Mal erinnert der Vintage-Sound vieler Stücke an das Swinging London oder Bowies Hunky Dory Phase mal an das Exaltierte der Flaming Lips. Und dann sind da immer wieder wunderschön-herzreißende Stücke, die sich vor allem um Chloës Vocals drehen. 

„Almost Young“ ist farbenfroher Pop mit viel Pathos und Leidenschaft. Für Fans von Mac DeMarco, Andy Shauf, Vampire Weekend, Whitney, Cigarettes After Sex, The Band, Peter Ivers und The Beatles.

Charity Children - Baby Blue (Official Video)

DIE PLAYLIST

Tobias Jesso Jr – Without You

Tobias Jesso Jr. hatte einen großen Einfluss auf unser neues Album ‚Almost Young‘. Wir denken, dass er einer der besten Songwriter unserer Zeit ist. Seine Songs bestehen hauptsächlich aus ihm und einem Klavier, und man wünscht sich wirklich nichts anderes als das. Seine Texte sind einfach und kommen direkt auf den Punkt.

„I can hardly breathe, without you.

There is no future I want to see, without you.

I just don’t know who is be, without you.

But there is nothing out there for me, without you.“

Matt Maltese – When You Wash Your Hair

Wir lernten die Musik von Matt Maltese kennen, nachdem er mit einigen Freunden von uns gearbeitet hatte. Leider hatten wir noch nicht das Vergnügen, ihn zu treffen. Wir halten ihn für absolut brillant, gleichermaßen witzig und tragisch. Dies ist ein einfaches Lied mit nur seiner Stimme und einem schön gespielten Klavier. Hört es in der Badewanne, zündet eine Kerze an und weint euch aus. Denn das müssen wir alle manchmal tun. Es fühlt sich an wie eine Reflexion über jemanden, den er liebt und der ein selbstzerstörerischer Eskapist ist. Wir können uns mit beiden Seiten dieser Geschichte identifizieren. Es gibt eine Live-Version dieses Songs im Internet, die einfach umwerfend ist.

„You did some things that you forgot-

Drinking wine and smoking pot.

You tried to be someone you are not.

And now the morning sweeps you up,

you take your evening outfit off,

you run your bath and lean back your head.

But I love, when you wash your hair.“

Andy Shauf – Early To The Party

Andy Shauf hatte einen großen Einfluss auf den Sound und die Produktion von „Almost Young“. Seine Stimme allein reicht aus, um dein Herz zum Platzen zu bringen. Wir haben ihn vor ein paar Jahren in Berlin live spielen sehen – er erzählte dem Publikum, wie gut es sich anfühlt, etwas abzusagen und ab und zu „Nein“ zu sagen. Er ist ein witziger Typ mit einem dunklen Sinn für Humor und einer gewichtigen, geheimnisvollen Präsenz.

„What happened to manners

I guess he’s had a few

He’s talking shit

He never thinks of you

So bite your lip and watch him walk off with his friends

Leaving you all alone once again“

Elliott Smith – Needle In The Hay

Ich meine, die Szene in ‚The Royal Tenebaums’… müssen wir mehr sagen? Elliott Smith hat eine tragische persönliche Geschichte. Man kann seine rohe Gebrochenheit in jeder Silbe, jedem Atemzug hören. Dieser Song fesselt uns jedes Mal.

„I can’t beat myself

I can’t beat myself

And I don’t want to talk

I’m taking the cure so I can be quiet“

John Lennon – Jealous Guy

Es lässt sich nicht leugnen, welch großen Einfluss John Lennon und die Beatles auf uns (und alle anderen) ausgeübt haben. Ein zeitloses Genie, das weit vor seiner Zeit gegangen ist und für immer in unseren Herzen zittert.

„I was feeling insecure

You might not love me anymore

I was shivering inside

I was shivering inside

Oh, I didn’t mean to hurt you

I’m sorry that I made you cry

Oh no, I didn’t want to hurt you

I’m just a jealous guy“

Soko – First Love Never Dies 

Soko, I mean, who doesn’t have a crush on Soko? The structure of this song is brilliant, the change from the verse to chorus twists the dagger in your chest. Her voice, her honesty, so vulnerable and almost spoken.

„We never really said goodbye

We never really said it’s over

We never really said goodbye

First love never dies“

Amy Winehouse – Wake Up Alone

Unser Hund ist nach ihr benannt. Wenn wir früher auf der Straße spielten, sangen wir eine (offensichtlich schlechtere) Coverversion eines ihrer Lieder. Eines Tages vor langer Zeit erfuhren wir von einem Zuhörer, dass sie gestorben war, nachdem wir ihr Lied zu Ende gespielt hatten. Was für eine Stimme, was für ein Talent. Was für eine Katastrophe.  

Daniel Johnston – True Love Will Find You In The End

Ich erinnere mich, dass Elliott, kurz nachdem wir uns 2016 getrennt hatten, für eine Weile nach Neuseeland zurückkehrte und ich auf der Straße einen Straßenmusiker hörte, der dieses Lied spielte. Ich hatte es natürlich schon vorher gehört, wir waren damals beide große Fans von Daniel Johnston. Aber jedes Mal, wenn ich dieses Lied höre, muss ich an einen betrunkenen Straßenmusikanten denken (der wirklich verdammt gut war), der es nur für mich in einem Berliner U-Bahn-Tunnel sang, während ich zusah und weinte. Ein erbärmlicher Anblick.

Leonard Cohen – So Long, Marianne

Textlich würde Chloë sagen, dass Leonard Cohen ihr größter Wortheld ist. Der Name unserer neuen Platte „Almost Young“ ist diesem Song entnommen. Es passte irgendwie zu uns, die wir dieses Projekt als Liebende mit Anfang 20 begonnen haben und zusammen aufgewachsen sind, aber das Neverland nie wirklich verlassen haben.

„We met when we were almost young

Deep in the green lilac park

You held on to me like I was a crucifix

As we went kneeling through the dark“

10cc – I’m Not In Love

Die Produktion dieses Songs ist unglaublich – sie besteht hauptsächlich aus überlagerten Vocals und Harmonien, mit denen wir auf Band herumgespielt haben. Wir haben viel altes analoges Equipment auf unserer Platte verwendet und das Outro unseres Songs „Love Your Soul Right“ (der auf „Almost Young“ zu hören sein wird) ist von diesem Song inspiriert. Der Songschreiber spricht über das Thema „Ich liebe dich zu sehr“, und dass es seine Bedeutung verliert, wenn man das tut. Es wurde für seine Frau geschrieben.

„I like to see you

But then again

That doesn’t mean you mean that much to me

So if I call you

Don’t make a fuss

Don’t tell your friends about the two of us“

nv-author-image

Martin Hommel

Martin ist 32, lebt in Leipzig und ist Radiomacher und Musikliebhaber. Für den Tonspion schreibt er die wöchentliche Kolumne "Miserable Monday".