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Berliner Musiksoftware-Hersteller Native Instruments meldet Insolvenz an

Native Instruments, einer der weltweit wichtigsten Hersteller von Musiksoftware und -hardware mit Sitz in Berlin, hat ein vorläufiges Insolvenzverfahren eingeleitet. Was das für die Musikszene bedeutet.

Das 1996 in Berlin gegründete Unternehmen prägt seit Jahrzehnten die digitale Musikproduktion. Werkzeuge wie der Sampler Kontakt, die Produktionsumgebung Maschine, die DJ-Software Traktor oder der modulare Synthesizer Reaktor gehören für viele Produzenten, Komponisten und DJs zur Grundausstattung im Studio und auf der Bühne.

Gerade weil Native Instruments nicht nur eigene Produkte vertreibt, sondern mit Kontakt auch die technische Basis für unzählige Sample-Libraries externer Hersteller stellt, trifft die Meldung die Musikszene besonders hart. Die brennende Frage ist weniger, was heute noch funktioniert, sondern wie stabil dieses Ökosystem in Zukunft bleibt.

Was bislang bekannt ist

Für mehrere Gesellschaften der Native Instruments GmbH wurden entsprechende Anträge auf Insolvenz gestellt, ein Insolvenzverwalter ist bestellt. Eine offizielle Stellungnahme des Unternehmens liegt bislang nicht vor.

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Für Musikschaffende ist vor allem diese Info entscheidend: Der Betrieb läuft weiter. Weder Software noch Online-Dienste werden abgeschaltet, bestehende Installationen lassen sich nutzen, laufende Produktionen sind nicht betroffen.

Funktionieren Kontakt, Maschine und Co. auch künftig noch?

Ja. Aktuell funktionieren sämtliche Native-Instruments-Produkte wie gewohnt. Kontakt, Reaktor, Maschine, Traktor sowie die hauseigenen Libraries lassen sich starten und einsetzen. Lizenzen behalten ihre Gültigkeit, Projekte können geöffnet und bearbeitet werden.

Auch Native Access, die zentrale Software zur Installation und Lizenzverwaltung, ist weiterhin nutzbar. Einzelne Update-Probleme, über die Nutzer seit längerem berichten, stehen nach aktuellem Kenntnisstand nicht im Zusammenhang mit der Insolvenz.

Was „vorläufige Insolvenz“ konkret bedeutet

Der Begriff sorgt regelmäßig für Verunsicherung. Ein vorläufiges Insolvenzverfahren bedeutet nicht, dass ein Unternehmen den Betrieb einstellt. Vielmehr handelt es sich um ein gerichtliches Instrument, um Zeit zu gewinnen und Sanierungsoptionen zu prüfen.

Dazu zählen zum Beispiel Restrukturierungen innerhalb des Unternehmen, Gespräche mit Investoren oder der mögliche Verkauf einzelner Geschäftsbereiche.

Für Kunden bedeutet das zunächst Stabilität. Mitarbeiter bleiben zunächst beschäftigt, Support und Betrieb laufen weiter. Verzögerungen bei Updates sind möglich, ein sofortiger Stillstand ist jedoch nicht vorgesehen.

Plugin Alliance: Entwarnung für viele Nutzer

Ein wichtiges Update kommt von der Plugin Alliance. In einer öffentlichen Stellungnahme wurde erklärt, dass die Standorte in Langenfeld und den USA nicht Teil des laufenden Insolvenzverfahrens sind. Der operative Betrieb soll dort unverändert weitergehen.

Für viele Produzenten ist das eine zentrale Information, da Plug-ins aus diesem Umfeld in zahlreichen Mix- und Mastering-Workflows fest integriert sind. Support, Installer und neue Releases sollen vorerst normal verfügbar bleiben.

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Welche Folgen die Insolvenz für Setups, Lizenzen und Workflows haben kann

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Native Instruments nimmt eine Sonderrolle im Markt ein. Kontakt ist für viele Bereiche der Musikproduktion technische Grundlage, nicht nur ein weiteres Plug-in. Film-, Serien- und Gamesoundtracks, aber auch Pop- und Elektronikproduktionen basieren auf Libraries, die ohne Kontakt nicht nutzbar wären.

Maschine ist für viele Beatmaker das Zentrum ihres Workflows, Traktor bleibt trotz stärkerer Konkurrenz ein fester Bestandteil professioneller DJ-Setups. Entsprechend groß ist die Abhängigkeit vieler Arbeitsweisen von der langfristigen Stabilität dieses Ökosystems.

Vertrauen als kritischer Faktor

Die aktuelle Situation ist auch das Ergebnis eines schleichenden Vertrauensverlusts. Seit etwa 2019 stand Native Instruments wiederholt in der Kritik. Produktstrategien wirkten unklar, Kommunikation nach außen oft widersprüchlich.

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Massive X erfüllte die Erwartungen lange nicht, Absynth wurde eingestellt und erst spät wiederbelebt. Gleichzeitig wuchs der Fokus auf Expansions, Bundles und Rabattmodelle. Viele langjährige Nutzer hatten den Eindruck, dass wirtschaftliche Optimierung wichtiger wurde als die Weiterentwicklung zentraler Kernprodukte.

Die Rolle von Soundwide und die Folgen

Die Zusammenführung von Native Instruments mit iZotope, Plugin Alliance und Brainworx unter dem Namen Soundwide sollte Synergien schaffen, sorgte aber für zusätzliche Verwirrung. Viele Nutzer verloren den Überblick darüber, welche Marke wofür stand und wohin sich das Unternehmen entwickeln wollte.

Die spätere Rückkehr zum Namen Native Instruments war ein stilles Eingeständnis, dass diese Strategie nicht aufgegangen war. Für viele Anwender blieb jedoch ein Gefühl von Unsicherheit zurück.

Was jetzt für Musiker sinnvoll ist

Kurzfristig besteht kein Handlungsbedarf. Niemand muss Software deaktivieren, Projekte exportieren oder Systeme einfrieren. Dennoch ist die Situation ein Anlass, das eigene Setup bewusst zu betrachten.

Dazu gehört:

  • regelmäßige Backups wichtiger Projekte
  • lokale Sicherung von Installern und Libraries
  • ein Bewusstsein für Abhängigkeiten von einzelnen Plattformen

Das gilt nicht nur für Native Instruments, sondern grundsätzlich für digitale Produktionsumgebungen.

Wie es weitergehen könnte

Native Instruments verfügt weiterhin über Technologien und Marken mit hohem Marktwert. Kontakt, Maschine und Traktor sind für potenzielle Investoren sehr attraktiv. Eine Übernahme oder Restrukturierung könnte auch bedeuten, dass genau diese Kernprodukte wieder stärker in den Fokus rücken und man sich wieder auf die eigenen Stärken besinnt.

Das vorläufige Insolvenzverfahren markiert daher weniger ein Ende als eine Phase der Neuorientierung. Ob Native Instruments daraus vielleicht sogar gestärkt hervorgeht oder weiter an Bedeutung verliert, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Für Musiker bleibt vorerst, informiert zu bleiben und einfach abzuwarten.