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Mein eigenes Kind: Erschütterndes Doku-Drama über vorgetäuschte Mutterschaft

Maite Alberdis Hybrid aus Spielfilm und Dokumentation, seit dem 13. August auf Netflix zu sehen, geht dem wahren Fall einer jungen Mexikanerin nach, die 2009 unter psychischem, familiärem und gesellschaftlichem Druck eine Schwangerschaft vortäuschte und damit einen weitreichenden Skandal auslöste.

Die Protagonistin taucht in „Un hijo propio“, so der Originaltitel, gleich zweimal auf: Da ist einmal die echte Eleonor Alejandra Marin Mendoza, in aktuellen Interviews und alten Nachrichten-Aufnahmen. Und dazu verkörpert die Schauspielerin Ana Celeste Montalvo Alejandras jüngeres Selbst in Szenen, welche die erschütternde Geschichte aus ihrer Sicht nachstellen.

Diese Szenen beschwören in der ersten Filmhälfte eine bonbonfarbene Traumwelt – oder eher Albtraumwelt – herauf, in der eine Frau einzig als zukünftige Mutter gesehen, geschätzt und bewertet wird.

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Alejandra ist erst seit Kurzem mit Arturo (Armando Espitia) verheiratet, als sie ihre erste Fehlgeburt erleidet. Eine weitere folgt wenig später. Allerseits herrscht große Enttäuschung – um es milde auszudrücken.

Vonseiten der Familie erlebt die junge Krankenschwester wenig Mitgefühl für ihr offensichtliches Leid. Stattdessen hagelt es permanent Schuldzuweisungen: Sie müsse etwas falsch gemacht haben, so der ausbaufähig sensible Ehemann und die erbarmungslos übergriffige Schwiegermutter. Jetzt hat sie sich gefälligst mehr anzustrengen und ihrer Familie endlich Neuzuwachs zu schenken.

Zunehmend erdrückt von diesen omnipräsenten, alles bestimmenden Erwartungen, redet sich Alejandra ein, Mutterschaft sei selbstverständlich ihr eigener sehnlichster Lebenswunsch und nicht, wie sie später reflektiert, primär der scheinbar einzige Weg zur Erfüllung ihres Bedürfnisses nach Annahme und Wertschätzung.

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Luis Antonio Rojas / Netflix ©2026

So stürzt sie nach ihrer dritten Fehlgeburt in eine Verzweiflung, aus der ihre verhängnisvolle, absurde Idee entspringt: Sie wird dank einer strikten Fast-Food-Diät Gewicht zunehmen, Unterlagen fälschen und vor allen, vom Klinikpersonal bis zu ihrem Gatten, die glücksstrahlende werdende Mutter spielen.

Am „Geburtstermin“ plant sie, das Neugeborene einer anderen Frau, die es nicht behalten kann, mit deren Einwilligung als ihr eigenes auszugeben. Doch als der entscheidende Tag kommt, geht der Plan dramatisch schief, und Alejandra wird als Kindesentführerin zu über dreizehn Jahren Gefängnis verurteilt.

Die entsetzten Medien sind wenig bereit, ihrer Version der Geschichte Glauben zu schenken. Ab diesem Punkt schaltet der Film vermehrt um in den Dokumentationsmodus, um sorgfältig weitere Kontexte und Perspektiven einzuarbeiten.


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Luis Antonio Rojas / Netflix ©2026

Arturo und seine Schwiegermutter kommen ebenso zu Wort wie Marya Navarro, die Mutter des Babys, mit der Alejandra eine Abmachung getroffen haben will. Richterin Taissia Cruz Parcero macht auf das institutionelle Verantwortungsversagen des Gesundheitssystems aufmerksam und bringt das psychologisch-medizinische Phänomen einer Scheinschwangerschaft ins Gespräch.

Psychologischen Gutachten zufolge könnte der enorme Druck, dem Alejandra ausgesetzt war, eine Dissoziation ausgelöst haben. In diesem Licht erscheinen manche der kopfschmerzerregend pinken nachgestellten Szenen als albtraumhaftes Märchen, von dem sie sich aus Selbstschutz überzeugt hatte.

Alejandra selbst, die Alberdis Team im Gefängnis und nach ihrer Entlassung 2023 begleitet hat, beschreibt mit einer an die Nieren gehenden Offenheit ihre Zweifel darüber, was Wahrheit und was Schauspiel oder Einbildung war; wie ihr Selbst ihr zu entgleiten schien, während Furcht und Verzweiflung sie davon abhielten, die Täuschung zu beenden.

Luis Antonio Rojas / Netflix ©2026

Auch wenn die dokumentarischen Abschnitte ihre Version in Teilen untergraben, bringt der auf Nuancen bedachte Film für diese ältere Alejandra, die zurückblicken und reflektieren kann, ebenso wie für die gequälte Naivität der jüngeren Frau viel Mitgefühl auf.

Alberdi, die für „Der Maulwurf: Ein Detektiv im Altersheim“ (2020) und „Die unendliche Erinnerung“ (2023) bereits zwei Oscar-Nominierungen verbuchen konnte, hat ihrer Hoffnung Ausdruck verliehen, dass ihr neuer Film sein Publikum zum Nachdenken bringen wird. Verstörend und einfühlsam, wie er ist, sollte ihm das gelingen. Und hoffentlich kann er sogar dabei helfen, ein dringend nötiges Umdenken voranzutreiben.