Metallica spielen am Samstagabend vor rund 95.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion. Das ist ein neuer Besucherrekord. Möglich macht es eine riesige 360 Grad Bühne in der Mitte. So können im Stadion deutlich mehr Plätze verkauft werden. Liest sich erstmal gut, ist ja auch ein Rekord. Im Stadion zeigt sich allerdings schnell, dass Größe nicht automatisch für Intensität sorgt. Aber der Reihe nach.

Den Abend eröffnen die beiden Bands Knocked Loose und Gojira, bevor Metallica kurz nach 20 Uhr die Bühne betreten. Nach AC/DCs „It’s A Long Way To The Top (If You Wanna Rock ’n’ Roll)“ ertönt das traditionelle Intro „The Ecstasy Of Gold“ von Ennio Morricone. Jeder weiß: jetzt geht es los. Wenige Augenblicke später stehen James Hetfield, Lars Ulrich, Kirk Hammett und Robert Trujillo auf der Bühne und steigen mit „Creeping Death“ ohne Umschweife wuchtig in den Abend ein.

Das alles wirkt zunächst ziemlich beeindruckend. Die große Bühne, mitten im Stadion, umgeben von hohen Türmen für Licht, Video und Sound. Doch je länger der Abend dauert, desto deutlicher werden die Schwächen dieses Konzepts. Die Band ist oft nur als kleiner Punkt in der Ferne zu erkennen. Wer nicht im Innenraum oder direkt im Snake Pit, dem exklusiven Innenkreis der Bühne, steht, verbringt einen großen Teil des Konzerts damit, mit starrem Nacken auf die Leinwände zu schauen.
Dazu kommt ein weiterer Wermutstropfen: ein Sound, der nicht durchgehend überzeugt. Über weite Strecken fehlt der Druck. So schallt der Klang oft mäandernd durch das weite Rund des Olympiastadions, Gitarren und Gesang verlieren dabei hörbar an Klarheit. Besonders bei schnelleren Songs verschwimmen einzelne Elemente miteinander. Die Energie der Songs kommt so nicht überall an.
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Zur Wahrheit gehört aber auch, dass das Publikum die Band ordentlich abfeiert. Dadurch spürbar angespornt, liefern Metallica eine routiniert starke Show – also das, was von ihnen erwartet wird. Spielfreude trifft an diesem Abend auf eine Setlist, die große Teile der Bandgeschichte abdeckt und geschickt Klassiker mit jüngeren Songs mixt. Bei „The Memory Remains“ übernimmt das Publikum früh die Hauptrolle. Später verwandelt „Nothing Else Matters“ das Stadion in ein Meer aus Handylichtern. Momente, die ganz unabhängig davon funktionieren, wo man sitzt, steht und wie gut oder schlecht da die Akustik ist.
Für einen der merkwürdigsten Momente des Abends sorgen Robert Trujillo und Kirk Hammett mit ihrem traditionellen Städtecover. Wie schon beim letzten Berlin-Konzert greifen sie erneut zu Rammsteins „Sonne“. Während ein Teil des Publikums die Einlage begeistert feiert, reagieren andere deutlich reservierter. Das Cover wirkt musikalisch dann auch erstaunlich unbeholfen und holprig. Hätte man einfach weglassen, oder durch ein anderes Stück ersetzen können. Metallica covern Ideal hätte da sicher für mehr Lametta gesorgt.

Die Stimmung ist schnell wieder hergestellt, als nach dem Covermurks ’The Day That Never Comes‘ durch die Boxen drückt. Bis hierhin gibt es bei den eigenen Stücken keinen spürbaren Durchhänger. Die Dramaturgie funktioniert, das Publikum trägt die Show und feiert seine Hymnen. Was aber interessanterweise bis ins letzte Drittel fehlt, ist dieser eine Moment, an dem das gesamte Stadion komplett explodiert.
Das ändert sich auf der Zielgeraden. Schon bei „Nothing Else Matters“ entwickelt das Konzert eine Dynamik, die sich bis zum Schluss dieses gigantischen Rocktheaters halten wird. „Sad But True“, „One“, „Seek & Destroy“, „Master Of Puppets“ und das abschließende „Enter Sandman“ sind die klar stärksten musikalischen Momente dieser Show. Die Menge singt geschlossen mit – und wenn es nur die Refrains sind, die man mit nach oben gestrecktem Bier nicht ganz so textsicher mitgrölt. Die ganz große Energie, die man sich von diesen Songs vielleicht erhofft, kommt wegen des weiterhin durchwachsenen Sounds jedoch nur bedingt überall an. Da hilft auch kein Bier nicht.

Nach dem letzten Song steigt über dem Olympiastadion das obligatorische Feuerwerk auf, das den Abend spektakulär beendet. Raketen schießen über die Türme der Rundbühne in den Berliner Nachthimmel und sorgen noch einmal für einen dieser Stadionmomente, die man trotz aller Kritik nicht vergisst. Für ein paar Minuten funktioniert das Konzept aus Größe, Pathos und Rummelspektakel perfekt.
Und so liefern Metallica in Berlin eine starke Show, die allen Rekorden zum Trotz aber nicht für jeden Platz im Stadion gleich gut funktioniert. Die Band selbst präsentiert sich in guter Form mit ordentlich Spielfreude, was die Stimmung über den gesamten Abend hinweg positiv am Laufen hält. Ein teilweise wabernder Sound verhindert hier und da, dass das Konzert für alle Fans sein volles Potenzial entfaltet. Hohe Ticketpreise liefern dann auch mitnichten das in Aussicht gestellte Konzerterlebnis, sondern erfüllen eher die Marktlogik der Gewinnmaximierung.
Eine starke Schlussphase zeigt schließlich, warum Metallica auch nach mehr als vier Jahrzehnten noch zu den größten Livebands der Welt gehören.

Hier die Setlist: Metallica – Olympiastadion Berlin
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1. Creeping Death
2. For Whom the Bell Tolls
3. Hit the Lights
4. King Nothing
5. Lux Æterna
6. Screaming Suicide
7. Kirk and Rob Doodle (inkl. „Sonne“)
8. The Day That Never Comes
9. Fuel
10. The Memory Remains
11. Nothing Else Matters
12. Sad But True
13. One
14. Seek & Destroy
15. Master of Puppets
16. Enter Sandman
