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Miserable Monday: Playlist von toechter

  • Rubrik: News

Die Playlist zum Start in die neue Woche. Heute mit Musik von Efterklang, Johnny Greenwood und Agnes Obel.

© Camille Blake

„Töchter sind wir alle drei“, sagt Marie-Claire Schlameus, Cellistin und ein Teil der Experimental- Band toechter.

Zusammen mit Lisa Marie Vogel und Katrine Grarup Elbo hat sie toechter gegründet. Die drei Musikerinnen verbindet eine Verwurzelung in der klassischen Musiktradition. Sie haben es sich jedoch zur Aufgabe gemacht, die diversen Facetten ihrer Streichinstrumente Violine, Viola und Violoncello aufzuzeigen und neu zu erkunden. Ihr gemeinsames Verlangen besteht darin, einen Dialog zu erschaffen, der sich auf die Begegnung von akustischen und elektronischen Klängen konzentriert. Daraus geboren ist ihr Debütalbum „Zephyr“ – welches die Vielfalt und Synergien der Band in zwölf unverwechselbaren elektronisch-akustischen Tracks einfängt.

Die drei Musikerinnen samplen Wischer, Klatschen und Klopfen zu treibenden Techno Beats und verfremden mit Hilfe von Software und Effektpedals (dem 4. Instrument) den Sound ihrer Streicher zu fliegenden und klirrenden Teppichen. „Zephyr“ ist kein Album, was man einfach mal so nebenbei hört. Die Platte braucht die volle Aufmerksamkeit, belohnt die Hörer:innen aber mit einer Reise durch abgefahrene Klangwelten. Zwischendurch trifft man dann immer wieder auf die Frage: Das sind wirklich alles echte Instrumente??

„Wir sind Fans von gutem Handwerk jeglicher Art,“ sagen toechter „und im Moment genießen wir es, uns dem Dogma ‘alles kommt von Streichinstrumenten oder Stimme’ hinzugeben.”

Alle Sounds des Albums fühlen sich vollmundig und warm an, was auch der herausragenden Akustik des Saal 3 im Funkhaus Berlin zu verdanken ist, wo Chöre und Streicherarrangements aufgenommen wurden. Die Post-Produktion des Albums fand im Berliner Studio des Elektronik-Musik-Veterans Apparat mit Produzenten und Cellist Philipp Johann Thimm statt.

Erschienen ist „Zephyr“ am 18.03. auf Edition DUR.

toechter- Zephyr (official video)

DIE PLAYLIST

Midori Takada, Lafawndah  – Le Renard Bleu

Wahrhaft meditativ und ruhig, aber auch pulsierend und energetisierend. Klanglandschaften, die auftauchen und verschwinden. So cool, wie dieser Track organisch fließt und gleichzeitig überrascht.

Efterklang  – House on a Feather

Wie ein Spaziergang im Sonnenuntergang ist dieser Track beruhigend, detailverliebt, umarmend.

Barbara  – Pierre

Im Herbst habe ich eine Tanzaufführung von Bobbi Jene Smith gesehen, in der dieses Lied eine wichtige Rolle spielte. Ich liebe die Poesie, die Einfachheit, die Ruhe, ihre Stimme und die Phrasierung der melodischen Linien.

Missy Mazzoli / Emily D’Angelo / das freie Orchester Berlin  – You are the Dust 

Fast wie ein Popsong mit seiner eindringlichen, sich wiederholenden Streicherbegleitung, hat dieser Track etwas Eindringliches, das mich nicht loslässt.

toechter – charms 

Wir sind stolz auf diesen Song. Er klingt sehr elektronisch, aber alles, was man hört, kommt zu 100% von unseren akustischen Instrumenten (Violine/Viola/Cello). Wir haben unsere eigene einzigartige perkussive Sample-Library aufgenommen.

Agnes Obel – Broken Sleep 

Ich finde es sehr inspirierend, wie Agnes Obel Lieder kreiert. Jedes Lied hat seine eigene Welt. Sie arbeitet so fein an diesen klanglichen Details und zieht den Hörer damit in ihre Gedanken- und Traumwelt.

Jonny Greenwood – Prelude – The Power of the Dog 

Ich bin begeistert, wie unkonventionell und kreativ er Streicher in seiner Musik einsetzt. Für diesen Soundtrack hat er sogar selbst das Cello gespielt und aufgenommen. Ich bin ein Fan.

Julian Sartorius – Locked Grooves 

Ich liebe es, wie spielerisch und kreativ er mit Perkussion und Klängen arbeitet. Es ist immer inspirierend, ihm zuzusehen und zuzuhören.

Apparat – Heroist 

Der Co-Produzent von Apparat Philipp Thimm hat unsere Platte ‚Zephyr‘ produziert. Philipp und Sasha Ring hatten einen großen Einfluss auf unser Album. LP5 ist eines meiner absoluten Lieblings-Electronica-Alben da draußen.

Ryuichi Sakamoto – M.A.Y in the backyard

Ich habe vor kurzem zum ersten Mal „Call me by your name“ gesehen. Die Musik lässt einen in diese italienische Sommerstimmung eintauchen.

Martin Hommel

Martin ist 33, lebt in Leipzig und ist Radiomacher und Musikliebhaber. Für den Tonspion schreibt er die wöchentliche Kolumne "Miserable Monday".