Bruce Springsteen hat überraschend einen neuen Song veröffentlicht und damit erneut deutlich Position bezogen. Das Stück mit dem Titel „Streets of Minneapolis“ richtet sich explizit gegen den Einsatz von US-Einwanderungsbehörden und ist den Bewohnern der Stadt Minneapolis gewidmet.
Auslöser sind die tödlichen Schüsse auf Renee Good und Alex Pretti durch Bundesbeamte der Immigration and Customs Enforcement, kurz ICE, die nicht nur in den USA zu einem Aufschrei geführt haben. Viele vergleichen die Situation dort inzwischen mit den Verhältnissen in Deutschland in den 30er Jahren. Wie das damals endete, scheinen viele bereits vergessen zu haben.
In einer Stellungnahme, die Springsteen über seine Social-Media-Kanäle verbreitete, erklärt er die Entstehung des Songs ungewöhnlich direkt und zeitnah. Er habe den Song am Samstag geschrieben, am darauffolgenden Tag aufgenommen und unmittelbar veröffentlicht, als Reaktion auf das, was er als „state terror“ bezeichnet, der derzeit in Minneapolis ausgeübt werde.
Der Song sei den Menschen der Stadt gewidmet, insbesondere den unschuldigen Einwanderern in der Nachbarschaft, sowie dem Andenken an Renee Good und Alex Pretti.
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„Streets of Minneapolis“ wurde am Mittwoch über Springsteens offiziellen YouTube-Kanal veröffentlicht und hat nichts mit seinem “Streets of Philadelphia” zu tun. Musikalisch bleibt der Song reduziert und getragen, inhaltlich ist er deutlich politisch.
In den Lyrics zeichnet Springsteen das Bild einer Stadt im Ausnahmezustand, „a city aflame“, die zwischen Feuer und Eis unter den Stiefeln eines Besatzungsregimes stehe. Diese Besatzer benennt er explizit als „King Trump’s private army from the DHS“, eine klare Anspielung auf das Department of Homeland Security und die aktuelle Migrationspolitik der US-Regierung.
Besonders eindringlich ist der Moment, in dem Springsteen die beiden Getöteten namentlich nennt. Er singt er von “blutigen Fußspuren dort, wo Barmherzigkeit hätte stehen sollen”, und von “zwei Toten, die auf schneebedeckten Straßen zurückgelassen wurden”.
Politische Kommentare gehören seit Jahrzehnten zu Springsteens Werk und öffentlichem Auftreten. Selbst sein größter Hit “Born In The USA” ist eine beißende Kritik an seinem Heimatland, der Song beschreibt einen Veteranen, der von seinem Land im Stich gelassen wird, nachdem er ihm gedient hat.
Bereits Anfang des Monats hatte er während eines Konzerts scharfe Kritik an der verstärkten Präsenz von Einwanderungsbeamten geübt und von „Gestapo-Taktiken“ gesprochen. Dabei warnte er, die grundlegenden Prinzipien, auf denen die USA gegründet seien, seien so stark gefährdet wie lange nicht mehr.
Bei einem Auftritt in New Jersey, Springsteens Heimatstaat, widmete er zudem seinen Song „The Promised Land“ aus dem Jahr 1978 der 37-jährigen Renee Good. Auch international äußert sich der Musiker seit Jahren kritisch zur Politik von Donald Trump. Schon 2016 sprach er in London von einer ernsten Bedrohung der demokratischen Traditionen in den USA. Bei einem Konzert im vergangenen Mai in Großbritannien warf er der Regierung vor, gezielt sozialen Schaden zuzufügen, Bürgerrechte zurückzudrängen und autoritären Regimen den Vorzug vor demokratischen Verbündeten zu geben.
Trump reagierte auf Springsteens jüngste Aussagen gewohnt scharf und bezeichnete den Rock and Roll Hall of Fame-Mitglied als „hochgradig überbewertet“, „nicht talentiert“ und als „aufdringlichen, unangenehmen Typen“. Springsteen selbst kommentierte diese Reaktion bislang nicht weiter.