Miserable Monday: Playlist von Voodoo Beach

Die Playlist für den Start in die Woche. Heute mit Musik von Solange, Element Of Crime und Savages.

Voodoo Beach, Credit: Katja Strempel
Voodoo Beach, Credit: Katja Strempel

Voodoo Beach ist definitiv eine Band, bei der ich nie so genau weiß, wie ich sie ankündigen soll. Das mag an dem geheimnisvollen, fast konspirativ anmutenden Schleier liegen, der das Berliner Trio umhüllt. Vielleicht braucht ihre Musik aber auch einfach keine großen Worte vorweg. Denn nach wenigen Takten klebt man als Hörer:in eh am Abspielgerät.

Nach ihrer Debüt-EP „OZEAN EP“ aus 2018 arbeitet die Band nun an ihrem ersten Album. Wann das kommt, ist noch nicht ganz klar. Dafür gibt es aber mit „DIE HAND“ und „ANDERS SEIN“ schon zwei Singles, die die Richtung vorgeben. Klar ist, die Band bleibt sich trotz Wechsel in der Formation treu: Gitarre, Bass, Schlagzeug. Psychedelische Rock-Musik, eindringlich, noisy, düster. Und Texte voller Alltagsexistenzialismus, die Sängerin Heike Rädeker einem mit verrauchter Inbrunst um die Ohren haut. What’s not to like? Am 22.10. erscheint die dritte neue Single „MEINE FREUNDE“ via Späti Palace.

Für Freunde von Culk, Die Nerven und Trümmer.

VOODOO BEACH - DIE HAND (Official Video)

DIE PLAYLIST

Victor Jara – Manifiesto
Heike: Nach meiner Kindheit in Chile konnte ich dieses Lied sehr lange nicht hören, ohne mich unfassbar doll zurück zu sehnen, mit viel Traurigkeit, in mein Zuhause. Die 70er Jahre gehören zu den düstersten Zeiten der Geschichte des Landes. Jeder Mensch, der dem Militärregime von Diktator Pinochet nicht passte, wurde umgebracht. Und auch die Umstände des Todes von Victor Jara könnten nicht grauenhafter sein. Was dieses Lied umso trauriger macht. 

Elliot Smith – Needle in the Hay
Josephine: Es gab eine Zeit, da waren Jungs mit Gitarre durchaus noch akzeptabel ;)  
Und wer hat nicht mit 16 geheult, als Luke Wilson zu den Klängen von Elliot Smith verzweifelt in den Badezimmerspiegel blickte?

Édith Piaf – La vie en rose
John: Rein auf textlicher Ebene ist La Vie En Rose eigentlich ein rosarotes, ja fast schwülstiges Liebeslied. Doch auch, wenn man sich nicht mit der unfassbar tragischen Biografie dieser Künstlerin auseinandersetzt, so muss man die unerfüllte Sehnsucht spüren, die in diesen Zeilen liegt. Ich habe diesen Chanson vermutlich schon 1000 Mal gehört. Und doch kommen mir immer wieder die Tränen, wenn die Piaf nach dem Intro ihre Stimme erhebt. Die Version von Marlene Dietrich ist übrigens auch der absolute Wahnsinn!

Karen Dalton – Something on your mind
Heike: Hört man dieses Lied in trauriger Verfassung, werden die Tränen nicht auf sich warten lassen…

Solange Knowles – Cranes in the Sky 
Josephine: Traurigkeit zum drin Baden.

Element of Crime – Narzissen & Kakteen
John: Einer der ersten Songs, die mir klar gemacht haben, dass Lieder mit deutschen Texten nicht nur funktionieren, sondern auch tief berühren können.

Talk Talk – Life’s what you make it
Heike: Die Vielfalt von Traurigkeit! Eine davon entsteht bei mir aus Schwermut und Weltschmerz. Dieses Lied wirkt unterstützend.

Savages – Surrender
Josephine: … ein bisschen wütende Traurigkeit muss aber auch sein!

Bob Marley & the Wailers – I’m still waiting
John: In meiner Zeit vor Voodoo Beach gab es lange nichts Wichtigeres als die jamaikanische Musik der 60er Jahre. Und auch wenn es da natürlich noch viele, viele große Artists und Bands neben Bob Marley zu entdecken gibt – und auch wenn ausgerechnet dieser Track nicht unbedingt repräsentativ für die Ära des Rock Steady ist -, so zählt I’m still waiting für mich doch immer noch zu den schönsten, traurigsten und sehnsuchtsvollsten Liebesliedern aller Zeiten.

Bonus Track: A.S. Fanning – Carmelita
Heike, Josephine, John: Bei einem unserer ersten Konzerte durften wir uns die Bühne mit A.S. Fanning teilen. Steven ist nicht nur ein ganz wunderbarer Mensch, er ist auch ein toller Musiker mit einem großartigen Gespür für (traurige!) Melodien. Carmelita ist vermutlich unser Lieblingssong von ihm, er stammt von dem Album Second Life (2017).

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Martin Hommel

Martin ist 33, lebt in Leipzig und ist Radiomacher und Musikliebhaber. Für den Tonspion schreibt er die wöchentliche Kolumne "Miserable Monday".