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Christin Nichols: NDW tanzt mit Indie-Rock

ALBUM DER WOCHE – Sie nennt ihren Sound herrlich hoffnungsvoll „Hopecore“, wir packen noch stärkenden NDW, Power-Pop und Post-Punk dazu: Christin Nichols drittes selbstbetiteltes Album strotzt vor Selbstbewusstsein und lotet den Selbstverlust aus – ja, das Hardcore-Hilfe in starke Songs gegossen.

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Schon der treibend druckvolle Opener „Spotlight“ leuchtet den Fokus des dritten Album der der deutsch-britischen Künstlerin Christin Nichols in grellen Farben aus, auf dem unter der Diskokugel Self-Empowerment mit Selbstironie tanzen:

„Ich will alles oder nichts und dazu ein Beerenmixgetränk
Alle Blicke auf mich, alle um mich dicht gedrängt
Ich will alles oder nichts und dazu ein Beerenmixgetränk
Spotlight allein, weil auf mich wird das Licht geschwenkt“

Nichols kokettiert hier mit Nichts – nämlich dem Eighties-Psychopop-Hit der NDW-Band Nichts „Tango 2000“ (Schaut mich an, ich bin die Schönste. Schaut mich an, ich tanz am besten“) gekoppelt mit dem Post-Punk-Vibe von Isolation Berlin.

Das kommt nicht von ungefähr, denn deren Mixer Stefan Ernst ist auch Nichols langjähriger Kreativpartner und hat auch wieder an diesem Album mitgetüftelt.

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Die unerschrockene wie unsentimentale Schauspielerin und Musikerin war Teil des Punk-Rock-Duos Prada Meinhoff und ist solo nicht minder cool und catchy mit ihrem Indierock-Pop-Mix.

Ihr letztes Album „Rette sich, wer kann“ (2024) brillierte mit Zeilen wie „Ich gender dich, bis du weinst“ und der Mental-Health-Hymne „Citalopram“. Auch auf dem aktuellen Werk wagt sie sich mit Leichtigkeit an die schweren Themen, die frei nach Tocotronic fluide zwischen höchsten Höhen und in tiefsten Tiefen oszillieren.

Verhandelt wird feministisches Empowerment in „Unsterblich“ genauso wie weibliche Niederschläge in „Keine Kontrolle“, bei dem ihr der Balanceakt und das Kunststück gelingt, aus dem glamourfernen Thema ‚prämenstruelles Syndrom‘ ein flirrendes kraftvolles Poplied zu kreieren samt starken Lyrics wie:

„Ich hab keine Kontrolle und kein Serotonin, weil wenn ich davon mehr hätte wär ich zu mächtig für sie: Hätt ich ein reguliertes Nervensystem und kein PMDD – ich würd den Laden übernehmen“.

Musikalisch verpackt sie das alles in mitreißende Melodien, eingerahmt von Noise und Hall, gebaut aus Pop und Pomp mit Post-Punk-Attitüde und NDW-Flirt charmant untermauert.

Und das Allerbeste am Album: es vermittelt tatsächlich zwischen all den Trümmern unserer Existenz, grundlegende Hoffnung. Am Schönsten ist dies im Track „Chelsea Boots“ gelungen, die als Symbol ihrer Hopecore-Philosophie uns alle über die herumliegenden Trümmer tragen.

Biografie Christin Nichols

Christin Nichols, geboren 1991 in Bünde ist eine deutsch-britische Schauspielerin und Musikerin. Sie absolvierte ihre Schauspielausbildung Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin und startete ihre künstlerische Karriere zunächst auf der Theaterbühne, bevor sie auch in Film- und Fernsehproduktionen bekannt wurde, darunter Auftritte in Formaten wie „Tatort“ oder „Lena Lorenz“.

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Neben der Schauspielerei ist Nichols jedoch vor allem als Musikerin bekannt: Sie verbindet in ihrer Musik Elemente aus Pop, NDW, Indie-Rock und elektronischen Sounds mit persönlichen, oft poetischen Texten. Ihre Songs zeichnen sich durch eine klare, eigenständige Ästhetik und introspektive Stimmung aus. Dabei steht häufig die Auseinandersetzung mit Identität, Mental Health, Beziehungen und urbanem Lebensgefühl im Zentrum.

Mit ihrer Doppelrolle als Schauspielerin und Musikerin gehört Christin Nichols zu einer jüngeren Generation von Künstlerinnen, die disziplinübergreifend arbeiten und verschiedene Ausdrucksformen miteinander verbinden.

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Diskografie Christin Nichols

2018: Prada Meinhoff – Prada Meinhoff

2022: Christin Nichols – I’m fine

2024: Christin Nichols – Rette sich, wer kann!

2026: Christin Nichols – Christin Nichols