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Róisín Murphy attackiert Madonna wegen Unterstützung für trans Menschen

Róisín Murphy verschärft ihre Kritik an trans Menschen und nimmt nun sogar Madonna ins Visier. Die irische Sängerin wirft der Pop-Ikone vor, auf den von ihr so bezeichneten „TQ+ bandwagon“ aufgesprungen zu sein. Seit 2023 hat sich die ehemalige Moloko-Sängerin in dieser Frage immer weiter radikalisiert.

Ausgangspunkt der neuen Kontroverse war eine Diskussion auf X über Murphys Erfahrungen mit ihrem damaligen Label. B Damals hatte die irische Sängerin eine heftige Debatte ausgelöst, nachdem sie auf Facebook Pubertätsblocker als „fucked“ bezeichnet und der Pharmaindustrie unterstellt hatte, daran zu verdienen.

Über trans Jugendliche schrieb sie damals: „Little mixed-up kids are vulnerable and need to be protected“, also sinngemäß: Kleine, verwirrte Kinder seien verletzlich und müssten geschützt werden. Nach deutlicher Kritik auch von Seiten ihrer vielen queeren Fans entschuldigte sich Murphy bei der trans Community und erklärte, sie wolle sich künftig aus der öffentlichen Debatte heraushalten und sich über das Thema weiterbilden.

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„I was told repeatedly from every direction that I had to say I was committing to ‘educating myself’“, schrieb Murphy nun. Sie habe sich geweigert: „It was terrifying to observe and extremely hard to resist.“

Nach eigener Darstellung folgte eine einwöchige Auseinandersetzung mit ihrem Label. Murphy spricht rückblickend von einer „week-long struggle session“ und behauptet, das Unternehmen habe sich anschließend öffentlich von ihr distanziert und die Promotion ihrer Musik eingestellt. Auch eine Verschwiegenheitsvereinbarung habe sie abgelehnt: „I had a fucking great lawyer.“

Murphy versteht diese Episode inzwischen als Beispiel für eine Kultur der Einschüchterung innerhalb der Musikindustrie. Im April 2026 trat sie bei einer Veranstaltung im Palace of Westminster auf und sprach dort über Zensur und Meinungsfreiheit in der Kunst. Sie argumentierte, Künstler müssten mit beruflichen Konsequenzen rechnen, wenn ihre Ansichten von bestimmten gesellschaftlichen Positionen abwichen.

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Die amerikanische Produzentin The Blessed Madonna, die selbst nichtbinär ist, widersprach dieser Darstellung. Dass Fans keine Platten mehr kaufen, Veranstalter Künstler nicht buchen oder Kollegen eine Zusammenarbeit ablehnen, sei keine Zensur. „Nobody has stopped her from talking“, erklärte sie in ihrer Reaktion. Der Konflikt dreht sich damit längst auch um die Frage, wo freie Meinungsäußerung endet und gesellschaftliche Konsequenzen beginnen.

Schleichende Radikalisierung schadet queeren Menschen

Im Oktober 2025 verbreitete Murphy eine Grafik, die einen Rückgang junger Menschen zeigen sollte, die sich in den USA als trans oder nichtbinär identifizieren. Dazu schrieb sie: „It was never real.“

Murphy diskutiert längst nicht mehr ausschließlich darüber, welche medizinischen Behandlungen für Minderjährige sinnvoll sind. Sie stellt inzwischen auch die gesellschaftliche Realität trans und nichtbinärer Identitäten selbst infrage und befindet sich mit dieser Haltung in Gesellschaft von JK Rowling, die mit ähnlich ausgrenzenden und rechtskonservativen Argumenten operiert. Nach diesen Äußerungen wurde sie vom Back In Town Festival in Istanbul (Tükei!) ausgeladen. Viele Musikerkolleg*innen und Fans kritisierten die transfeindlichen Aussagen von Murphy scharf.

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Über Murphys persönliche Motivation lässt sich nur spekulieren. Ihre öffentlichen Aussagen zeigen allerdings ein wiederkehrendes Muster: Sie äußert sich über trans Menschen, erfährt dafür teilweise massive Kritik und deutet diese Reaktion anschließend als Beleg dafür, dass abweichende Meinungen unterdrückt würden. Eine Logik, die wir hierzulande von der AfD bereits bestens kennen.

Warum greift Murphy nun ausgerechnet Madonna an?

