Jan Böhmermann hat den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Berlin interviewt. In der aktuellen Ausgabe von „Fest & Flauschig“ erzählt er über das Gespräch, das unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen zustande kam.
Ein Satiriker interviewt einen Präsidenten, der selbst einmal Komiker war: Für Jan Böhmermann war das Gespräch mit Wolodymyr Selenskyj eine der außergewöhnlichsten Begegnungen seiner Karriere. Im Spotify-Podcast „Fest & Flauschig“ erzählt er von den schwierigen Vorbereitungen, den enormen Sicherheitsvorkehrungen und seinen persönlichen Eindrücken.
Die Idee für ein solches Interview habe es in der Redaktion des „ZDF Magazin Royale“ bereits seit Jahren gegeben. Böhmermann bewundert Selenskyj, der vor seiner politischen Karriere als Schauspieler und Komiker arbeitete und 2019 zum ukrainischen Präsidenten gewählt wurde.
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„Wir haben den gleichen Beruf“, erklärt Böhmermann die ursprüngliche Motivation für die Anfrage. Wie genau der Kontakt zustande kam, möchte er nicht öffentlich machen. Bereits früher habe es eine Gelegenheit für ein Gespräch gegeben, die aufgrund der Sicherheitslage nicht zustande gekommen sei.
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Erst wenige Tage vor dem geplanten Termin in Berlin zeichnete sich ab, dass das Interview tatsächlich stattfinden könnte. Für Böhmermann und seine Redaktion begann damit ein organisatorischer Kraftakt. Rund 20 Mitarbeiter mussten innerhalb kürzester Zeit eine aufwendige Produktion mit vier Kameras vorbereiten. Gleichzeitig musste das Team damit rechnen, dass der Termin jederzeit abgesagt werden könnte.
Scharfschützen vor dem Hotelzimmer
Am Abend vor dem Interview moderierte Böhmermann noch einen Auftritt der amerikanischen Autorin Fran Lebowitz im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. Anschließend fuhr er mitten in der Nacht nach Berlin, wo das Gespräch mit Selenskyj am nächsten Morgen stattfinden sollte.
Im Berliner Waldorf Astoria erwarteten ihn außergewöhnliche Sicherheitsmaßnahmen. Das Gebiet rund um den Bahnhof Zoo war großräumig abgesperrt, Polizeifahrzeuge und bewaffnete Sicherheitskräfte sicherten die Umgebung.
Als Böhmermann am Morgen die Vorhänge seines Hotelzimmers öffnete, blickte er nach eigener Schilderung direkt auf drei Scharfschützen, die nur wenige Meter entfernt auf einem gegenüberliegenden Dach Stellung bezogen hatten.
Auch die anschließenden Sicherheitskontrollen seien intensiver gewesen als alles, was er bei früheren politischen Veranstaltungen erlebt habe. Das gesamte technische Equipment wurde überprüft, Spürhunde kamen zum Einsatz. Im Interviewraum warteten zahlreiche Mitarbeiter und Sicherheitskräfte.
Nach weiteren anderthalb Stunden erschien schließlich der ukrainische Präsident.
„Der ukrainische Präsident ist einer von uns“
Besonders beeindruckt zeigte sich Böhmermann von der persönlichen Begegnung mit Selenskyj. Der ukrainische Präsident wirke gezeichnet von den Jahren des Krieges. Die Verantwortung für ein Land, das sich seit 2022 gegen den russischen Angriff verteidigt, sei ihm deutlich anzumerken.
Böhmermann beschreibt Selenskyj als außergewöhnlich guten Kommunikator, der jedes Wort sorgfältig abwägen müsse. Gleichzeitig habe er immer wieder daran denken müssen, dass der Präsident ursprünglich aus derselben Unterhaltungsbranche stammt wie er selbst.
„In einem anderen Universum könnte das auch einer von uns sein“, sagt Böhmermann zu Olli Schulz.
„Ich bewundere den wahnsinnig und ich finde, eine Jahrhundertfigur. Und wenn wir alle schon Staub und von Würmern zerfressen sind, werden sich die Menschen an den erinnern. Davon bin ich fest überzeugt.“ (Jan Böhmermann über Selenskyi)
Besonders emotional wurde das Gespräch offenbar, als Böhmermann den Präsidenten auf seine Familie ansprach. Er wollte wissen, wann Selenskyj zuletzt für seine Kinder gekocht habe.
„Da ist der Raum abgekühlt“, erinnert sich Böhmermann. Selenskyj habe beinahe geweint, und auch er selbst sei von diesem Moment ergriffen gewesen. Für Böhmermann zeigte sich darin die menschliche Dimension einer politischen Rolle, in der selbst persönliche Gefühle öffentlich bewertet und politisch interpretiert werden.
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Das rund halbstündige Interview wurde mithilfe zweier Simultandolmetscherinnen geführt. Böhmermann berichtet, dass die Übersetzung einen spontanen Gesprächsverlauf erschwerte. Trotzdem sei die Atmosphäre im Laufe des Interviews zunehmend entspannter geworden.
Böhmermann rechnet damit, dass sich manche Kollegen aus den klassischen Nachrichten- und Politikredaktionen darüber ärgern könnten, dass ausgerechnet er die Zusage für ein Interview bekommen habe, für das alle namhaften Journalisten des Landes Schlange stehen würden.
„Ich bin kein Journalist“, erklärt Böhmermann. Das bedeute allerdings keineswegs, dass er journalistisches Handwerk nicht beherrsche. Sein Selbstverständnis sei das eines Unterhaltungskünstlers.
„Clown ist schon richtig. Das heißt aber nicht, dass Clowns auch ernst sein können“, sagt er über seine Rolle. Böhmermann beschreibt das Interview als einen kurzen Ausflug aus seiner gewohnten Welt der Unterhaltung in die politische Realität. Die Begegnung habe ihn auch Tage später noch beschäftigt.
Das vollständige Gespräch mit Wolodymyr Selenskyj ist im ZDF-Streamingportal und auf YouTube zu sehen. Die Hintergründe erzählt Böhmermann in der aktuellen Ausgabe von „Fest & Flauschig“ mit Olli Schulz auf Spotify.
Foto: ZDF

