Miserable Monday: Playlist von Roxanne De Bastion

Musik für den Wochenstart. Heute mit Regina Spektor, David Bowie und Etta James.

Roxanne de Bastion, credit: Amanda Rose

Roxanne de Bastion lebt in London, ist zwischen Berlin und den West Midlands aufgewachsen und wohl eine der herausragendsten DIY-Künstlerinnen überhaupt. Über 500 gespielte Shows, Slots auf dem Glastonbury und als Support für Lambchop, die Wainwright Sisters und ihr in Folkkreisen gefeiertes Debütalbum „Heirlooms and Hearsay“ stehen auf der Habenseite. Zusammen mit Bernard Butler (Ex-Suede) entwickelt De Bastion ihren Sound nun weiter. Größer, experimentierfreudiger und gleichzeitig intimer und liebevoll verspielt klingen die zehn Songs auf ihrem neuen Album “You & Me, With Are The Same”. Soundlich mit einer Mischung aus Psychedelic, 60s Sound, Indiefolk und Synthpop wird, wie auch schon auf ihrem Debüt, alles durch ihre glasklaren und wunderschön gesetzten Vocals zusammengehalten.

Entstanden ist das Album in einer Phase, in der De Bastion ihren Vater verlor. Die Trauer und ist definitiv zu hören und dennoch gibt es genügend Momente der Euphorie, des Spaßes und des Verliebtseins auf diesem Album, denn wie De Bastion erklärt, „all diese Dinge passieren immer noch, selbst in unseren dunkelsten Zeiten.“  

Roxanne de Bastion - I Remember Everything (Official Music Video)

DIE PLAYLIST

Everly Brothers – Bye Bye Love

So schön – traurige Harmonien! Die lyrics mögen unschuldig sein, aber das trägt nur zur Melancholie bei. Ich habe dieses Lied tatsächlich bei meinem allerersten Auftritt gesungen (ich war acht Jahre alt und wurde auf die Bühne eingeladen, um mit meinem Vater ein paar Lieder zu singen).

Beach Boys – Don’t Worry Baby

Eine Liste trauriger Lieder wäre ohne die Beach Boys unvollständig. In Brian Wilsons Songwriting steckt Magie – seine Songs sitzen anders, wenn man einen Verlust oder eine tiefe Traurigkeit erlebt hat. Die Beach Boys sind eine ‘masterclass’ in mehrschichtigen Emotionen. Ich kann nicht einmal den ersten Accord in diesem Songs hören, ohne zu weinen.

The Beatles – She’s Leaving Home

Ich hätte diese Liste sehr leicht mit Beatles Songs füllen können… aber eure wegen habe ich mich auf nur einen rationiert! ‘She’s Leaving Home’ ist unbestreitbar eines der traurigsten Lieder in unserem Universum. Das story-telling von Paul McCartney ist so evokativ und emblematisch für eine ganz bestimmte Zeit der 1960er Jahre. Für mich sind es John Lennon’s Backing Vocals, die mich immer zum weinen bringen (das und das schöne Streicherarrangement).

Regina Spektor – No Surprises(Radiohead Cover)

“A Heart that’s full up like a landfill” – was für eine Eröffnungszeile. Regina Spektor’s Stimme hat eine naive Qualität, die diesem ohnehin schon trauriges Lied eine zusätzliche Schicht  der Traurigkeit verleiht.

Judee Sill – The Kiss

In diesem wunderschönen Lied ist die Traurigkeit etwas weniger offensichtlich. Je nachdem, wo man sich im Leben befinden und ob man Judee Sill kennt, könnte man dieses Lied hypnotisierend schön und vielleicht sogar hoffnungsvoll finden. Es geht um die Liebe in ihrer echtesten Form. Für mich ist es die Sehnsucht in ihrer Darbietung, die dieses Lied schmerzlich schön macht.

Etta James – I’d Rather Go Blind

Ein Herzschmerz-klassiker!  Ich liebe die ersten lyrics “something told me it was over” – Es ist so gesprächig, dass es sich anfühlt, als würde Etta dich direkt ansprechen, um ihr alles über ihr gebrochenes Herz zu erzählen.

Alanis Morissette – That I Would Be Good

Als ich klein war, habe ich ständig die Lieder von Alanis gehört und gesungen und genieße es derzeit, ihre songs als Erwachsene wiederzuentdecken. Dieses Lied hat eine ruhige, selbst-reflektierende Traurigkeit. Die Traurigkeit streckt sich durch die Strophen und endet mit dem Eingeständnis, „that I would be good whether with or without you“. 

Mein dad hat diesen Song gerne gecovert, daher hat er einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen.

Anais Mitchell – Shepherd

Wir brauchten unbedingt ein folk song in dieser Liste! Folk artists haben ja schließlich die Traurigkeit erfunden! Ich liebe Anais Mitchell und diese Geschichte von ihr ist einfach zum Gänsehaut-Kribbeln. Es ist eine herzzerreißende Geschichte, ich verrate nichts – hör einfach zu!

Bob Dylan – Simple Twist of Fate

Es gibt natürlich viele Bob Dylan-Songs, die ich hätte auswählen können, aber dieser ist der König der Herzschmerz-Liebeslieder. Es ist total einfach sich in den Strophen zu verlieren. 

David Bowie – Where are we now? 

Ich werde nie vergessen, als ich dieses Lied zum ersten Mal meiner mum vorgespielt habe. Sie spürte Bowies Schmerz, denn Bowies Berlin war auch das Berlin von meiner Mutter. Genau wie Bowie ist mein dad in den 1970er Jahren aus Großbritannien in die Hauptstadt ausgewandert, auf der Suche nach Musik und Freiheit. Sie besuchten beide den „Dschungel“ Club und erlebten die Wiedervereinigung und Gentrifizierung Berlins. Die Nostalgie in diesem Song ist herzzerreißend. Ich liebe seine gealterte Stimme und das hoffnungsvolle Ende des Songs bringt mich jedes Mal zum weinen. Es ist so traurig. Es ist so schön. Es ist das perfekte Ende meiner miserable mondän playlist – danke, dass ich euch eine Playlist basteln durfte!

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Martin Hommel

Martin ist 32, lebt in Leipzig und ist Radiomacher und Musikliebhaber. Für den Tonspion schreibt er die wöchentliche Kolumne "Miserable Monday".