Der aktuelle Angriff auf Madonna entstand aus einer Diskussion über sogenannte Moralklauseln in Plattenverträgen. Solche Vertragsklauseln können Künstler verpflichten, ein Verhalten zu vermeiden, das dem Ruf des Labels oder Geschäftspartners schaden könnte.

Murphy hatte zuvor behauptet, Plattenfirmen würden solche Klauseln nutzen, um Künstler bei kontroversen Themen unter Druck zu setzen. Ein Nutzer auf X merkte daraufhin an, dass Madonna offenbar nie durch eine solche Klausel eingeschränkt worden sei.

Murphy antwortete, Madonna könne sich deshalb auch nicht damit herausreden, von einer Plattenfirma unter Druck gesetzt worden zu sein. Sie habe „keine solche Entschuldigung dafür, auf den TQ+-Zug aufzuspringen oder dessen inhärente Homophobie nicht anzuprangern“.

Anschließend erklärte Murphy, was sie damit meint: „Vielleicht ist es ihr einfach egal, dass Kinder, die später schwul geworden wären, medizinisch behandelt und geschädigt werden, bevor sie reif genug sind, um zu wissen, wer sie sind. Seltsam.“ Murphy unterstellt damit, dass manche schwule und lesbische Jugendliche fälschlicherweise als trans wahrgenommen und medizinisch behandelt würden, bevor sie ihre sexuelle Orientierung verstehen könnten.

Madonna wirft sie vor, diese vermeintliche Entwicklung durch ihre Unterstützung für trans Menschen mitzutragen. Aus einer Diskussion über ihren eigenen Konflikt mit der Musikindustrie wird damit ein direkter Angriff auf Madonna und deren langjähriges Engagement für LGBTQ+ Rechte.

Seit den Achtzigerjahren unterstützt Madonna öffentlich LGBTQ+ Rechte. Ihr Engagement für Menschen mit HIV und AIDS sowie für Schwule und Lesben begann zu einer Zeit, als die AIDS-Krise von Stigmatisierung und offener Homophobie geprägt war. In den vergangenen Jahren hat sie sich wiederholt ausdrücklich mit trans Menschen solidarisiert.

Dass Murphy, deren Publikum größtenteils aus queeren Menschen besteht, ausgerechnet Madonna vorwirft, mit ihrer Unterstützung von trans Menschen homosexuellen Jugendlichen zu schaden, ist deshalb eine bemerkenswerte Umkehrung dieser Geschichte.

Was sagen trans Menschen selbst?

Besonders scharf auf die wiederholten Tiraden von Murphy reagiert seit einiger Zeit The Blessed Madonna. Die amerikanische DJ und Produzentin ist nichtbinär und wirft Murphy vor, jahrzehntelang von einer queeren Fanbasis und Clubkultur profitiert zu haben, während sie nun einen Teil dieser Community frontal angreife.

„Go fuck yourself, Róisín. Du hast mich mehr als einmal getäuscht. Du warst nie eine queere Ikone. Nur eine weitere verstaubte TERF, die weiß, wie man queeres Geld zählt und ein Outfit präsentiert.“ (The Blessed Madonna)

Auch CMAT bezeichnete Murphy im Zusammenhang mit ihren Aussagen als „bully“ und solidarisierte sich ausdrücklich mit trans Menschen. Viele trans und queere Menschen beschreiben Murphys Musik und die Clubkultur, aus der sie stammt, als einen Raum, in dem sie sich lange aufgehoben fühlten. Gerade deshalb werden ihre Aussagen als besonders verletzend empfunden.

Ein trans Mann beschrieb in einer anderen Debatte um J.K. Rowling ein ähnliches Gefühl: Es sei schmerzhaft, öffentlich über die eigene Existenz diskutiert zu sehen und dabei selbst kaum als Stimme vorzukommen bzw. einfach nur als verwirrt bezeichnet zu werden. Solche persönlichen Aussagen ersetzen keine repräsentativen Studien, verdeutlichen aber eine grundlegende Schieflage dieser Debatte. Häufig wird sehr ausführlich über trans Menschen gesprochen, während ihre eigenen Erfahrungen eine Nebenrolle spielen.

Das geschieht in einer gesellschaftlichen Situation, in der trans Menschen ohnehin unter erheblichem Druck stehen. ILGA-Europe dokumentiert für Europa und Zentralasien eine zunehmende Einschränkung von LGBTQ+ Rechten. Der Jahresbericht für 2025 stellte Rekordwerte bei Hasskriminalität fest und warnte vor einer Normalisierung von Hassrede durch politische und religiöse Akteure.

