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Reverend Stomp liefern mit „Mescalero Ranger“ den Soundtrack für staubige Highways

Wer Musik sucht, die nach Staub, Sonne und ein bisschen Abenteuer schmeckt, sollte hier unbedingt einsteigen.

Was wäre, wenn das Verbrechertrio um George Clooney in O Brother, Where Art Thou? nicht durch das Mississippi-Delta geirrt wäre, sondern Kurs auf Kalifornien genommen hätte? Vermutlich hätten die Coen-Brüder genau diesen Sound gebraucht: staubig, treibend, ein wenig gefährlich – und gleichzeitig voller Sonne. Mit Mescalero Ranger liefern Reverend Stomp ein Album, das wie gemacht scheint für eine solche filmische Parallelwelt.

Am 30. Januar 2026 erschien das zweite Werk des Wahl-Wiener Quartetts, das darauf ein Genre präsentiert, das bislang in keiner noch so umfangreichen Musikdatenbank zu finden ist: Swamp Surf. Eine Mischung aus dampfendem Südstaaten-Blues, heißem Desert-Sound und salzigem Surf-Rock – Musik, die sich gleichermaßen nach flirrender Hitze wie nach endlosen Küstenstraßen anfühlt.

Schon beim ersten Hören entsteht ein Bild: 36 Grad draußen, Grillen übertönen den Straßenlärm, Pflanzen auf dem Fensterbrett wirken plötzlich wie Kakteen, und aus den Lautsprechern rollen warme Gitarrenriffs. Zugegeben – mitten im Winter fällt diese Vorstellung schwer. Doch Mescalero Ranger funktioniert wie ein musikalischer Kurzurlaub und wärmt Ohren, Herz und Tanzbeine gleichermaßen, bis der nächste Sommer tatsächlich vor der Tür steht.

Dabei ist „Swamp Surf“ mehr als nur ein griffiges Etikett. Die Band verbindet Einflüsse aus den Südstaaten der USA – vom schweren Blues der Louisiana-Sümpfe über den staubigen Klang süd-kalifornischer Wüstenlandschaften bis hin zum lässigen Surf-Rock der Pazifikküste. Fans von Calexico, DOPE LEMON oder Hermanos Gutiérrez dürften hier schnell auf ihre Kosten kommen.

Trotz ihres Namens haben Reverend Stomp mit religiöser Strenge wenig zu tun. Statt Weihwasser fließen hier eher Whiskey und Mezcal, und der einzige Gott, dem die vier Musiker huldigen, ist der gute alte Rock’n’Roll. Dass diese Haltung in ihrer streng katholisch geprägten Heimat Übersee am Chiemsee nicht überall auf Begeisterung stößt, nehmen sie offenbar gelassen. Schließlich fühlen sie sich musikalisch ohnehin mehr „überseeisch“ als regional verwurzelt.

Eine zentrale Rolle spielt Frontmann Christoph Mooser, dessen raue, reibeiserne Stimme den Songs eine markante Gravitas verleiht. Live soll seine Präsenz an einen jungen Johnny Cash erinnern – eine Referenz, die nicht zu hoch gegriffen wirkt, sobald seine Vocals zwischen Melancholie und ungebändigter Energie pendeln.

Überhaupt schreit dieses Album förmlich nach Bildern. Sollte jemals ein Remake von From Dusk Till Dawn geplant werden, hätten Quentin Tarantino und Robert Rodriguez hier bereits einen passenden Soundtrack parat: Musik für staubige Bars, flackernde Neonlichter und lange Fahrten durch die Nacht.

Was Reverend Stomp besonders macht, ist ihre konsequente Unabhängigkeit von kurzlebigen Trends. Statt einem industriell erzeugten Hype hinterherzulaufen, setzen sie auf einen Sound, der sich bewusst zeitlos anfühlt. Dennoch sind sie keine Retro-Band. Vielmehr greifen sie musikalische Traditionen auf, übertragen sie in die Gegenwart und entwickeln daraus etwas Eigenständiges – Musik, die vertraut klingt und gleichzeitig frisch wirkt.

Um diese rohe Energie einzufangen, wurden alle elf Songs live im Nautilus Studio in Dornbirn aufgenommen – in High-End-Qualität, aber ohne doppelten Boden. Kein Sicherheitsnetz, keine überpolierte Produktion. Das Ergebnis klingt genauso, wie man sich eine Reverend-Stomp-Show vorstellt: direkt, dynamisch und authentisch.

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