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Miserable Monday: Playlist von Jackson Dyer 

  • Rubrik: Musik

Die Playlist zum Start in die neue Woche. Heute mit Musik von St. Germain, Aretha Franklin und Andy Shauf.

pic by Shari Marks

Eine EP für den kommenden Frühling. Der in Berlin lebende Australier Jackson Dyer leitet mit “Sunseason” die bevorstehenden warmen Monate ein. Der Lichtblick am Ende eines in vielerlei Hinsicht dunklen Winters. Endlich!

Die fünf Songs der Platte sind wunderbar ausformulierter Indie-Folk. Mal eher soulig, mal Americana, aber immer so strahlend, dass man die Sonnencreme gern in Reichweite hätte. 

Über die letzte Single „My Season“ sagt Dyer: 

„Meiner Meinung nach repräsentiert dieser Sommer-Vibe und all diese weichen, eher lockeren Elemente von „My Season“ die ganze “Sunseason”-Produktion sehr gut – die ganze EP hat diesen luftigen, leichten und sorglosen Unterton mitschwingen, was sie von meinen vorherigen Veröffentlichungen schon sehr unterscheidet.”

Das stimmt durchaus. Das Album „Inlet“ aus dem Jahr 2019 ist experimentierfreudiger, musikalisch komplexer, vielleicht sogar etwas nachdenklicher. Aber warum nicht in schwierigen Zeiten ein paar Songs fürs Gemüt schreiben? „Sunseason“ ist genau das und tut richtig gut!

Jackson Dyer - 'My Season' (Official Music Video)

DIE PLAYLIST

O Terno – Atrás / Além

O Terno waren in den letzten Jahren eine meiner Lieblingsbands. Ich bin ein großer Fan des sanften Gesangs von Sänger Tim Bernardes und der Old-School-Ästhetik der Band im Allgemeinen. Ich habe mich in den letzten Jahren ein wenig mit brasilianischer Musik beschäftigt und mit den unglaublichen Emotionen, die brasilianische Musiker über Generationen hinweg in ihrer Musik vermittelt haben. Ich liebe die sanften, Beatles-artigen Basslinien dieses Songs und die Kadenz von Bernardes‘ Gesang. Atrás / Além ist ein Song, den ich auflegen, einen Drink nehmen und entspannen könnte.

Bobby Caldwell – Open Your Eyes

Apropos sanfter Gesang: Caldwell ist in diesem Song großartig. Die epische 80er-Jahre-Produktion ist so kitschig und treibend, dass ich immer wieder zu diesem Song zurückkehre und mich in seiner Herrlichkeit sonne. Der Song hat eine so emotionale, aber dennoch beschwingte Atmosphäre und spiegelt wirklich wider, wie groovig Caldwells Musik ist. Ein unerwarteter Teil des Tracks sind die Gitarren, die während des gesamten Tracks glänzen und einen so epischen Klang haben!

Moreton/ James Vincent McMorrow – See Yourself

Moreton sind eine großartige australische Band. Ich liebe die Stimme von Sängerin Georgia und ihre Gitarrenarbeit, und ich bin seit Jahren ein großer Fan der Rhythmen von Moretons Schlagzeugerin Myka. Ich hatte das unglaubliche Glück, dass Myka bei einer Session auf meinem Album Inlet Schlagzeug gespielt hat, und ich war immer von ihrem Können beeindruckt. Ein zusätzlicher Bonus zu dieser schönen Ballade ist James Vincent McMorrow

James Carroll Kirby – Wind

Ich glaube, ich wurde zunächst von diesem Lied angezogen, weil Kirbys Klavierspiel so sehr an die berühmte äthiopische Pianistin Emahoy Tsegué-Maryam Guèbrou erinnert, deren Honky Keys in Kirbys Lied zu hören sind. Ich finde es jedoch toll, wie dieser Einfluss in der zweiten Hälfte des Songs aufgegriffen wird und ein wunderschönes, modernes Lied mit schönen Synthesizern und epischen Drumcomputer-Sounds entsteht. Ich habe eine Schwäche für freche Drum-Machine-Sounds, und die Kombination mit seinen Synthesizer-Linien zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht.

St Germain – Sure Thing

Das Album Tourist von St. Germain hat mich in so vielen schönen Momenten meines Lebens begleitet. Meine Tante hat einen erstaunlichen Musikgeschmack aus den späten 90ern und den Nullerjahren und spielte dieses Album oft meinen Cousins und mir auf Autofahrten zum Strand vor, als wir Kinder waren. Die malischen Gitarren sind in dem Song so schön und ich finde es erstaunlich, dass dieser Song entweder der entspannteste Sonntagmorgen-Song sein kann oder etwas, zu dem man am Samstagabend Party machen kann (oder zumindest konnte ich das hahah).

Aretha Franklin – Day Dreaming

Ich denke, wir alle wissen, wie unglaublich tiefgründig die Musik von Aretha Franklin ist, aber „Day Dreaming“ zeigt wirklich das Kaliber ihres musikalischen Könnens und das der Produzenten und Studiomusiker, mit denen sie gearbeitet hat. Dieser Song ist eine Achterbahn der Gefühle und Arethas schwülstiger Gesang ist etwas, das ich wohl mein Leben lang genießen werde.

Jeff Buckley – Lover You Should’ve Come Over

Apropos Legenden: Jeff Buckleys Album Grace hat meine Musik stark beeinflusst, und ich finde, dass „Lover You Should’ve Come Over“ der perfekte Song für einen Miserable Monday ist. Jeffs Falsett und sein unglaublich emotionales Timbre inspirieren mich wirklich und zeigen, wie bewegend Musik sein kann.

Free Nationals feat. Chronixx – Eternal Light

Vom ersten Takt dieses Songs an nicke ich mit dem Kopf und stelle mir vor, dass ich in einem Cabrio irgendwo an der Westküste der USA fahre, haha. Es ist ein so grooviger Song und der kraftvolle Bass, die Gitarren und das Schlagzeug bilden den perfekten Rhythmus für jede Gelegenheit. Das selbstbetitelte Album von Free National gehört definitiv zu meinen Favoriten.

Fatoumata Diawara – Bakonoba

Ich erinnere mich daran, dass ich Fatoumata Diawara vor laaaanger Zeit in Sydney spielen sah, bevor ich nach Berlin zog, und ich war von ihrer Bühnenpräsenz und ihrem musikalischen Können absolut beeindruckt. Es war eines der ersten Male, dass ich malische Gitarristen spielen sah und ich war fasziniert von ihrer Gitarrenarbeit. „Bakonoba“ ist eines meiner Lieblingsstücke von Diawaras Album Fatou und ein weiteres Stück, das ich immer wieder gerne höre.

Andy Schauf – Jaywalker

Ein etwas modernerer Song, ich liebe die Gitarren in diesem Lied und die Gesamtproduktion dieses Tracks und des Albums. Andy Schauf hat eine so interessante Stimme und noch interessantere Texte und die Produktion seiner Tracks hat etwas, das so einnehmend ist! Dieser Track ist ein Jam und wird hoffentlich euren miserablen Montag weniger miserabel machen. Haltet die Ohren offen für das epische Drumfill gegen Ende!

Martin Hommel

Martin ist 33, lebt in Leipzig und ist Radiomacher und Musikliebhaber. Für den Tonspion schreibt er die wöchentliche Kolumne "Miserable Monday".