Für 2025 dokumentiert die Organisation zudem eine weitere Verschärfung: Staaten schränkten die rechtliche Anerkennung trans Menschen ein, kriminalisierten LGBTQ+ Sichtbarkeit oder griffen auf Gesetze über „Propaganda“, öffentliche Moral und vermeintlichen Kinderschutz zurück.

Medizinisch sind Murphys Aussagen nicht haltbar. Tatsächlich ist die Studienlage zu Nutzen und langfristigen Risiken von Pubertätsblockern bei Jugendlichen mit Geschlechtsdysphorie begrenzt. Der britische Cass Review forderte deshalb mehr Forschung und einen vorsichtigeren Umgang mit medizinischen Behandlungen Minderjähriger.

Murphys weitergehende Behauptung, Kinder, die später schwul oder lesbisch geworden wären, würden systematisch als trans eingeordnet und medizinisch geschädigt, ist wissenschaftlich jedoch nicht belegt. Sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität sind unterschiedliche Kategorien, zudem gelten trans Identitäten nach internationalem medizinischem Konsens nicht als psychische Erkrankung.

Murphy greift damit eine reale medizinische Debatte auf, leitet daraus aber pauschale Aussagen über trans Menschen ab, die der Forschungsstand nicht hergibt und stellt sich damit als leidlich erfolgreiche Popsängerin über die Wissenschaft.

Wenn Feminismus in Transfeindlichkeit umschlägt

Murphys Entwicklung erinnert zunehmend an J.K. Rowling. Auch bei der „Harry Potter“-Autorin begann die öffentliche Auseinandersetzung mit einzelnen Fragen zu Geschlecht und Frauenrechten. Daraus entwickelte sich über mehrere Jahre ein immer dominanterer politischer Schwerpunkt, inzwischen scheint es der einzige Lebensinhalt von Rowling zu sein, gegen trans-Menschen zu hetzen, denen das Leben sowieso schon nicht einfach gemacht wird.

Kritik an ihren kruden Aussagen wird von beiden Frauen zunehmend als Versuch des Mundtotmachens interpretiert. Schließlich wird der Widerstand gegen trans Aktivismus zu einem wesentlichen Bestandteil der eigenen öffentlichen Identität. Politisch problematisch wird diese Entwicklung, wenn sie Anschluss an Argumentationsmuster der radikalen Rechten findet.

Denn die Erzählung, Kinder müssten vor einer angeblichen „Gender-Ideologie“ geschützt werden, ist längst ein internationales politisches Instrument geworden, trans-Menschen die kleine Minderheit, gegen die man ohne Konsequenzen befürchten zu müssen schießen darf. Sie wird in unterschiedlichen Varianten von rechtsnationalen, religiös-fundamentalistischen und autoritären Bewegungen benutzt. Dabei geht es häufig längst nicht allein um medizinische Behandlungen Minderjähriger.

Das bedeutet nicht, dass jeder Mensch, der Pubertätsblocker kritisch sieht oder biologische Geschlechtsunterschiede betont, politisch rechtsradikal ist. Ebenso wenig lässt sich allein aus Murphys Aussagen ableiten, dass sie selbst der radikalen Rechten angehört.

Ihre aktuelle Rhetorik überschneidet sich jedoch an entscheidenden Stellen mit deren Narrativen: Kinder werden als Opfer einer vermeintlich mächtigen Ideologie dargestellt, trans Identitäten als gesellschaftlicher Irrweg beschrieben und die Anerkennung trans Menschen sogar als Bedrohung für Schwule und Lesben interpretiert, was natürlich völliger Humbug ist.

Eine demokratische Gesellschaft muss kontroverse Diskussionen über medizinische Behandlungen, Geschlecht und Frauenrechte aushalten. Sie muss aber ebenso aushalten, dass solche extrem konservativen Positionen kritisiert werden.

Für trans Menschen ist diese Diskussion allerdings keine abstrakte Debatte, sondern eine reale Gefahr. Verhandelt werden ihr Zugang zu medizinischer Versorgung, ihre rechtliche Anerkennung, ihre Sichtbarkeit und zunehmend auch die Frage, ob ihre Identität überhaupt als „real“ anerkannt wird.

Genau deshalb haben die Worte prominenter Künstler Gewicht, besonders in einer Zeit, in der autoritäre und radikal rechte Bewegungen dieselbe Minderheit längst zu einem ihrer bevorzugten politischen Feindbilder gemacht haben.