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R.I.P. William Orbit: Der Produzent von Madonna und All Saints stirbt mit 69 Jahren

William Orbit gehörte zu den Produzenten, die ausgefeilte elektronische Musik in den Pop der Neunzigerjahre brachten. Seine größte Bekanntheit verdankte der britische Musiker und Produzent Madonnas Album „Ray of Light“, doch seine Arbeit reicht deutlich weiter.

Wie seine Familie und Freunde über seine Social-Media-Kanäle mitteilten, starb Orbit bereits am 23. Juli 2026 zu Hause. Eine Todesursache wurde nicht genannt.

Geboren wurde William Orbit 1956 als William Wainwright. Er wuchs als Sohn zweier Lehrer im Norden Londons auf, verließ mit 16 Jahren die Schule und lebte zeitweise in einem besetzten Haus. Sein Weg in die Musikindustrie verlief entsprechend wenig geradlinig. Anfang der Achtzigerjahre gründete er gemeinsam mit Laurie Mayer und Grant Gilbert das elektronische Projekt Torch Song. Die Gruppe veröffentlichte zwischen 1984 und 1987 drei Alben und kehrte 1995 noch einmal mit einem weiteren Album zurück.

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Parallel dazu baute Orbit sein eigenes Studio auf und beschäftigte sich intensiv mit den Möglichkeiten elektronischer und analoger Studiotechnik. Er schrieb Musik für den Film „Youngblood“ mit Rob Lowe und Patrick Swayze und machte sich zunehmend als Remixer einen Namen. Zu seinen Auftraggebern gehörte schon früh Madonna. Orbit bearbeitete Anfang der Neunzigerjahre unter anderem ihre Singles „Justify My Love“ und „Erotica“.

Mit Bassomatic hatte er zudem ein weiteres Projekt, das elektronische Clubmusik mit den damals aktuellen britischen Dance-Strömungen verband. „Fascinating Rhythm“ schaffte es 1990 in die britischen Top 10. Unter seinem eigenen Namen veröffentlichte Orbit bereits seit 1987 Musik. Besonders die „Strange Cargo“-Reihe etablierte ihn als eigenständigen Künstler. Auf „Strange Cargo III“, einem seiner besten und zeitlosesten Alben von 1993 war die damals noch weitgehend unbekannte Beth Orton zu hören. Orbit produzierte im selben Jahr auch ihr Debütalbum „Superpinkymandy“.

„Ray of Light“ macht William Orbit zum Popstar hinter den Kulissen

Der entscheidende Schritt kam in der zweiten Hälfte der Neunzigerjahre. Madonna suchte nach einer neuen musikalischen Richtung und bekam über ihr Management Musik von Orbit zugespielt. Die Zusammenarbeit führte 1998 zu „Ray of Light“.

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Das Album verband Pop-Songwriting mit Techno, Trip-Hop, Ambient, Breakbeats und psychedelischen Gitarren. Orbit arbeitete mit Klängen, die im Mainstream-Pop jener Zeit keineswegs selbstverständlich waren. Songs wie „Frozen“, „The Power of Good-Bye“ und vor allem der Titelsong machten diese Ästhetik einem Millionenpublikum zugänglich.

Für Madonna bedeutete das Album eine weitere Neuerfindung ihrer Karriere. Für Orbit war es der internationale Durchbruch als Produzent. „Ray of Light“ verkaufte sich weltweit millionenfach und brachte Madonna bei den Grammy Awards 1999 drei Auszeichnungen ein. Das Album gilt bis heute als eines ihrer wichtigsten Werke.

Die Zusammenarbeit blieb anschließend bestehen, wenn auch in kleinerem Umfang. Orbit produzierte „Beautiful Stranger“ für den Soundtrack von „Austin Powers: The Spy Who Shagged Me“ sowie Madonnas Version von Don McLeans „American Pie“. Auf dem Album „Music“ von 2000 war er an drei Songs beteiligt. 2012 kehrte er für „MDNA“ zurück und co-produzierte sechs Stücke.

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Noch 2026 sprach Orbit öffentlich über seine Verbindung zu Madonna und erklärte, dass sie seine Karriere erst ermöglicht habe. Gerüchte über ein mögliches zweites „Ray of Light“ wies er allerdings zurück.

