Mit der Deluxe-Version ihres gefeierten Albums „10K“ legen Electric Guest noch einmal nach. Das Indie-Pop-Duo um Sänger und Produzent Asa Taccone sowie Komponist und Multiinstrumentalist Matthew Compton erweitert das ursprünglich 2025 erschienene Album um fünf neue Songs und unterstreicht damit einmal mehr seine außergewöhnliche Fähigkeit, eingängige Popmelodien mit emotionaler Tiefe und genreübergreifenden Einflüssen zu verbinden. Anlässlich der Veröffentlichung von “10K Deluxe” am 5. Juni haben wir Sänger Asa zum Interview getroffen.
01. Asa, an welchen ersten Song kannst du dich erinnern? Was verbindest du damit?
Ich erinnere mich daran, wie ich auf dem Rücksitz des Autos der Eltern eines Freundes saß. Im Radio lief „Weak“ von SWV, ein R&B-Song über Liebe und Sehnsucht. Damals war ich noch ein Kind, hatte weder eine Beziehung noch war ich jemals verliebt gewesen. Das Thema war eigentlich völlig außerhalb meiner Erfahrungswelt. Trotzdem hat der Song etwas in mir ausgelöst. Ich wurde richtig emotional und war kurz davor zu weinen. Diese Kombination aus Musik und Worten erzeugte plötzlich Gefühle von Sehnsucht nach etwas, das ich selbst noch nie erlebt hatte. Das fand ich damals völlig verrückt. Daran denke ich heute manchmal, wenn ich Songs schreibe. Wenn ein Gefühl ehrlich ist, erreicht es die Menschen.
02. Welche erste Platte hast du dir selbst gekauft? Wie hat sich das angefühlt?
Ich erinnere mich ehrlich gesagt nicht an die erste Platte, die ich selbst gekauft habe. Das erste Album, das ich wirklich besaß, war jedoch eine Kassette von The Roots. Mein Bruder hatte sie irgendwie von einem Freund bekommen. Es handelte sich um ein unveröffentlichtes Demo-Album. Als er zum College ging, habe ich sie ihm einfach geklaut. Wie ein kompletter Idiot habe ich die Kassette später verloren. Als mein Bruder zurückkam, war er stinksauer. Tatsächlich war das jahrelang ein Streitthema zwischen uns. Zur gleichen Zeit hatte ich auch eine Party veranstaltet, während unsere Eltern nicht zu Hause waren. Dabei wurden mehrere Dinge aus unserem Haus gestohlen, unter anderem sein geliebtes Fahrrad. Das hat seine Abneigung gegen mich vermutlich nicht gerade verringert.
03. Was war dein erstes Konzert als Besucher? Wie war das Erlebnis?
Ich habe N.E.R.D. in Seattle gesehen. Das ist das erste Konzert, an das ich mich wirklich erinnere. Es hat mich komplett umgehauen. Nach der Show gab es ein Meet & Greet mit Pharrell. Ich stand etwa 30 Minuten in der Schlange, nur um ihm eine CD mit meinen Beats zu geben. Als ich schließlich an der Reihe war, war er unglaublich freundlich, erklärte mir aber, dass er gerade verklagt worden sei, weil ihm jemand eine Demo-CD gegeben hatte und später Urheberrechtsansprüche geltend machte. Stattdessen schrieb er mir die Adresse seines Labels Star Trak auf und sagte, ich solle die CD dorthin schicken. Es war ein großartiger Abend.
04. Wie bist du zur Musik gekommen?
Ich war Teil einer kleinen Gruppe aus Produzenten und Rappern in Oakland, Kalifornien, die sich „The Collectiv“ nannte. Wir machten Underground-Hip-Hop und verkauften unsere Alben auf den Straßen der San Francisco Bay Area. Auf diese Weise lernte ich viele Rapper kennen. Ich lief mit Kopfhörern herum, sprach Leute an und zwang sie praktisch dazu, sich die Beats anzuhören, die ich produziert hatte. Diese Zeit hat für mich alles entschieden. Außerdem war ich in der Schule in praktisch allem ziemlich schlecht, das hat wahrscheinlich auch geholfen.
05. Warum machst du Musik?
Das ist eine große, fast philosophische Frage. Die Antwort darauf hat sich in meinem Leben immer wieder verändert. Aber wenn ich es aus heutiger Sicht beantworten soll: In den letzten Jahren in Los Angeles, umgeben von Statusdenken und all dem Unsinn, habe ich ein Stück weit den eigentlichen Sinn aus den Augen verloren. Ich habe viel Musik gemacht, aber einiges davon hat darunter gelitten, weil ich vergessen hatte, warum ich überhaupt Kunst mache. Heute geht es für mich natürlich um Selbstausdruck, aber auch um etwas Größeres. Gerade im heutigen Amerika halte ich Kunst für wichtiger denn je. Die USA befinden sich in einer schwierigen Phase. Wir brauchen kreative Stimmen, die uns an Werte erinnern, die im Spätkapitalismus zunehmend unter Druck geraten: Liebe, Zusammenhalt und den Mut, für wichtige Themen einzustehen.
06. Wie entsteht bei dir Musik? Wie läuft der kreative Prozess normalerweise ab?
Meistens sitze ich zu Hause in Jogginghose herum und bekomme plötzlich den Impuls, ins Nebenzimmer zu gehen und eine Idee aufzunehmen, die mir gerade durch den Kopf schießt. Ich entwickle sie so weit wie möglich und schicke sie anschließend meinem Bandkollegen, der weitere Elemente hinzufügt.
07. Welche Künstler haben dich besonders geprägt?
Wahrscheinlich die offensichtlichste Antwort überhaupt: Michael Jackson. Aber ich lasse mich von unzähligen Künstler inspirieren. Aktuell höre ich viel A.CHAL, Céline Dessberg und überraschend viel Elvis, vor allem seine langsameren Liebeslieder. Viele der Menschen, mit denen ich gerne zusammenarbeiten würde, leben allerdings leider nicht mehr.
08. Was möchtest du mit deiner Musik erreichen?
Im Moment wünsche ich mir vor allem, dass meine Musik den Menschen ein Gefühl von Erleichterung oder Trost vermittelt. Kunst erinnert uns an unsere gemeinsame Menschlichkeit, besonders in schwierigen und unübersichtlichen Zeiten wie diesen.
09. Was ist bisher dein bester Song?
Ich denke, „Dear To Me“ und „See The Light“ gehören zu meinen besten Songs.
10. Woran arbeitest du aktuell? Was kommt als Nächstes?
Wir veröffentlichen diese Woche die Deluxe-Version unseres Albums „10K“ mit fünf neuen Songs. Ich hoffe, dass wir diese auch bald live spielen können.