In Hollywood formiert sich einer der bislang sichtbarsten Widerstände gegen den ungefragten Einsatz generativer KI. Unterstützt wird die Kampagne von mehr als 700 prominenten Kreativen aus Film, Musik, Literatur und Fernsehen, darunter Scarlett Johansson, Cate Blanchett und Joseph Gordon-Levitt.
Wie The Hollywood Reporter berichtet, startet die Human Artistry Campaign in dieser Woche ihre groß angelegte Initiative mit dem Slogan „Stealing Isn’t Innovation“.

Im Zentrum der Aktion steht der Vorwurf, große Tech-Unternehmen hätten ihre KI-Modelle massenhaft mit urheberrechtlich geschützten Werken trainiert, ohne die ausdrückliche Zustimmung der Urheberinnen und Urheber einzuholen oder diese zu vergüten. Die Kampagne fordert verbindliche Lizenzmodelle sowie klare Opt-out-Mechanismen, mit denen Kreative ihre Werke aus KI-Trainingsdaten ausschließen können.
Breite Unterstützung aus Film, Musik und Literatur
Auch aus der Musikszene kommt breite Unterstützung: Cyndi Lauper, LeAnn Rimes, Martina McBride und Questlove stehen ebenso hinter der Kampagne wie Bands und Acts wie R.E.M., MGMT, OneRepublic und OK Go. Aus dem Literaturbetrieb beteiligen sich unter anderem George Saunders, Jodi Picoult, Roxane Gay und Jonathan Franzen.
Alle Anzeigen dauerhaft ausblenden
___STEADY_PAYWALL___
Die Human Artistry Campaign selbst ist ein Zusammenschluss verschiedener Gewerkschaften, Künstlerrechtsorganisationen und Branchenverbände. Dazu gehören unter anderem die Writers Guild of America, SAG-AFTRA, die Recording Industry Association of America, The NewsGuild sowie die NFL Players Association. Ziel ist es, mit gebündelter Stimme politischen und öffentlichen Druck auf Tech-Konzerne auszuüben.
„Das ist Diebstahl in großem Stil“
Die Wortwahl der Kampagne ist bewusst deutlich. In einem der zentralen Statements heißt es, Big Tech versuche, Gesetze zu verändern, um „’amerikanische’ Kreativität zu stehlen“, um damit KI-Geschäftsmodelle aufzubauen, ohne Genehmigung und ohne Bezahlung derjenigen, die diese Werke geschaffen haben. Das sei falsch, “unamerikanisch” und komme einem Diebstahl im großen Stil gleich. Dass selbst diese Kampagne nationalistisch daher kommt, die ja eigentlich die ganze Welt betrifft, zeigt, dass das Problem nicht nur Trump ist, sondern die gesamte Gesellschaft und ihr maßlos überhöhtes Selbstverständnis.
Lizenzdeals bleiben die Ausnahme
Tatsächlich sind offizielle Lizenzvereinbarungen bislang rar. Wie The Hollywood Reporter weiter ausführt, gehört Disney zu den wenigen großen Hollywood-Studios, die einen solchen Schritt gewagt haben. Im Dezember schloss der Konzern einen auf drei Jahre angelegten Deal mit OpenAI, um ausgewählte ikonische Disney-Figuren für das Videogenerierungs-Tool Sora zu lizenzieren, was von Disney-Fans mit Entsetzen aufgenommen wurde.
Für zusätzliche Unruhe sorgte allerdings OpenAI selbst. Kurz nach der Veröffentlichung von Sora 2.0 tauchten in generierten Videos Figuren und Marken aus Formaten wie Bob’s Burgers, Pokémon, Grand Theft Auto und SpongeBob SquarePants auf. Zunächst hieß es seitens des Unternehmens, Rechteinhaber könnten sich melden, um ihre Inhalte aus dem System entfernen zu lassen. Wenige Tage später ruderte OpenAI zurück und relativierte diese Position, was in der Branche erneut für Misstrauen sorgte.
Signalwirkung über Hollywood hinaus
Die Kampagne „Stealing Isn’t Innovation“ markiert einen weiteren Eskalationspunkt im Konflikt zwischen Kreativwirtschaft und KI-Industrie. Anders als frühere, eher fragmentierte Proteste tritt nun ein breites Bündnis auf, das Film, Musik, Literatur und Journalismus gleichermaßen umfasst. Dass parallel zur Kampagnenankündigung auch eine Anzeige in der New York Times geschaltet wurde, unterstreicht den Anspruch, die Debatte aus Fachkreisen heraus in die breite Öffentlichkeit zu tragen.
Dass sich daraus konkrete politische oder rechtliche Konsequenzen ergeben, ist in der aktuellen politischen Lage in den USA sehr unwahrscheinlich, schließlich dominieren die KI-Konzerne gerade die US-Wirtschaft und die Börse. Ihre Macht scheint deshalb derzeit unbegrenzt, solange ihnen keine klaren Grenzen gesteckt wird.
Klar ist jedoch, dass der öffentliche Druck auf Tech-Unternehmen massiv wächst. Die Forderung nach Transparenz, fairer Vergütung und der Möglichkeit, sich der KI-Verwertung zu entziehen, dürfte die Diskussion um generative KI in den kommenden Monaten weiter prägen. Für Hollywood und die angeschlossenen Kreativbranchen ist die Kampagne ein Signal, dass man den Kampf um die Kontrolle über das eigene geistige Eigentum nicht kampflos aufgeben will. Diese Kampagne wird nur der Anfang eines wahrscheinlich lange und mit harten Bandagen geführten Kampfs um die Rechte von Kreativen.
Alle Anzeigen dauerhaft ausblenden