Blur, All Saints und der Pop um die Jahrtausendwende

1999 erschien mit Blurs „13“ ein weiteres Album, das Orbits Stellung als ungewöhnlicher Pop-Produzent festigte. Die Band hatte ihre langjährige Zusammenarbeit mit Stephen Street beendet und suchte nach neuen Möglichkeiten. Orbit hatte zuvor bereits Blur-Stücke remixt.

„13“ wurde zu einem der experimentellsten Alben der Band. Elektronische Bearbeitungen trafen auf Gitarren, Gospel, Lo-Fi-Sounds und lange instrumentale Passagen. Gleichzeitig enthielt das Album mit „Tender“ und „Coffee & TV“ zwei der bekanntesten Blur-Singles dieser Phase. Damon Albarn bezeichnete Orbits Funktion bei den Aufnahmen später sogar als die eines Psychiaters.

Noch stärker in den klassischen Pop führte ihn die Zusammenarbeit mit All Saints. Orbit produzierte „Pure Shores“ und „Black Coffee“, die beide Platz eins der britischen Charts erreichten. Besonders „Pure Shores“, geschrieben für den Film „The Beach“, wurde zu einem der charakteristischen Popsongs des Jahres 2000. Gitarren, elektronische Flächen und ein federnder Beat verbanden sich mit den Stimmen der Gruppe zu einem Sound, der unmittelbar als Orbit-Produktion erkennbar war.

Für Pink arbeitete er gemeinsam mit Beck an „Feel Good Time“, das 2003 auf dem Soundtrack von „Charlie’s Angels: Full Throttle“ erschien. Für U2 produzierte Orbit die neuen Songs „Electrical Storm“ und „The Hands That Built America“ für die Compilation „The Best of 1990–2000“. Letzterer wurde für Martin Scorseses Film „Gangs of New York“ verwendet.

Zu den weiteren Künstlerinnen und Künstlern, mit denen Orbit im Lauf seiner Karriere arbeitete, zählen Britney Spears, Melanie C, Robbie Williams, No Doubt, Chris Brown und Nadine Coyle. Eines seiner wenigen vollständigen Albumprojekte für einen anderen Pop-Act nach der Hochphase um die Jahrtausendwende war Katie Meluas „The House“ aus dem Jahr 2010.

2014 produzierte Orbit außerdem eine musikalische Kuriosität, auf deren Veröffentlichung Fans jahrzehntelang gewartet hatten: „There Must Be More to Life Than This“, ein ursprünglich Anfang der Achtzigerjahre aufgenommenes Duett von Freddie Mercury und Michael Jackson.

William Orbit als Solokünstler

Bei aller Aufmerksamkeit für seine Produktionen blieb Orbit während seiner gesamten Karriere auch Solokünstler. Seine eigene Musik bewegte sich durch Ambient, Electronica, Dance und experimentelle Popmusik.

Besonders erfolgreich wurde „Pieces in a Modern Style“. Das Album bestand aus elektronischen Interpretationen klassischer Kompositionen. Seine Bearbeitung von Samuel Barbers „Adagio for Strings“ entwickelte sich, unterstützt durch einen Trance-Remix von Ferry Corsten, zu einem britischen Top-5-Hit. Damit wurde Orbit auch unter eigenem Namen einem Publikum bekannt, das seine Arbeit zuvor vor allem über Madonna und andere Popstars gehört hatte.

Die Idee elektronisch bearbeiteter Klassik griff er 2010 mit „Pieces in a Modern Style 2“ erneut auf. Daneben setzte er seine „Strange Cargo“-Reihe fort und veröffentlichte weitere Soloarbeiten. Sein letztes im vorliegenden Nachruf genanntes Studioalbum ist „The Painter“ aus dem Jahr 2022.

William Orbit: Diskografie der Soloalben

Die folgende Diskografie konzentriert sich auf Veröffentlichungen unter William Orbits eigenem Namen und lässt seine Alben mit Torch Song, Bassomatic sowie Produktionen für andere Künstlerinnen und Künstler außen vor.

  • Orbit (1987)
  • Strange Cargo (1987)
  • Strange Cargo 2 (1990)
  • Strange Cargo III (1993)
  • Strange Cargo Hinterland (1995)
  • Pieces in a Modern Style (2000)
  • Hello Waveforms (2006)
  • My Oracle Lives Uptown (2009)
  • Pieces in a Modern Style 2 (2010)
  • Strange Cargo 5 (2014)
  • The Painter (2022)