Mit “Enlightened, baby” drehen POM ihre eigene Version von Fuzz-Pop noch einmal deutlich weiter auf. Das zweite Album der Band aus Amsterdam klingt größer, chaotischer und emotional offener als die bisherigen Veröffentlichungen – und gerade deshalb auch überraschend klar. Schon das Debüt “We Were Girls Together” und die “EP AAAAH!” lebten von übersteuerter Energie, schrägen Hooks und einem kontrollierten Pop-Overload. Auf “Enlightened, baby ” verschiebt sich dieser Ansatz hörbar: Die Songs bleiben verspielt und zuckersüß, kippen aber immer wieder in Momente, die deutlich roher und verletzlicher wirken.
Dabei entsteht schnell der Eindruck eines Albums, das permanent zwischen Euphorie und Kontrollverlust schwankt. Verzerrte Gitarren treffen auf Drum Machines, Synthflächen und übereinandergeschichtete Vocals, ohne dass der Sound dabei überladen wirkt. Statt klassischer Indie-Pop-Dramaturgie setzen POM weiterhin auf abrupte Wendungen, offene Songstrukturen und kleine Brüche, die den Tracks etwas angenehm Unberechenbares geben. Besonders spannend ist dabei der Kontrast zwischen Sound und Thema. Obwohl das Album aus einer Phase persönlicher Trauer heraus entstanden ist, verweigert es sich fast komplett der Schwere. Die Songs drängen nach vorne, suchen Bewegung statt Stillstand. Helle Melodien und hymnische Refrains wirken dabei weniger wie Verdrängung als vielmehr wie ein Versuch, emotional nicht stecken zu bleiben.

Der Albumtitel funktioniert ähnlich doppeldeutig. Die Zeile „I’m enlightened, baby“ zieht sich wie ein ironischer Kommentar durch die Platte: Erleuchtung erscheint hier nicht als Zustand, sondern eher als etwas Brüchiges, Temporäres. POM formulieren keine großen Antworten, sondern halten ihre Unsicherheiten bewusst offen. Auch inhaltlich wird das Album mit zunehmender Laufzeit breiter. Während “I WANT IT!” Liebe und Nähe fast euphorisch feiert, richten Songs wie “LOVERS” oder “Sickening” den Blick stärker auf andere Menschen und deren Geschichten. Immer wieder entsteht dabei das Gefühl, dass Identität hier vor allem im Austausch mit anderen entsteht.
Dass sich “Enlightened, baby” trotzdem erstaunlich geschlossen anfühlt, liegt auch an der Produktion. Gitarrist Luc Siegers hat das Album selbst produziert und dem Sound genug Raum gelassen, gleichzeitig roh und detailreich zu wirken. Immer wieder tauchen Stimmen und Chöre von Freund:innen der Band auf, wodurch viele Songs eine fast kollektive Dynamik bekommen. Am stärksten ist das Album aber genau dann, wenn es seine Widersprüche zulässt: laut und verletzlich, überdreht und traurig, verspielt und gleichzeitig rastlos. “Enlightened, baby” versucht nie, perfekt oder abgeschlossen zu wirken – und genau daraus entsteht seine eigentliche Stärke.