Das Axel Fischbacher Trio verbindet auf „normal II“ musikalische Offenheit mit einer klaren Haltung
Mit „normal II“ veröffentlicht das Axel Fischbacher Trio ein Album, das musikalische Offenheit nicht behauptet, sondern praktiziert. Seit Jahren arbeitet die Band in wechselnden Konstellationen mit Musikerinnen und Musikern unterschiedlicher kultureller Hintergründe zusammen. Für Axel Fischbacher ist das kein programmatischer Ansatz, sondern Teil einer gemeinsamen musikalischen Realität.
Im Zentrum steht das Trio mit Axel Fischbacher an der Gitarre, Nico Brandenburg am Bass und Tim Dudek am Schlagzeug. Die drei Musiker verbindet eine langjährige Zusammenarbeit, die sich in einem engen Zusammenspiel bemerkbar macht. Die Stücke entwickeln sich aus dem Moment heraus. Strukturen bleiben erkennbar, gleichzeitig entsteht Raum für spontane Richtungswechsel und offene Improvisation.
Für „normal II“ hat Fischbacher neues Material geschrieben, das sich zwischen swingenden Passagen und freieren Formen bewegt. Ergänzt wird das Trio durch die Sängerin Tamara Lukasheva und den Saxophonisten Ohad Talmor. Beide fügen sich nicht als klassische Gastsolisten ein, sondern als gleichberechtigte Stimmen innerhalb eines gemeinsamen Klangbildes. Entscheidend ist dabei weniger das individuelle Hervortreten als das gegenseitige Zuhören.
„Unsere Musik entsteht durch unsere Leidenschaft für Freiheit, Frieden und soziale Verantwortung. So geht Jazz. ‚normal II‘ ist aus dieser Haltung heraus entstanden“, sagt Fischbacher.
Das Album versteht Jazz dabei nicht als neutralen Raum. Vielmehr geht es um die Frage, welche Rolle Kunst in einer Zeit spielen kann, in der politische Debatten zunehmend schärfer geführt werden und einfache Antworten wieder an Einfluss gewinnen. „normal II“ positioniert sich nicht durch Parolen, sondern durch die Art des musikalischen Miteinanders.
Auch persönlich beschreibt Fischbacher das Projekt als Entwicklung. Lange habe er geglaubt, dass die Entscheidung für Jazz als Ausdruck von Freiheit und gemeinschaftlichem Handeln bereits eine Haltung formuliere. Heute sehe er darin eher die Gefahr des Rückzugs. Kunst müsse sich nicht ausschließlich mit sich selbst beschäftigen. Gerade in politisch aufgeladenen Zeiten gehe es darum, sichtbar Position zu beziehen.
Dass das Album bewusst das Peace Zeichen von 1969 trägt, versteht sich deshalb nicht als nostalgischer Verweis. Vielmehr erinnert es daran, dass die Forderung nach Frieden einmal als unbequem und radikal galt und inzwischen erneut in diese Richtung rückt.
„normal II“ beschreibt Zusammenleben nicht als abstrakte Idee, sondern als fortlaufenden Prozess. Einer, der immer wieder neu ausgehandelt werden muss. Auch auf der Bühne.
Live
06.06. Hildener Jazztage